Formel 1 - Force India: Beendet Teamorder die freie Fahrt?

Perez: Es gab keine Anweisung

Force India verpasste in Kanada einen möglichen Podestplatz. Diskussionen über eine mögliche Teamorder folgten. Nun bezieht Robert Fernley Stellung.
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Motorsport-Magazin.com - Bei Force India war nach dem Kanada GP Druck unterm Kessel. Statt einen möglichen Podestplatz abzugreifen, indem einer der beiden Fahrer den drittplatzierten Daniel Ricciardo kassiert, musste man am Ende noch Sebastian Vettel ziehen lassen. Was war passiert? Perez, auf Rang vier liegend, fand über weite Strecken des Rennens keinen Weg vorbei an Ricciardo, obwohl er ihm beinahe im Getriebe hing. Esteban Ocon, der auf frischeren Reifen gegen Rennende den Anschluss an beide herstellte, schlug vor, den Platz mit Perez zu tauschen, um selbst einen Angriff auf den Australier zu versuchen.

Solche Vorgehensweisen sind in der Formel 1 nicht unüblich, im Falle eines Scheiterns werden die Positionen wieder zurückgetauscht - vorausgesetzt, die beiden Fahrer befinden sich noch hintereinander. Einen Streitfall darüber gab es in Bahrain zwischen Lewis Hamilton und Valtteri Bottas. Hamilton sollte den Angriff auf Vettel versuchen, wurde dafür am Finnen vorbeigewunken, gab den Platz aber nicht mehr zurück. Der Abstand war jedoch auch bereits deutlich angewachsen.

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Vettel - Foto: Sutton

Perez bestreitet missachtete Teamorder

Doch zurück zu Force India: Nach dem Rennen wehrte sich Perez gegen die Behauptung, er hätte einer Teamanweisung, den Platz an Ocon abzugeben, nicht Folge geleistet. "Die Medien haben diese Story erfunden, denn ich habe nie eine Teamorder missachtet", stellt er gegenüber "Autosport" klar und berichtet die Situation aus seiner Sicht.

Wenn ich eine Anweisung bekomme, befolge ich sie. Aber es gab keine.
Sergio Perez

"Wir hatten nur Diskussionen, ob ich Ocon vorbeigehen lassen sollte. Ich habe dann aber meinen Speed wieder angehoben und das war es. Zu keinem Zeitpunkt habe ich mein Team ignoriert. Ich bin hier, um das beste Resultat für Force India einzufahren. Und wenn ich eine Anweisung bekomme, befolge ich sie. Aber es gab keine", verdeutlicht er nochmals.

Ein Blick auf die Rundenzeiten lässt jedoch die Frage aufkommen, wann Perez den Speed zugelegt haben soll. Von Runde 48 an, als Perez und Ocon erstmals innerhalb einer Sekunde lagen, waren beide fast auf einem Niveau unterwegs. In manchen Runden war der Mexikaner einen Hauch schneller, in anderen der Franzose. Konstant war nur erkennbar, dass Ricciardo besonders zwischen Runde 53 und 60 langsamer war. Erst in den letzten beiden Runden vor dem Überholmanöver von Vettel konnte sich Ricciardo etwas von den Force Indias freischwimmen, weil diese sich plötzlich verteidigen mussten.

Nun durfte sich Force India auch mit den Plätzen fünf und sechs über ein tolles Ergebnis freuen, inzwischen hat man weit mehr als doppelt so viele Punkte gesammelt, wie Toro Rosso als erster Verfolger in der Konstrukteurs WM. Doch so leichtfertig Punkte verschenken will man nicht noch einmal, daher denken die Teambosse über Veränderungen im Umgang mit solchen Situationen nach. "Es gibt Positives und Negatives, was da passiert ist" erklärte der stellvertretende Teamchef Robert Fernley gegenüber "Autosport".

Änderungen bei Force India denkbar

Grundsätzlich sei diese Diskussion nur ein Beleg dafür, dass man zwei richtig starke Fahrer habe. "Vielleicht müssen wir unsere Positionen für die Zukunft überdenken. Aber es ist ein schönes Problem. Und wir sollten es uns nicht schlechtreden lassen, welch tolles Ergebnis wir eingefahren haben", mahnt Fernley. Die vergebene Podestchance hängt ihm dabei nach eigener Aussage nicht nach. "Ich bin nicht wirklich frustriert. Wir müssen uns das einfach anschauen."

Vielleicht müssen wir unsere Positionen für die Zukunft überdenken.
Robert Fernley

Er springt jedoch Perez bei und stellt ebenfalls klar, dass für beide Fahrer freie Fahrt galt. "Wir haben es den Fahrern immer gestattet, frei zu fahren. Man sollte da jetzt keine Schuldzuweisungen tätigen. Aus Fan-Sicht kann man nicht beides haben. Man kann nicht meckern, wenn sie Positionen tauschen und später dann Kritik äußern, weil sie es nicht getan haben. Unsere Politik war es, sie frei fahren zu lassen und das ist alles", sagte er. Wie es in Zukunft gehandhabt wird, bleibt abzuwarten.


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