Formel 1

'Nein-Sager' Ecclestone kontert Carey-Kritik: Immerhin die Formel 1 verkauft

Liberty-Boss Chase Carey kritisierte zuletzt Bernie Ecclestones konservativen Führungsstil. Der ehemalige F1-Zampano holte unverzüglich zum Gegenschlag aus.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Vor einigen Wochen beschwerte sich Bernie Ecclestone noch darüber, dass Liberty Media in seiner neuen Funktion als Ehrenpräsident nicht zum Zuge kommen lässt. In der Zwischenzeit wurde das einstige Oberhaupt der Königsklasse aber in Bahrain und Russland wieder an der Rennstrecke gesichtet - immer in bester Gesellschaft von Herren wie Wladimir Putin, Chase Carey & Co. In einem Interview mit der Press Association kritisierte sein Nachfolger Carey jedoch kürzlich den Führungsstil Ecclestones.

Ich musste sicherstellen, dass wir finanziell das Maximum herausholen, um das Unternehmen für einen Verkauf interessant zu machen - und das ist ja auch eingetreten.
Bernie Ecclestone

Der Vorwurf Careys lautete, Ecclestone habe in seiner Zeit als F1-Boss zu konservativ gehandelt und zu häufig innovativen Ideen eine Absage erteilt. "Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die gemacht hätten werden müssen, aber nicht erledigt worden sind", so der US-Amerikaner, der sich von seinen Ansätzen mehr Erfolg verspricht: "Ich möchte viel häufiger 'ja' sagen. Welchen Wert hat eine Idee, wenn die die Antwort auf alles immer nur "nein" ist? Das sorgt nur für Frustration."

Ecclestone ließ sich nicht zwei Mal zum Konter bitten und machte gegenüber der Sun deutlich, wie er die Dinge sieht. "Der einzige Grund weshalb ich jemals zu irgendetwas 'nein' gesagt habe, war, dass ich es für keine gute Sache hielt oder es keinen Gewinn erzielen konnte", so der 86-Jährige, der sein persönliches Ziel in jedem Fall als erreicht ansieht.

"Ich musste sicherstellen, dass wir finanziell das Maximum herausholen, um das Unternehmen für einen Verkauf interessant zu machen - und das ist ja auch eingetreten", gibt Ecclestone seinem über 40 Jahre ausgeübten Führungsstil im Nachhinein Recht. Ob die neue Führung das auch von sich behaupten können wird, muss sich für ihn erst noch zeigen: "Unter dem Strich müssen wir erst einmal sehen, ob die neuen Besitzer Recht damit haben oder nicht."

Der F1-Boss und die VIPs: (01:03 Min.)

Carey: Jeder macht mal Fehler

Bernie hatte ein Jahrzehnte altes Business übernommen und es für acht Milliarden Dollar verkauft.
Chase Carey

Die neuen Eigentümer hatten bei aller Kritik aber auch lobende Worte für Ecclestone übrig. "Jeder von uns macht Fehler, niemand ist perfekt. Bernie hatte ein Jahrzehnte altes Business übernommen und es für acht Milliarden Dollar verkauft. Er verdient, für das was er erreicht, hat alle Anerkennung der Welt", so Carey, der sich in der heutigen Zeit jedoch für den richtigen Mann an der Spitze der Formel 1 hält: "In unserer heutigen Welt musst du einen Sport vermarkten. Und das war bisher nicht geschehen."

Carey will sicherstellen, dass sein Produkt langfristiger Planung unterliegt und so bestmöglich auf dem Markt platziert werden kann. "Wir kümmern uns mehr darum, wo der Sport in drei Jahren ist und nicht in drei Monaten. Bernie war immer sehr darauf fokussiert, was auf kurze Sicht funktioniert", erläutert der 63-Jährige die Unterschiede zwischen seinem und dem Ecclestone-Führungsstil.

Liberty Media will langfristige Konzepte

Zusammen mit Sean Bratches für die kommerziellen und Ross Brawn für die sportlichen Aspekte der Formel 1, will er Dingen wie dem für 2021 neu angesetzten Motorenkonzept mehr Zeit geben, um Schnellschüsse wie in der Vergangenheit zu vermeiden: "Wir werden Dinge unternehmen, aber manche brauchen Zeit. Du wirst nicht innerhalb von zwei Monaten einen neuen Motor haben, denn wenn du das versuchen würdest, würde es mehr Schaden als Gutes anrichten."

Einfach nur für Sensationen und Nachrichten den gesamten Sport auf den Kopf zu stellen, ist für Careys langfristigen Pläne nicht zielführend: "Wir wollen sicherstellen, dass wir die Tools haben um das Geschäft richtig zu managen, statt einfach nur irgendwelche Entscheidungen zu fällen, nur damit irgendwer eine Geschichte darüber schreiben kann."


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