Formel 1

Die Top-5 der Underdog-Sensationen in der F1: Schumacher, Vettel, Fisichella

Im Mercedes zu gewinnen ist derzeit relativ einfach. Wir zeigen, wer mit unterlegenem Material in der Formel 1 triumphierte: Eine Liste mit großen Namen...
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - In der Saison 2016 sorgte Max Verstappen mit seinem Debütsieg im ersten Rennen für Red Bull für die Überraschung der Saison. Jeder hatte mit einem Doppelsieg für Mercedes gerechnet, doch die Silberpfeile kollidierten und schieden aus. Überraschungssiege sind das Salz in der Suppe der Formel 1. Wir zeigen die fünf erstaunlichsten Underdog-Coups der jüngeren Geschichte.

5. Maldonados Williams-Wunder

Williams - inklusive Mitbesitzer Toto Wolff rechts vorne - feiert Pastor Maldonados Sieg in Spanien 2012 - Foto: Sutton

Heutzutage würde ein Williams-Sieg vielleicht überraschend kommen. Aber eine Sensation? Eher nicht. Dazu hat sich der Rennstall aus Grove zu deutlich zurückgemeldet, zählt zur erweiterten Spitzengruppe. 2012 war das noch ganz anders: Erweiterte Hinterbänkler-Gruppe traf es damals eher. Dennoch gelang dem in der WM am Ende nur achtplatzierten Team in Barcelona der ganz große Wurf: Maldonado erzielte in seinem 24. F1-Rennen seinen ersten und einzigen Sieg. Dabei profitierte der Venezolaner bereits am Samstag von einer Strafversetzung Lewis Hamiltons, die ihn auf die Pole spülte. Die Führung gab er zwar schon am Start wieder ab, doch konterte Williams beim zweiten Boxenstopp erfolgreich gegen Ferrari: Maldonado siegte vor Alonso. Der Saisonstart verlief 2012 übrigens grundsätzlich skurril: Zum Auftakt gab es insgesamt sieben verschiedene Sieger (neuer Rekord!), darunter eben jener Pastor Maldonado.

4. Schumi: Für eine Runde wieder König

Michael Schumacher 2012 im Silberpfeil beim Qualifying zum Monaco GP - Foto: Sutton

Ja, es gab sie: Eine Zeit, in der Mercedes nicht die gesamte Konkurrenz nach Belieben demütigte. Ganz im Gegenteil. Zu Beginn der zweiten Silberpfeil-Ära als Werksteam in der Formel 1 galt es für Mercedes, im Mittelfeld zunächst wichtige Aufbauarbeit zu leisten. Von den Spitzenpositionen war das Fahrer-Duo Michael Schumacher und Nico Rosberg weit entfernt. Zumindest meistens. Erst im dritten Jahr zeichnete sich ein Aufwärtstrend ab. Im deutschen Dreamteam mit Schumacher schien Rosberg die Nase vorne zu haben. Doch konterte Schumacher mit aller Klasse eines Rekordweltmeisters: Bestzeit beim schwierigsten und wichtigsten Qualifying des Jahres in Monaco. "Und er hatte dabei nicht das beste Auto unter sich. Glauben Sie mir, ich weiß wovon ich spreche", rühmte Norbert Haug seinen damaligen Piloten bei einer Ehrung Schumachers für sein Lebenswerk. Bitter für Schumacher: Durch eine Strafe vom vorherigen Rennwochenende ging es in der Startaufstellung fünf Plätze nach hinten.

3. Trulli knackt Ferrari-Perfektion

Der damalige Renault-Pilot Jarno Trulli feierte 2004 in Monaco seinen einzigen F1-Sieg - Foto: Sutton

Bleiben wir in Monaco, bleiben wir bei Schumacher. Diesmal zwar nicht als Hauptprotagonist, dennoch mit maßgeblicher Beteiligung. Acht Jahre vor seiner Qualifying-Gala im Mercedes erlebte Schumacher gerade seine absolute Hochzeit bei Ferrari. Umso erstaunlicher, dass es Jarno Trulli als einzigem Piloten gelang, die fast makellose Endlos-Siegesserie Ferraris zum Saisonstart zumindest kurz zu durchbrechen. Immerhin war Renault Ende des Jahres nicht einmal erster 'Verfolger' in der WM-Abrechnung. Diese Rolle kam BAR-Honda zu. Dennoch war es Trulli, der es schaffte, vom berüchtigten Abschuss Schumachers durch Juan Pablo Montoya während einer Safety-Car-Phase im Tunnel von Monaco zu profitieren. Allerdings wäre der von Pole gestartete Trulli selbst ohne Schumachers Pech ein ganz heißer Siegkandidat gewesen. "Ich hatte es im Griff", sagte er. Ein Fingerzeig auf die in den beiden Folgejahren sehr viel stärkeren Franzosen. Für den Italiener blieb jedoch sein erster auch sein einziger Sieg in der Formel 1.

2. Monza-Magier Vettel

Sebastian Vettel gewann sein erstes Rennen im Toro Rosso - bis heute der einzige Sieg für das Team - Foto: GEPA

Bis Max Verstappen stammten die Junior-Hausnummern in den F1-Rekordbüchern noch von Sebastian Vettel. Doch gelang dem heutigen Ferrari-Starpiloten etwas, das Max Verstappen nicht vergönnt war. Vettel siegte schon vor seiner glorreichen Zeit bei Red Bull - im unterlegenen Toro Rosso. 2008 war das Jahr, Monza die Strecke, Regen das Wetter, in dem der Ausbildungsrennstall seinen ersten und bis heute einzigen Sieg in der Formel 1 einfuhr. Bereits im Qualifying stellte Vettel den STR3 auf die Pole Position. Vom ersten Startplatz aus ließ der Heppenheimer am Rennsonntag nichts mehr anbrennen, kürte sich zum damals jüngsten GP-Sieger der F1-Historie. Nie wieder sollte ein Pilot von Toro Rosso auf dem Podium stehen. Noch dazu ist 2008 mit Konstrukteursrang sechs - noch vor dem großen Schwesterteam Red Bull - bis heute das erfolgreichste Jahr des Rennstalls. Ein echter Underdog-Moment eben.

1. Späte Ehre für Fisico

Giancarlo Fisichella erhielt 2003 erst nachträglich die Trophäe für den Sieg in Brasilien von Kimi Räikkönen - Foto: Sutton

Zählen die Siege von Vettel und Maldonado in die Kategorie Underdog, wo lässt sich dann erst Giancarlo Fisichellas Triumph beim Großen Preis von Brasilien 2003 klassifizieren? 'Verrückt' trifft es vielleicht ganz gut. Jedenfalls waren das die Bedingungen, die 'Fisicos' Coup in Sao Paulo im völlig unterlegenen Jordan-Ford erst ermöglichten. Anders lässt es sich einfach nicht erklären, dass ein Team das dritte Saisonrennen gewann, das im Verlauf des Jahres nur noch drei weitere Zähler sammeln sollte. Was war passiert? Wetter! Heftige Regenfälle sorgten für eine regelrechte Überschwemmung des Autódromo José Carlos Pace. Ein Bolide nach dem anderen schlitterte ins Aus. Nach 50 Runden hielt sich nur noch die Hälfte des Feldes auf der Strecke. In Runde 55 dann ein schwerer Unfall von Mark Webber, auch Fernando Alonso war verstrickt. Rennabbruch & Jubel bei McLaren, Kimi Räikkönen hatte das Rennen gewonnen. Oder auch nicht: Die Rennleitung hatte im ganzen Chaos von Unfall, Abbruch und einem auch noch im Parc fermé abfackelnden Jordan den falschen Umlauf gewertet, wie das FIA-Sportgericht in Paris eine Woche später befand. Jetzt war Räikkönen nur noch Zweiter, Fisichella profitierte. Im Rahmen des San Marino GP zwei Wochen später überreichte der Iceman dem Italiener nachträglich den Siegerpokal. Für Fisichella war es der erste von insgesamt drei F1-Siegen, für Jordan der letzte im 200. Rennen.

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