Formel 1

Ex-F1-Boss Ecclestone: McLaren dumm und schuld an Honda-Pleite

McLarens Abschied von Honda scheint nur noch eine Frage der Zeit. Ex-Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone hat eine klare Meinung zur gescheiterten Ehe.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Noch vor dem Start ins Singapur Grand-Prix-Wochenende soll es soweit sein: Die Trennung zwischen McLaren und Honda soll von offizieller Seite bekanntgegeben werden. Vermeintlich wegen Hondas Unvermögen, eine konkurrenzfähige Power Unit auf die Beine zu stellen. Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sieht die Verantwortung dafür allerdings nicht alleine bei den Japanern.

"Es war nicht Hondas Schuld, dass es nicht funktioniert hat. Es lag an McLaren", so der 86-Jährige gegenüber der britischen Daily Mail. Für den einstigen kommerziellen Herrscher der Königsklasse war McLarens Politik in schwierigen Zeiten schlichtweg kontraproduktiv: "Sie mussten sich jeden Tag wegen irgendetwas mit ihnen anlegen, statt mit ihnen zusammenzuarbeiten. Das war ein bisschen dumm."

Das 2015 mit so hohen Ambitionen gestartete Projekt wird nach 60 Rennen wohl ohne die große Erfolgsgeschichte sein Ende finden. Ecclestone kann sich jedoch nicht vorstellen, dass es danach mit den angepeilten Siegen und WM-Titeln klappen wird. "Ich sehe nicht, weshalb McLaren mit Renault in irgendeiner Weise glücklicher werden sollte, als mit Honda", erklärt der Brite.

Den einzigen positiven Aspekt des Motoren-Wechsels sieht Ecclestone darin, dass der Traditionsrennstall aus Woking damit sein kommerzielles Zugpferd bei der Stange halten kann: "Dass Alonso bleibt, sind super Neuigkeiten." In der Tat könnte der Druck des spanischen Superstars eine ausschlaggebende Rolle bei der Entscheidung McLarens gespielt haben.

Honda-Abschied wegen Alonso-Erfolgsdruck?

Alonso hatte immer wieder beteuert, das Team nicht vor die Wahl zwischen Honda und ihn zu stellen: "Nein, ich bin nur der Fahrer. Ich fahre so schnell ich kann. Jedes Mal, wenn ich im Auto sitze." Andererseits machte er auch keinen Hehl daraus, dass sein Geduldsfaden angesichts der Honda-Misere vor langer Zeit gerissen ist.

Sowohl im Cockpit als auch außerhalb davon sparte der 36-Jährige nicht mit Kritik an den Power Units aus Sakura und stellte obendrein unmissverständliche Forderungen: "Ich will nächstes Jahr Rennen gewinnen und dafür brauchen wir einige Änderungen. Wenn das passiert, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass ich bleibe."

Alonsos größter Fürsprecher bei McLaren ist zweifelsohne Executive Director Zak Brown. Der US-Amerikaner weiß um den kommerziellen Wert des zweimaligen Weltmeisters. Auch aus diesem Grund erlaubte er Alonso in diesem Jahr, den Monaco GP für eine Teilnahme am Indy 500 sausen zu lassen.

Obendrein stellte auch Brown schon vor Monaten eine Trennung von Honda in den Raum. "Wir werden uns kein weiteres Jahr wie dieses antun", so der 46-Jährige im Juni. Im gleichen Zuge stellte er auch Hondas Kompetenz erstmals konkret in Frage. Was das Erreichen von WM-Titeln angeht, so habe McLaren "ernsthafte Bedenken."

Sollte tatsächlich alles so kommen wie vermutet, dürfte dank des McLaren-Wechsels auf Renault-Aggregate ab 2018 Toro Rosso mit Honda-Power im Heck an den Start gehen. Ein weiterer Sieger des Deals wird dabei Carlos Sainz sein, der aller Wahrscheinlichkeit nach den langersehnten Abschied von Toro Rosso in Richtung eines Werks-Cockpits bei Renault antreten darf.


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