Formel 1 / Hintergrund

Die Formel 1 und Hollywood: Die etwas andere Analyse der F1-Saison 2016

Kein F1-Rennen ohne große Show. Ein Hauch Hollywood schwingt immer mit. Motorsport-Magazin.com mit einer etwas anderen Analyse.
von Haris Durakovic

Motorsport-Magazin.com - Ob nun Lewis Hamiltons Gastauftritt in "Zoolander 2", Filme wie "Rush" oder Gerard Butler, der auf dem Podium aus Daniel Ricciardos Schuh trinkt: Die Formel 1 ist längst auch in Hollywood angekommen. Motorsport-Magazin.com listet mit einem dicken Augenzwinkern die sechs besten Filme auf, denen die Königsklasse das passende Drehbuch hätte liefern können.

Kein Platz mehr für die alte Garde in der F1? - Foto: Sutton

6. No Country For Old Men

Darsteller: Jenson Button und Felipe Massa

Gleich als Einstieg schwerer Tobak. Der Film ein Klassiker um einen Vietnamveteran, der unverhofft und auch nicht ganz legal zu Blutgeld der mexikanischen Mafia kommt. Fortan auf der Flucht vor den mexikanischen Gesetzesbrechern, einem eiskalten Killer und der Polizei baut sich die Handlung auf zu einem furiosen Finale. Das Finale der beiden Formel-1-Oldies Jenson Button und Felipe Massa war weit weniger furios, ihre Karriere in der Königsklasse gottlob weniger brutal. Doch der Titel des gewählten Thrillers passt zur Abschiedssaison der beiden perfekt. Während sich die Formel 1 in rasantem Tempo weiterentwickelt, überholen die Youngsters ihre Helden der Kindheit. Valtteri Bottas lief zuletzt seinem älteren Teamkollegen Massa den Rang ab und Button hat eh keine Lust mehr auf die Formel 1 der Neuzeit. Nach all der rasanten Reglementänderungen der Vergangenheit ist die Königsklasse nichts mehr für die alte Garde, keine Heimat für die alten Leute. Ein Happy End ist im Gegensatz zum Film nicht ganz auszuschließen: Britischen Meiden zufolge könnte Massa von seinem Rücktritt zurücktreten.

Etwas übermüdet, Herr Räikkönen? - Foto: Sutton

5. Ferris macht blau

Darsteller: Kimi Räikkönen

Zweifellos einer der Klassiker der 1980er Jahre ist die US-Komödie "Ferris macht blau". Dass der Hauptprotagonist Ferris Bueller, gespielt von Matthew Broderick, dabei die Lebenseinstellung von Kimi Räikkönen entscheidend geprägt haben könnte, wäre durchaus nachvollziehbar. Bueller, von den Mitschülern verehrt ob seiner lockeren, coolen und aufmüpfigen Art und genau deswegen gehasst von den Lehrern, beschließt eines Morgens, seiner Schulpflicht nicht nachzukommen und blau zu machen. Die Abenteuer, die der notorische Blaumacher erlebt, machen den Film zu einem zeitlosen Klassiker. Kimi Räikkönen, dem ja nachgesagt wird, er würde nur das nötigste tun und alles verachten, was ihm Autoritäten aufbrummen, passt perfekt zur Hauptfigur von "Ferris macht blau". Und ähnlich beliebt wie Bueller unter seinen Mitschülern, ist Räikkönen weltweit einer der populärsten Formel-1-Piloten. Und mit seiner Art fährt der Iceman auch hervorragend: Er lässt sich von niemanden verbiegen, von niemanden vor den Karren spannen und ist trotzdem Formel-1-Weltmeister und immer noch pfeilschnell.

Max Verstappen: schnell, aber auch etwas mad? - Foto: Sutton

4. Mad Max

Darsteller: Max Verstappen

Der Filmtitel ist Programm. Wenn Max Verstappen ins Auto steigt, muss sich die Konkurrenz fürchten. Nicht nur aufgrund seines Talents und seines ungeheuren Speeds auf der Strecke, sondern auch aufgrund seiner Unberechenbarkeit. Dabei hat der Youngster wenig zu tun mit dem von Mel Gibson verkörperten Max Rockatansky. In der Formel 1 geht es nicht um Leben oder Tod. Die Wüstenlandschaft im australischen Blockbuster hingegen erinnert schon das eine oder andere Mal an Formel-1-Strecken wie in Bahrain oder Abu Dhabi. Und ähnlich wie Gibson in "Mad Max" kommt auch Verstappen mit Ausnahme des Mexiko Grand Prix mit seiner unberechenbaren Art, die das ein oder andere Mal zu gefährlichen Situationen geführt hat, ungeschoren davon. Happy-End-Garantie, sozusagen.

Da hat Rosberg Ecclestone ein Schnippchen geschlagen - Foto: Sutton

3. Immer Ärger mit Bernie

Darsteller: Bernie Ecclestone

Klar, mit dem Film hat der Formel-1-Zampano und seine Rolle in der Königsklasse rein gar nichts zu tun. Aber der Titel passt wie die Faust aufs Auge. Ecclestone ist dafür bekannt, niemals auch nur einen Fetzen Papier vor den Mund zu nehmen. Dass er dabei - ob beabsichtigt oder unbewusst - auch regelmäßig das Fettnäpfchen sucht, sorgt gerne mal für Kontroversen. Unvergessen seine Aussagen während der vergangenen Saison, Nico Rosberg als Weltmeister würde der Formel 1 nicht helfen oder seine Bewunderung für Vladimir Putin. "Ich bin sein größter Unterstützer", sagte Ecclestone vergangenes Jahr im russischen Fernsehen. Dass der Zampano Putins Anti-Homosexuellen-Politik befürwortet, ist nur ein weiteres Beispiel seiner verbalen Entgleisungen. Daher: Immer Ärger mit Bernie - und kein Ende in Sicht.

Ferrari im Teufelskreis - Foto: Sutton

2. Und täglich grüßt das Murmeltier

Darsteller: Scuderia Ferrari

Wer kennt sie nicht, die wunderbar tragische Komödie mit dem unglaublichen Bill Murray, der jeden Morgen aufwacht und ein und denselben Tag durchlebt: den 2. Februar, den Tag des Murmeltiers. Er versucht alles menschenmögliche, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, bleibt aber bis zum Schluss ohne Erfolg. Erst, als er erkennt, dass er sich als Mensch ändern und selbstloser werden muss, durchbricht er die Zeitschleife und wacht am 3. Februar auf. Ein ähnliches Ende erhofft man sich auch in Maranello. Jede Saison die Hoffnung auf Besserung und jede Saison wird der Ferrari-Fan eines besseren belehrt. Das Potenzial der drei Weltmeister Kimi Räikkönen, Fernando Alonso und Sebastian Vettel konnte bislang nur 2007 voll entfaltet werden, als der Iceman den letzten WM-Titel nach Maranello holte. Den Ferraristi bleibt daher nur zu wünschen: Hoffentlich wird 2017 der langersehnte 3. Februar.

Rosberg: Das Unmögliche möglich gemacht - Foto: Sutton

1. Terminator 2 - Judgement Day

Nico Rosberg als T-800 und Lewis Hamilton als T-1.000

Unangefochten an der Spitze: die Fortsetzung des Kassenschlagers mit Arnold Schwarzenegger aus dem Jahr 1991. Auch wenn sich "Krieg der Sterne" natürlich auch anbieten würde, wurde der berühmteste Filmtitel George Lucas' in den vergangenen Jahren zu inflationär verwendet. Daher macht der Sci-Fi-Film um John Connor das Rennen, der die Welt vor der bevorstehenden Apokalypse durch High-Tech-Computer und Roboter retten muss, ohne davon zu wissen. Ihm zur Seite steht Arnold Schwarzenegger, ein Cyborg Modell T-800, den Connor aus der Zukunft schickt, um ihn vor dem T-1.000 beschützen soll, der von der bösen Seite ins Rennen geschickt wurde. Der T-800 ist seinem Pendant in seiner Beschaffenheit weit unterlegen. Am Schluss schafft es Arnie natürlich, wie immer. Wie David macht er am Ende der 137 Minuten seinen Counterpart Goliath platt.

Das Kräfteverhältnis zwischen Hamilton und Rosberg war über ihre gemeinsamen Jahre bei weitem nicht so eindeutig wie in der Filmvorlage. Doch letzten Endes sprachen die Zahlen bis Ende 2016 deutlich für Hamilton: Drei Weltmeistertitel für den Briten und eine dicke Null beim Deutschen. Dass Rosberg 2016 das Rennen um die Krone machen könnte, war zwar weit weniger unwahrscheinlich als der Sieg des T-800 über den T-1.000. Da in den Rennen - Stichwort: Barcelona-Clash und und und - ähnlich harte Bandagen im Zweikampf getragen wurden, im übertragenen Sinne natürlich, sind die Parallelen zum Sci-Fi-Meilenstein von James Cameron deutlich zu erkennen. Und ähnlich wie der Zuschauer Sympathien zu Arnies T-800 entwickelt, hatte auch Rosberg viele neue Fans hinzugewonnen. Zu schade, dass es hier keine Fortsetzung mehr geben wird.


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