Formel 1

Rossi oder Lorenzo für Rosberg? Spontan-Bewerbung bei Mercedes

Bei der Suche für einen Rosberg-Ersatz kann sich Mercedes vor Offerten kaum retten. Von Valentino Rossi bis Pastor Maldonado hat die Motorsport-Welt ihren Spaß.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Nico Rosberg hat mit seinem Rücktritt zweifelsohne das mit Abstand begehrteste Cockpit in der Formel 1 aufgegeben. Kurz nach der Bekanntgabe seiner Entscheidung wurden Twitter & Co. nur so von Interessenbekundungen williger Piloten und lustigen Memes überschwemmt. Jeder will den zweiten Mercedes an der Seite von Lewis Hamilton 2017 pilotieren - oder sich zumindest auf Kosten der Silberpfeile amüsieren. Stars aus MotoGP, WRC & Co. nutzen die Cockpit-Suche für Comedy-Einlagen.

Wir lachen zwar alle darüber, aber am Ende des Tages sprechen wir von den weltbesten Fahrern ihres Fachs.
Toto Wolff

Mit Valentino Rossi und Jorge Lorenzo waren zwei der größten Zweirad-Stars schnell im Gespräch für das vakante Cockpit. Während Lorenzo erst vor wenigen Monaten in Silverstone durch einen gemeinsamen Sponsor zu einem Formel-1-Test bei Mercedes kam , und so schon fast automatisch in den erweiterten Kandidatenkreis rutschte, gab Rossi ganz spontan direkt seine Bewerbung ab. "Ich habe gehört, bei Mercedes ist ein Cockpit frei. Da bewerbe ich mich", spaßte die italienische MotoGP-Legende.

Richtig ernst werden solche Avancen von der Mercedes-Führung rund um Toto Wolff und Niki Lauda natürlich nicht genommen. Doch Wolff ist davon überzeugt, dass die Motorrad-Profis auch in der Königsklasse des Vierrad-Sports konkurrenzfähig wären: "Wir lachen zwar alle darüber, aber am Ende des Tages sprechen wir von den weltbesten Fahrern ihres Fachs. Jemand, der ein Motorrad, Rally- oder Sportwagen fahren kann, kann auch einen Formel-1-Boliden konkurrenzfähig bewegen."

Rossi konnte vor einigen Jahren bei Tests für Ferrari überzeugen - Foto: Ferrari Press Office

Lorenzo schneller als mancher Formel-Nachwuchs

Während Rossi vor einigen Jahren fast schon regelmäßig für Testfahrten ins Ferrari-Cockpit stieg und mit schnellen Rundenzeiten überzeugen konnte, durfte sich Wolff von Lorenzos Vierrad-Fähigkeiten mit eigenen Augen überzeugen. Der Teamchef attestiert dem dreimaligen MotoGP-Weltmeister durchaus Talent im Formelwagen: "Er ist in Silverstone auf der kleinen Strecke gefahren, und das bei Wetterbedingungen, für die wir keine Referenzzeit hatten. Aber so, wie wir es einschätzen konnten, war er absolut gut."

Da wäre Lorenzo auf einem besseren Niveau.
Toto Wolff

Einen Motorrad-Rennfahrer in der heutigen Zeit auf die Formel 1 loszulassen, wäre ohne Frage ein großes Wagnis. Für Wolff wäre Lorenzo im Formel-1-Cockpit offenbar trotzdem noch eine bessere Option, als manch ambitionierter Jungspund aus den unteren Nachwuchskategorien. "Nein, da wäre Lorenzo auf einem besseren Niveau. Er war schon wirklich gut", zieht er den Vergleich mit dem Nachwuchs aus Formel 4 und Co.

Superlizenz ein Hindernis?

Reglement-technisch könnte der Wechsel eines MotoGP-Stars in die Königsklasse allerdings schon an einer Sache scheitern: Dem Fehlen der Superlizenz, beziehungsweise den dafür in den Nachwuchsserien vergebenen Punkten. Die MotoGP zählt nicht als klassisches Sprungbrett für die Formel 1, weshalb Erfahrungswerte aus dem Zweirad-Sport für die Superlizenz nicht berücksichtigt werden. Bei den großen Namen der MotoGP würde Wolff von der FIA allerdings eine gewisse Flexibilität erwarten, wie er gegenüber Motorsport-Magazin.com zu Protokoll gibt: "Ich glaube, Jean Todt würde für Valentino Rossi eine Ausnahme machen."

Ich glaube, Jean Todt würde für Valentino Rossi eine Ausnahme machen.
Toto Wolff

Unter dem Strich wird aus der Sensation, einen Rossi oder Lorenzo in der Formel 1 begrüßen zu dürfen, aber wohl nichts werden. Letztendlich war es vor allem das Spiel mit den großen Namen des Motorsports und kein ernsthaftes Interesse am Mercedes-Cockpit. "Lorenzo hat Spaß gemacht. Sebastien Ogier hat gestern auch die Hand gehoben, so wie auch Mattias Ekström und Jose Maria Lopez", sagt Wolff, der letztendlich eher den positiven Effekt auf das Geschäft erkennen kann: "Es wäre gute PR."

MotoGP trifft F1: Impressionen von Jorge Lorenzos Mercedes-Test: (03:59 Min.)

Mercedes hat Spaß mit den Verstappens

Neben den Größen aus MotoGP, WRC & Co. waren es allerdings auch einige der aktiven sowie ehemaligen Formel-1-Piloten, die sich für das Cockpit ins Gespräch brachten. Als einer der ersten nahm Max Verstappen auf Twitter gleich einmal Kontakt auf und fragte, ob seine Bewerbung die Chefetage der Silberpfeile überzeugen konnte. Mercedes reagierte prompt und es entwickelte sich ein humorvoller Schriftverkehr zwischen dem Shooting-Star und dem Weltmeister-Team.

Das von vielen Fans und Experten heißersehnte Stallduell zwischen Hamilton und Verstappen ist zwar näher an der Realität, wird aber wohl dennoch ein Traum bleiben - oder zumindest noch auf sich warten lassen. Angesichts von Rosbergs Rücktritt ließ es sich selbst Max' Vater Jos Verstappen nicht nehmen, mit Mercedes seine Späßchen zu treiben, wie Wolff zum Besten gab: "Ich habe oft mit ihm telefoniert. Die Geschichte war so: Jos hat mich angetextet, ich habe ihn zurückgerufen und wir haben herrlich gelacht. Er hat mich gefragt: Ist das Cockpit noch frei? Für mich, damit ich meinem Sohn endlich den Hintern versohlen kann."

Bis auf Räikkönen und Kvyat hat jeder angerufen

Die Vielzahl der in sozialen Netzwerken verbreiteten Memes zielte auf Fernando Alonso ab. Viele würden den Spanier gerne noch einmal im WM-Kampf erleben, und auch er selbst hatte in der Vergangenheit durchklingen lassen, dass er einem konkurrenzfähigen Auto gegenüber nie abgeneigt wäre: "Was die Konkurrenzfähigkeit und meine Hoffnungen auf einen dritten Titel angeht, denke ich mir: Entweder fährst du einen Mercedes, oder du fährst in Zukunft einen McLaren Honda." Dementsprechend amüsant fanden einige User die Vorstellung, dass er auf Toto Wolffs Mobiltelefon sturmklingelt oder die Schlange vor dem Mercedes-Hauptquartier in Brackley anführt.

"Bis auf Räikkönen und Kvyat hat jeder angerufen. Auch Pastor Maldonado", scherze Wolff an diesem Samstag bei der Veranstaltung 'Motorsport meets Sindlfingen' im heimischen Mercedes-Werk. Wenig später schaute er erneut auf sein Handy: "Das war Vitaly Petrov". Niki Lauda drückte es etwas weniger überspitzt aus: "Praktisch das halbe Feld hat sich uns angeboten." So oder so: Die Mercedes-Chefetage nimmt das Bewerbungs-Chaos offenbar mit reichlich Humor.


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