Formel 1 / Blog

Kommentar: Das Palmer-Renault-Desaster

Jolyon Palmer hat in der Formel 1 nichts zu suchen - so lautet das knallharte Urteil von Motorsport-Magazin.com-Redakteur Christian Menath.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Ein bisschen konnte einem Jolyon Palmer nach dem Russland-Qualifying leidtun: Der Renault-Pilot hatte soeben Mal wieder seinen Boliden in der Mauer versenkt und musste sich den Fragen der Journalisten stellen. Dabei hatte er Mal wieder kaum Trainingszeit, weil die Technik streikte und das Chassis gewechselt werden musste.

Ja, Palmer ist in diesem Jahr wirklich nicht vom Glück verfolgt. Erst hatte er kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu, würde ein ehemaliger Fußballspieler vielleicht über ihn urteilen. Erst recht, nachdem sein Rennen nach Kurve eins auch schon wieder beendet war. Die Kollision zwischen Palmer und Grosjean in Russland war ein klassischer Rennunfall - nicht mehr, nicht weniger.

Die Kolission beim Russland GP war ein normaler Rennunfall - Foto: Sutton

Pech beiseite: Jolyon Palmer hat in der Formel 1 nichts zu suchen. Sportlich, denn menschlich ist der Brite durchaus ein sympathischer Zeitgenosse. Die neue Formel 1 zeigt aber noch viel schonungsloser, dass er in der Königsklasse Fehl am Platz ist, die Spreu trennt sich wieder vom Weizen. Und nirgends trennt sie sich so deutlich wie bei Renault.

Mit Nico Hülkenberg hat Palmer einen sehr erfahrenen und sicherlich sehr starken Piloten an der Seite. Wer auch immer es sein mag, Palmers Rückstand darf niemals so eklatant groß sein. Während Hülkenberg auf einen durchschnittlichen Startplatz von 8,5 kommt, geht Palmer im Schnitt von P16 aus ins Rennen.

Nico Hülkenberg und Jolyon Palmer - ein ungleiches Duo - Foto: Sutton

In allen gezeiteten Sessions dieser Saison zusammen - das China-Regentraining ausgenommen -, war Palmer im Schnitt 1,4 Sekunden langsamer als Hülkenberg. Ein einziges Mal, nämlich im 3. Freien Training zum China GP, war Palmer schneller. Im Qualifying steht es 4:0 für den Hulk, sein Vorsprung auf den Teamkollegen beträgt im Mittel 1,5 Sekunden. Das ist mehr als eklatant und mit Pech und mangelnder Vorbereitung nicht mehr zu erklären.

Im Rennen sieht es kaum besser aus: Sechs Punkte für Hülkenberg, null für Palmer. Selbst in China, als Hülkenberg sein wohl fahrerisch schlechtestes Rennen seit Jahren hatte, sich zweimal drehte und dazu noch 15 Strafsekunden in der Boxengasse absitzen musste, kam der Deutsche noch zwei Sekunden vor Palmer ins Ziel.

Dazu hat Palmer den Renault schon zweimal sehenswert in der Leitplanke versenkt. Einmal spektakulär in Melbourne, im Qualifying zum Russland GP ein zweites Mal - diesmal etwas dezenter. Jolyon Palmer ist kein legitimer Nachfolger von Pastor Maldonado, weil Maldonado teilweise richtig schnell war. Bei Maldonado wechselten sich Genie und Wahnsinn ab, Palmer ist vielleicht etwas weniger Wahnsinn, dafür existiert das Genie nicht.

Renault führt Werks-Engagement ad absurdum

Paydriver gab es in der Formel 1 schon immer, das ist nicht mein Punkt. Paydriver gibt es aber in der Regel, um Teams zu finanzieren. Renault ist seit der letzten Saison ein Werksteam. Dass die Fahrerpaarung im ersten Jahr nicht wie bei Honda aus Fernando Alonso und Jenson Button besteht - okay. Aber im zweiten Jahr hätte es dann schon etwas mehr als Jolyon Palmer sein dürfen.

Renault führt das Werks-Engagement mit Palmer ad absurdum. Dazu kommen Freitagseinsätze von Sergey Sirotkin, weshalb Hülkenberg Trainingssitzungen verpasst - und nebenbei trotzdem sofort schneller fährt als sein Teamkollege. Renault muss sich entscheiden: Geld in die Hand nehmen oder nicht. Geld schießt nicht nur Tore, sondern fährt auch schnell. Was bringen Abermillionen in der Fabrik, wenn es auf der Rennstrecke nicht umgesetzt werden kann? Renault muss nun alles daran setzen, Fernando Alonso spätestens 2018 im Auto zu haben.


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