Formel 1

Singapur: Hülkenberg mit Pech und ungeliebtem Rekord

Formel-1-Pilot Nico Hülkenberg verpasst in Singapur eine Sensation. Lange lag er in Schlagdistanz zum Podium, am Ende aber stand er mit leeren Händen da.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 hat einen neuen Rekordhalter. Nico Hülkenberg schaffte es in Singapur auch in seinem 129. Rennen der Karriere nicht auf das Podium und übernahm damit den ungeliebten Rekord für die meisten Rennen ohne Treppchen-Besuch. Adrian Sutil hatte diesen mit 128 Rennen über mehrere Jahre inne. Ein Deutscher folgt also einem anderen. Dabei sah es in der Anfangsphase des Rennens sogar so aus, als könnte Hülkenberg diese Serie tatsächlich beenden - ehe ein technisches Problem zu einem bitteren Ausfall führte.

Nach dem Chaos am Start, das beide Ferraris und Max Verstappen direkt und Fernando Alonso wenige Runden später aus dem Rennen nahm, fand sich der Renault-Pilot hinter Lewis Hamilton und Daniel Ricciardo plötzlich auf dem dritten Platz wieder. Diesen konnte er gegenüber seinem langjährigen Teamkollegen Sergio Perez einige Runden verteidigen. Danach aber rächte sich seine Reifenwahl zu Rennbeginn.

Rang vier quasi sicher, Podium im Visier

Anders als die meisten Fahrer setzte Hülkenberg auf Regenreifen, was ihn bei abtrocknender Strecke in Runde 12 zu seinem ersten Boxenstopp zwang. Valtteri Bottas und Carlos Sainz, die zuvor hinter Hülkenberg lagen, waren auf Intermediates gestartet und verzichteten auf einen frühen Stopp. Dadurch kamen sie im Klassement vorbei, Hülkenberg war Fünfter.

Dieses Ergebnis hatte bis zur zweiten Phase der Boxenstopps Bestand. Danach kam es zur großen Wechsel-Arie auf die Slick-Reifen, nachdem sich Haas-Pilot Kevin Magnussen als erstes Versuchskaninchen dazu bereiterklärt hatte.

Hülkenberg kam zwar erst eine Runde nach Sainz an die Box, doch da der Spanier als einziger Fahrer die Supersofts wählte und entsprechend mit Grip-Problemen auf seiner Outlap kämpfte, fand Hülkenberg dank eines Overcuts den Weg vorbei und übernahm Rang vier. In den folgenden drei Runden konnte der Deutsche sogar Druck auf den drittplatzierten Valtteri Bottas aufbauen, eine Sensation in Form eines Podiums schien möglich. Doch der Finne zog die Pace in seinem Silberpfeil an und ließ Hülkenberg schlussendlich keine Chance.

Rang vier und damit wertvolle Punkte für die Konstrukteurs-WM schienen jedoch sicher, der Vorsprung auf Sainz war mit sechs Sekunden komfortabel. Doch mit Beginn der dritten Safety-Car-Phase nahm das Unheil für Hülkenberg seinen Lauf. Er kam an die Box, jedoch nicht nur zu einem Reifenwechsel. Stattdessen mussten die Mechaniker zusätzlich Druckluft einführen, der Deutsche stand eine gefühlte Ewigkeit vor seiner Garage. Als er wieder auf die Strecke kam, war das gute Ergebnis dahin - Hülkenberg reihte sich auf Rang zehn wieder ein.

In der Anfangsphase lag Hülkenberg auf Rang drei - Foto: Sutton

Hülkenberg enttäuscht, Palmer glänzt

Doch auch diesen konnte er nicht nach Hause bringen. Zehn Runden vor dem Rennende musste der 30-Jährige seinen Renault in der Box abstellen. Das bittere Ende eines lange Zeit herausragenden Rennens. "Leider hatten wir technische Probleme mit dem Motor und mussten das Rennen beenden", sagte ein geknickter Hülkenberg. "Es war ein enttäuschendes Rennen, man investiert so viel Arbeit über das gesamte Wochenende und dann passiert so etwas. Das ist nicht schön, aber es ist ein technischer Sport und auch ein Teamsport", hielt er fest.

Es hat lange gedauert, aber heute lief alles zusammen.
Jolyon Palmer

Renault konnte sich aber dennoch über Punkte freuen. Jolyon Palmer fuhr mit Rang sechs das bislang beste Ergebnis seiner Formel-1-Karriere ein und holte zugleich seine ersten Punkte in dieser Saison überhaupt. "Ich bin so glücklich. Es hat lange gedauert, aber heute lief alles zusammen", strahlte der Brite, der noch am Freitag erfuhr, dass es bei Renault 2018 keinen Platz mehr für ihn gibt. "Wir hatten eine gute Strategie, gute Boxenstopps und das Auto lief toll unter nassen Bedingungen. Das nächste Rennen sollte noch besser laufen", schwebt Palmer auf einer Euphoriewelle.


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