Formel 1

Formel 1: Williams hat seine Schwachstellen dank der neuen Regeln behoben

Langsame Kurven und der Reifenverschleiß waren die Schwachpunkte bei Williams 2016. Mit den neuen Regeln gehöre das der Vergangenheit an, meint Rob Smedley.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Williams gehörte zweifellos zu den Überraschungen der Testfahrten. Nach einem schleichenden, aber an den Resultaten ablesbaren Abwärtstrend gerade 2016 scheint das Traditionsteam aus Grove im Zuge der Regeländerungen zur neuen Saison einer der Gewinner zu sein. Bereits bei der letzten großen technischen Revolution 2014, als die Power Units Einzug in die Formel 1 fanden, profitierte Williams extrem von den Mercedes-Aggregaten. Aus dem Hinterbänkler der Vorjahre wurde damals ein regelmäßiger Podiumskandidat.

Die Motoren blieben gleich, beim Chassis musste Williams in den letzten Jahren aber Federn lassen. 2016 zog sogar Force India vorbei und verdrängte Williams auf WM-Platz fünf. Das größte Manko hatte der Bolide in langsamen Kurven zu verkraften. Entsprechend chancenlos agierte Williams auf Strecken wie in Monaco oder in Budapest. Mit dem neuen Aerodynamik-Reglement, das eine völlige Neukonstruktion der Boliden erforderte, scheint der Fehler aber erkannt zu sein.

In den engen Gassen Monacos war Williams chancenlos - Foto: Sutton

Smedley: Haben die Schwachstellen ausgemerzt

Wir haben herausgefunden, warum das Auto in langsamen Kurven so schwach war.
Rob Smedley

"Wir haben sehr hart an den verschiedenen Stellen gearbeitet und herausgefunden, warum das Auto in langsamen Kurven so schwach war", erklärte Rob Smedley, head of Performance Engineering, auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. Details, ob es mechanische oder aerodynamische Probleme waren, nannte er dabei nicht.

Die neuen Regeln vereinfachten die Umsetzung dabei immens. "Es ist nicht einfach, wenn man von einem Jahr auf ein anderes entwickelt, wenn die Regularien gleich bleiben. Oder gar im Laufe eines Jahres. Man müsste in diesem Fall gegen eine grundlegende Architektur ankämpfen", erklärt Smedley das Problem.

Diese Architektur war nun aber nicht mehr vorgegeben, Williams konnte das Problem konsequent angehen. Die Strecke in Barcelona gilt aufgrund ihrer vielschichtigen Eigenschaften als Gradmesser für das Auto, weil jeder Sektor eine andere Anforderung an das Auto stellt. Langsame Kurven gibt es vor allem im Schlussabschnitt der Strecke.

Wir waren in Sektor drei in Barcelona in den letzten Jahren nie so konkurrenzfähig, wie wir es jetzt waren.
Rob Smedley

Die Daten, die Williams dort sammelte, waren laut Smedley vielversprechend. "Wir waren in Sektor drei in Barcelona in den letzten Jahren nie so konkurrenzfähig, wie wir es jetzt waren", frohlockte er, auch wenn Vergleiche bei Testfahrten mit anderen Teams grundsätzlich schwierig sind. "Wir haben hart daran gearbeitet, man darf dabei aber auch nicht die anderen Streckenabschnitte vergessen", merkt er an.

Kann Williams die Spitze attackieren? - Foto: Sutton

Ob der FW40 also auch abseits der langen Geraden, die in der Vergangenheit zum Spezialgebiet von Williams zählten, bestehen kann, muss sich noch zeigen. "Ich möchte im Moment nicht sagen, ob wir gut oder schlecht sind. Aber was wir erreichen wollten, haben wir erreicht. Das ist eine gute Basis, auf der wir im Laufe der Saison aufbauen können", sagte Smedley.

Das Wichtigste ist, so schnell wie möglich das Auto zu entwickeln.

Wichtig sei es ohnehin, die noch jungfräulichen Boliden im Laufe der Saison permanent mit Updates zu versorgen und sich in diesem Entwicklungskrieg einen Vorteil zu verschaffen. "Meiner Meinung nach ist es nicht wichtig, wo man jetzt steht, denn man kann sehr schnell aufholen. Das Wichtigste ist, so schnell wie möglich das Auto zu entwickeln", stellte er klar.

Fazit der Formel 1-Tests in Barcelona: (05:53 Min.)

Besserung auch beim Reifenverschleiß

Ein weiteres Problem, das Williams die letzten Jahre verfolgte, war der gravierende Reifenverschleiß besonders auf der Hinterachse. Doch auch in diesem Punkt scheint das neue Auto einen schonenderen Umgang zu pflegen. Zwar sollen die Reifen generell weniger abbauen, doch beim Blick auf die Zahlen werde deutlich, dass der Williams grundsätzlich kein Reifenfresser mehr sei, wie Smedley erklärt.

"Was wir bisher im Vergleich zu den anderen Teams gesehen haben anhand der Daten, die Pirelli allen Teams zur Verfügung stellt, haben wir einen guten Reifenverschleiß", so der Brite. Besonders Williams absolvierte reihenweise Kilometer, in der zweiten Woche waren es gar die meisten aller Teams. "Wir sind nun in einer ziemlich guten Position, was die Reifenabnutzung und die Länge der Stints betrifft. Das ist eine Grundlage, die man hinbekommen muss. Und aktuell schaut es gut aus", zeigt sich Smedley zufrieden.


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