Formel 1

Red-Bull-Pilot Ricciardo: Schrecke auch vor Kampf gegen Mercedes nicht zurück

Red Bull hatte in Mexiko einen durchwachsenen Freitag. Auf dem Papier waren Ricciardo und Verstappen weit abgeschlagen. Der Schein könnte jedoch trügen.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Der erste Trainingstag in Mexiko verlief für Red Bull alles andere als optimal. Im 1. Freien Training kam Max Verstappen aufgrund eines technischen Problems nur wenig zum Fahren. Teamkollege Daniel Ricciardo hatte auf der anderen Seite der Garage mit der rutschigen Streckenoberfläche seine Mühe. Bei den Longruns allerdings lief es bei den Bullen, wie so oft, ziemlich gut. Möglicherweise besteht doch die Chance auf ein Duell mit den Titel-Kontrahenten von Mercedes.

Nur, weil wir uns in den letzten paar Rennen befinden, heißt das nicht, dass wir uns irgendwie anders verhalten sollten.
Daniel Ricciardo

Ein Szenario, bei dem einer auf keinen Fall zurückstecken will. Und die Rede ist dieses Mal nicht vom bekannt angriffslustigen Heißsporn Max Verstappen, sondern vom stets gutgelaunten Grinse-Mann Daniel Ricciardo. "Ich denke, die WM wird entschieden, weil ein Rennen stattgefunden hat. Und der Punktestand ergibt sich aus dem, was in den Rennen passiert ist", so der Australier.

Dementsprechend machen für ihn auch die drei letzten Saisonrennen keinen Unterschied: "Das Ergebnis setzt sich aus 21 Rennen zusammen. Nur, weil wir uns in den letzten paar Rennen befinden, heißt das nicht, dass wir uns irgendwie anders verhalten sollten." In die Situation, sich mit Hamilton und Rosberg anlegen zu können, müssen er und sein Teamkollege an diesem Wochenende aber erst einmal kommen.

"Ich wäre natürlich gerne in einer Position, gegen die Mercedes zu kämpfen, denn das würde bedeuten, dass wir an der Spitze fahren", stellt auch Ricciardo fest. Neben Mercedes schien am ersten Trainingstag auch Ferrari die Nase klar vor Red Bull zu haben - zumindest im Zeitentableau. Viel zu sagen hat dieser Umstand laut Verstappen allerdings nicht.

Verstappen und Ricciardo könnten für Mercedes und Ferrari am Sonntag zum Schreckgespenst werden - Foto: Red Bull

Shortruns nicht repräsentativ

Sie haben mir im Funk gesagt, ich soll weiter pushen.
Max Verstappen

"Generell ist unsere Shortrun-Pace nicht sehr repräsentativ", so der Niederländer, der am Vormittag aufgrund eines Bremsdefekts nur zehn Runden abspulen konnte. "Ich musste nur zwei Installationsrunden absolvieren, um dann wieder herauszufahren. Sie haben mir im Funk gesagt, ich soll weiter pushen", erklärt Verstappen, der nach der Ansage seines Renningenieurs mit einer rauchenden rechten Hinterradbremse an die Box zurückkehrte.

"Ich denke, du kannst auf deiner In-Lap nicht pushen. All das zusammen hat dann zu einem kleinen Feuer geführt", weist Verstappen auf die offenbar selbst verursachte Überhitzung seiner Bremsanlage hin. Die verpasste Trainingszeit aus der ersten Session galt es, am Nachmittag erst einmal aufzuarbeiten: "Ich habe im 2. Freien Training ziemlich viele Setup-Änderungen durchgeführt, um ein besseres Gefühl zu bekommen."

Verstappen: Starke Longruns

Nach einigen Experimenten mit der Abstimmung bekam Verstappen dann gerade noch rechtzeitig im 2. Training die Kurve. "Erst vor dem Longrun haben wir eine Anpassung vorgenommen, die offenbar ganz gut funktioniert hat. So sind wir bei den Longruns dann doch noch auf einen grünen Zweig gekommen", sagt der 19-Jährige.

Die Longrun-Analyse belegt die Aussage Verstappens - zumindest was den Medium-Reifen anbelangt. Auf der härtesten verfügbaren Reifenmischung machten sowohl er als auch Ricciardo die Pace. Der Australier hatte im Gegensatz zu Verstappen zwar nicht mit technischen Problemen zu kämpfen und konnte so problemlos sein Programm abspulen - ganz sorgenfrei war allerdings auch er nicht.

Verstappen hatte im 2. Freien Training in Mexiko einiges an Arbeit nachzuholen - Foto: Sutton

Ricciardo hofft auf mehr Grip

Wir werden uns für Samstag auch auf ein niedriges Grip-Niveau vorbereiten.
Daniel Ricciardo

"Es ist wirklich schwierig, bei diesen Verhältnissen das richtige Setup zu finden", sagt Ricciardo angesichts der am Freitag noch sehr grünen Streckenoberfläche und erklärt sein Problem damit: "Wenn das Grip-Niveau so niedrig ist, hast du immer ein bisschen Untersteuern und auch ein bisschen Übersteuern. Da wird es schwierig, den richtigen Weg zu finden, in welche Richtung du das Auto abstimmen willst."

Darauf verlassen, dass das Grip-Niveau sich mit mehr Betrieb von alleine bessert und sich damit auch sein Setup-Problem erübrigt, will sich Ricciardo allerdings nicht: "Wir werden uns für Samstag auch auf ein niedriges Grip-Niveau vorbereiten und dann versuchen, unter diesen Bedingungen die Balance zu verbessern."

Ricciardo: Absage für den Supersoft

In Austin startete Ricciardo auf dem Supersoft ins Rennen, ganz im Gegensatz zum eigenen Teamkollegen und den Silberpfeilen, die auf die Soft-Mischung setzten. Eine Wiederholung dieser Taktik ist laut dem Australier momentan jedoch ausgeschlossen. "Ich denke, der Supersoft wird auf einer Runde am schnellsten sein. Aber auf dem Longrun hat er nicht sehr lange gehalten. Ich glaube, dass wir auf dem Reifen nicht viele Runden fahren können", so der 27-Jährige.

Die Konkurrenz von Ferrari war auf dem Supersoft-Reifen deutlich besser aufgelegt. Vor allem Vettel hatte einen starken Longrun. Ricciardo will deshalb nicht ausschließen, dass die weichste Reifenmischung für die Gegner eine Option darstellen könnte. "Es wird im Qualifying sicherlich interessant. Wir könnten wieder eine bunte Mischung sehen", sagt er hinsichtlich der Reifenwahl.

Ricciardos Urteil für den Supersoft fiel vernichtend aus - Foto: Sutton

Verstappen gibt allen Mischungen eine Chance

An irgendeinem Punkt müssen wir uns dann natürlich entscheiden.
Max Verstappen

Verstappen hingegen will sich noch nicht auf die erfolgreich getestete Medium-Mischung festlegen. "Der Medium hat sich sehr gut angefühlt. Aber wir müssen uns alle drei Reifenmischungen genau anschauen und sehen, was wir für Samstag und für das Rennen noch machen können", so der Youngster.

Mit nur noch einer 60-minütigen Trainingssession am Samstagvormittag bleibt allerdings nicht mehr alle Zeit der Welt, wie auch Verstappen weiß: "Im Moment ist es auf dem Supersoft noch etwas schwierig und an irgendeinem Punkt müssen wir uns dann natürlich entscheiden."


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