Formel 1 / Hintergrund

Formel 1 Japan 2017: 7 Schlüsselfaktoren für den Suzuka-Sieg

Lewis Hamilton gegen Sebastian Vettel - fällt beim Formel-1-Rennen in Suzuka eine Vorentscheidung in der WM? Die Schlüsselfaktoren für das Rennen:
von Chris Lugert

1. S wie Startaufstellung

Lewis Hamilton sicherte sich in Suzuka seine 71. Pole der Karriere, es war zugleich seine erste Pole in Suzuka überhaupt. Die Mercedes-Dominanz machte Valtteri Bottas auf Rang zwei perfekt, doch der Finne wird aufgrund einer Getriebestrafe zurückversetzt. Den zweiten Platz in Reihe eins übernimmt daher Sebastian Vettel. Die beiden Red-Bull-Piloten Daniel Ricciardo und Max Verstappen bilden die zweite Startreihe.

Ein ganz stark aufgelegter Esteban Ocon startet von Rang fünf, profitiert dabei aber von den Strafen gegen beide Finnen. Bottas geht als Sechster ins Rennen vor Sergio Perez und Felipe Massa. Die Top-10 komplettieren Stoffel Vandoorne und Kimi Räikkönen, der ebenfalls wegen eines Getriebewechsels bestraft wurde.

2. S wie Start

Der Start dürfte zu einem vorentscheidenden Faktor werden. Im vergangenen Jahr erlebte Lewis Hamilton einen Horror-Start und fiel von Rang zwei aus weit zurück. Inzwischen hat der Brite seine Schwäche am Start aber abgelegt, in den vergangenen Rennen fiel er nicht negativ auf. Mit Sebastian Vettel direkt neben ihm könnte aber eine echte Gefahr lauern. Wie viel Risiko geht der Ferrari-Star, der zum Siegen verdammt ist?

"Wir hatten zuletzt gute Starts", berichtete Vettel, wenngleich er damit nicht unbedingt die jüngste Vergangenheit gemeint haben dürfte. In Singapur war nach wenigen Metern Schluss, in Malaysia kann ein Start vom letzten Platz aus nicht der Maßstab sein.

Auf Gedeih und Verderb werde er es in Suzuka aber nicht gleich am Start versuchen, kündigt Vettel an. "Aber auch wenn ich in Kurve eins hinter Lewis sein sollte, gibt es noch Chancen. Hitze, Rennpace - und bei der Strategie ist etwas möglich. Wir haben das Paket und das Auto, um gewinnen zu können", so Vettel selbstbewusst. Aus Reihe zwei aber ist mit den Red Bulls ebenfalls zu rechnen, gerade Max Verstappen ist als Schnellstarter bekannt.

Streckendaten Suzuka Circuit
Länge: 5,807 km
Runden: 53
GP-Distanz: 307,771 km
Rundenrekord: 1:31.540 Minuten (Rai, 2005)
Kurven: 18
Weg bis Kurve 1: 350 m
Länge Boxengasse: 413 m
Zeit in Box bei 80 km/h: 20,00 s

3. S wie Strategie

In Malaysia arbeitete sich Sebastian Vettel mit einer alternativen Strategie durch das Feld bis auf Rang vier nach vorne. In Suzuka dagegen nehmen sich Lewis Hamilton und sein WM-Rivale zumindest im ersten Stint nichts. Danach aber könnte es spannend werden. Pirelli erwartet für die meisten Fahrer eine Zweistopp-Strategie, mutige Strategen könnten es aber auch mit einem Stopp versuchen. "Es ist eines der Rennen, bei dem die Entscheidung schwer fällt, ob man einen Stopp absolviert oder zwei", sagte etwa McLaren-Pilot Stoffel Vandoorne.

Was die verfügbaren Reifen betrifft, so liegen Vettel und Hamilton gleichauf. Beide haben noch jeweils einen frischen Satz Softs sowie einen Satz der Medium-Reifen. Red Bull dagegen hat sowohl bei Verstappen, als auch bei Ricciardo noch jeweils zwei frische Sätze Softs auf Lager. Ein Vorteil auf die Distanz für Red Bull? Möglicherweise, sollte die zu erwartende höhere Asphalttemperatur den Reifenverschleiß ansteigen lassen.

Eine ganz andere strategische Herangehensweise wählte das strafversetzte Finnen-Duo Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen. Beide starten das Rennen mit den Soft-Reifen, sie kopieren also quasi die Vettel-Strategie aus Malaysia. Der Vorteil für beide: Durch einen längeren ersten Stint besteht die Möglichkeit, Positionen zu gewinnen. Bottas aber ist in seinem Reifenkontingent etwas limitierter. Hat Räikkönen noch jeweils einen frischen Satz jeder Mischung übrig, muss Bottas auf einen frischen Satz Supersofts verzichten.

4. S wie Suzuka-Wetter

Recht kühl und vor allem nass präsentierte sich Suzuka am Freitag. Zum Samstag gab es eine Wetterbesserung, es blieb trocken und die Temperaturen erreichten höhere Werte. Im Rennen soll es erneut wärmer werden, fast schon frühsommerlich bei Temperaturen jenseits der 25 Grad. Die Regenwahrscheinlichkeit beläuft sich gerade einmal auf 20 Prozent.

Eine Vorhersage, die Mercedes keine Luftsprünge machen lassen dürfte. Hitze ist einer der großen Schwachpunkte bei den Silberpfeilen, weshalb Toto Wolff scherzhaft berichtete, einen Regentanz aufgeführt zu haben. In Malaysia wurde das Problem der hohen Temperaturen wieder überdeutlich. "Wenn es kühl ist, tun sich unsere Reifen am Auto deutlich leichter", verriet Niki Lauda bei Sky.

Ferrari dagegen kommen hohe Temperaturen bekanntermaßen entgegen. Beim Hitzerennen in Ungarn war das ebenso erkennbar wie in Malaysia, wo nur die eigene Unfähigkeit ein tolles Resultat verhinderte.

5. S wie Sonntagspace

Damit einhergehend ist auch die Rennpace ein Faktor, der für Ferrari spricht. In den Qualifyings ist Mercedes scheinbar unantastbar, doch die Sonntage gehören oft der Scuderia. So auch in Suzuka? "Im Rennen sind wir normalerweise immer schneller", weiß Vettel. Und auch Polesetter Lewis Hamilton hat Ferrari absolut noch auf der Rechnung. "Ferrari war im letzten Rennen sehr schnell, daher wird es interessant sein, ihre Pace zu sehen", sagte er.

Normalerweise besteht nach dem Qualifying annähernd Klarheit über die zu erwartende Leistungsfähigkeit der einzelnen Teams im Rennen. Schließlich werden am Freitag Longruns absolviert, um die perfekte Rennabstimmung zu finden. Doch diese Simulationen fielen in Suzuka dem Wetter zum Opfer, verlässliche Daten gibt es kaum. Das Rennen bietet somit auch ein gewisses Überraschungspotenzial.

Sebastian Vettel setzt auf Ferraris Rennpace und den Faktor Wetter - Foto: LAT Images

6. S wie Spaß

Das Streckenlayout in Suzuka ist für die neuen Autos der Generation 2017 wie geschaffen. Besonders die schnellen Essess im ersten Sektor sind mit den deutlich mehr Grip produzierenden Boliden ein echter Spaßfaktor geworden. " Besonders mit dem Anpressdruck und den breiten Reifen die wir dieses Jahr haben, ist der erste Sektor wirklich beeindruckend. Er ist sehr aufregend zu fahren", sagte Stoffel Vandoorne.

Daniel Ricciardo nahm die Zuhörer mit auf eine imaginäre Runde. "Kurve 3 wird Vollgas gehen, 4 und 5 mit einem kleinen Lupfer und 6 genauso. Turn 7 wird komplett voll gehen. Dann die erste Degner mit kleinem Lupfer... das wird sicherlich die meisten von uns erregen...", kündigte Daniel Ricciardo bereits am Freitag an.

Am Samstag dann sorgte vor allem die Degner-Kurve, als im Training erst Kimi Räikkönen dort abflog und im Qualifying Valtteri Bottas einen Einschlag so eben noch verhindern konnte. "Es ist eine Highspeed-Strecke, die kaum Raum für Fehler lässt. Degner 1 und Degner 2 sind unverzeihliche Kurven. Da gibt es fast keinen Auslauf", erklärte Nico Hülkenberg.

7. S wie Sieger

Mercedes dürfte trotz aller Wettervorhersagen und der möglichen Rückkehr des Spätsommers der große Favorit auf den Japan-Sieg sein. Zu überlegen präsentierten sich die Silberpfeile, allen voran Lewis Hamilton, bislang an diesem Wochenende. Hinzu kommt, dass in Suzuka nur schwer überholt werden kann. Es gibt nur eine DRS-Zone, diese befindet sich auf Start/Ziel. Gewinnt Hamilton also den Start, hat er die klar besten Karten.

Ferrari dagegen kann zwar auf die eigene Rennpace setzen, doch kann man nur schwer an einen ähnlichen silbernen Einbruch glauben, wie zuletzt in Malaysia. Red Bull, vor Wochenfrist noch die strahlenden Sieger, sehen für sich kaum Chancen, selbst bei Hitze. "Es müsste wohl schon über 30 Grad haben, damit es einen wirklichen Einfluss hat. 25 Grad sind besser, aber nicht gut, um den Rückstand herumzuschwingen", sagte etwa Daniel Ricciardo.

Und wie tippt die Motorsport-Magazin.com-Redaktion? Das sind unsere (nicht immer ganz ernst gemeinten) Tipps für den Japan Grand Prix:

Stephan Heublein: Kurz und knapp: Kein Überholmanöver an der Spitze, aber Verstappen schnappt sich Ricciardo beim Stopp. Aus. Vorbei. Auf Wiedersehen, Jolyon Palmer!

Stephans Top-3-Tipp: 1. Lewis Hamilton 2. Sebastian Vettel 3. Max Verstappen

Jonas Fehling: Lewis Hamilton machts. Ist doch klar. Als wär' der irgendwie aufzuhalten. Dahinter will es Vettel nicht wahrhaben und fliegt ab. Verstappen sagt Danke und schnappt sich mit dem besseren Renn-Setup als Ricciardo P2, der den dritten Platz durch einen späten Motorschaden noch an Sergio Perez abtreten muss. Der braucht langsam mal wieder ein Podium.

Jonas' Top-3-Tipp: 1. Hamilton 2. Verstappen 3. Perez

Manuel Schulz: Da der Regen ausbleibt, entscheidet die Strategie über den Ausgang des Rennens. Da Ferrari tatsächlich mal mit den Reifen auskommt, schafft Sebastian Vettel es mit einer Ein-Stopp-Strategie ins Ziel und sichert sich damit vor Max Verstappen und Lewis Hamilton den Sieg in Suzuka.

Manuels Top-3-Tipp: 1. Vettel 2. Verstappen 3. Hamilton

Christian Menath: Auch wenn es die Abstände nicht versprechen, ich glaube das Rennen wird gut. Bei Hitze ist der Ferrari stark. Kommt Vettel aber nicht am Start vorbei, wird es schwer. Aber: Bleibt er an Hamilton dran, bringt er ihn in die Zwickmühle. Entweder Undercut verhindern und Track Position verlieren oder Track Position halten und den Undercut riskieren. Ein oder zwei Stopps sind möglich. Vettel kommt jedenfalls vorbei und siegt. Hinter dem WM-Duo gibt es einen erbitterten Kampf der beiden Red Bulls, den Verstappen für sich entscheidet.

Christians Top-3-Tipp: 1. Vettel 2. Hamilton 3. Verstappen

Florian Becker: Japan bedeutet für Jolyon Palmer die letzte Chance, sich seinen Platz in den Geschichtsbüchern der Formel 1 zu sichern. Denn sind wir mal ehrlich: Der kommt nicht wieder. Dafür kommt aber am Sonntag der nicht vorhergesagte Regen. In der ersten Runde macht das halbe Feld in den S-Kurven den Grosjean und fliegt ab. Beim Neustart stehen nur noch Palmer, die beiden Finnen, beide McLaren und die Sauber am Start. Palmer gewinnt damit locker vor Ericsson und Wehrlein.

Florians Top-3-Tipp: 1. Palmer 2. Ericsson 3. Wehrlein

Chris Lugert: Lewis Hamilton bringt das Ding vom Start weg souverän nach Hause. Rang zwei geht an Sebastian Vettel, aber dahinter wird es spannend. Die beiden Finnen hauen sich mal wieder gegenseitig von der Strecke, bei Red Bull schlägt der Defektteufel zu. Somit sichert sich Esteban Ocon sein erstes Podium in der Formel 1.

Chris' Top-3-Tipp: 1. Hamilton 2. Vettel 3. Ocon


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