Formel 1

McLaren setzte in Singapur ein Ausrufezeichen im Kampf um den vierten Platz

Das Rennen in Singapur war spannend, auch hinter der Spitze. McLaren platzierte sich an der Spitze des Mittelfeldes, Toro Rosso fiel im Rennen zurück.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Der Singapur GP lieferte von vorne bis hinten das wohl spektakulärste Rennen der bisherigen Saison. Nicht nur der Kampf um den Sieg und das Podium stand im Blickpunkt, sondern auch die Vormachtstellung hinter den drei Top-Teams. Nach dem Qualifying sah Toro Rosso ganz stark aus, die Italiener lieferten mit den Startplätzen sechs und sieben das beste Ergebnis seit dem Saisonauftakt in Australien ab. Doch im Rennen lief nicht viel zusammen. Dagegen durfte Fernando Alonso als Siebter strahlen. Force India und Williams trugen ein Schneckenrennen um WM-Rang vier aus.

McLaren: Zielvorgabe im Rennen erfüllt

Fernando Alonso sicherte sich mit Rang sieben den Sieg im Mittelfeld - Foto: Sutton

Best of the rest - McLaren hatte vor dem Wochenende klare Vorstellungen, wie der Singapur GP verlaufen soll. Hinter den drei Top-Teams sollte das eigene, gute Chassis dabei helfen, locker in die Punkte zu fahren. Im Verlaufe des Freitags und Samstags musste man dann allerdings feststellen, dass Toro Rosso plötzlich wieder in den vorderen Gefilden auftauchte. Und so blieb im Qualifying nur Startplatz neun für Fernando Alonso, Jenson Button stellte mit einem Plattfuß bereits in Q2 ab.

Im Rennen dann ging es aber ganz schnell für Alonso. Am Start bretterte er sofort bis auf Platz fünf nach vorne und machte sich damit das Chaos rund um den Hülkenberg-Unfall zunutze. Im weiteren Rennverlauf konnte er sich dem Tempo der heranfliegenden Sebastian Vettel und Max Verstappen, der am Start weit zurückgefallen war, nicht mehr erwehren. Doch das war im Vorfeld des Wochenendes ja auch nicht geplant. Hinter beiden Mercedes, Ferraris und Red Bulls erfüllte Alonso mit Rang sieben den Plan, die Nummer eins des Mittelfeldes zu sein.

Wir waren hier nicht das viertschnellste Team. Der siebte Platz ist also der Strategie und der Mannschaft zu verdanken.
Fernando Alonso

"Ich denke, Platz sieben war das Maximum. Wir sind best of the rest, hinter Mercedes, Red Bull und Ferrari. Wir waren hier nicht das viertschnellste Team. Der siebte Platz ist also der Strategie und der Mannschaft zu verdanken", gibt Alonso ehrlich zu. Dabei schielte er ganz zu Beginn sogar auf noch mehr. "Für einen Moment habe ich da sogar auf einen Podestplatz gehofft, wenn vor mir etwas passiert. Aber heute ist nichts passiert und Platz sieben ist das Maximum, was wir heute verdient haben", stellt der Spanier klar. Alonso sorgte mit seinen sechs Punkten dafür, dass der Vorsprung auf Toro Rosso in der WM nun sogar sieben Zähler beträgt. Der Abstand auf Force India ist mit 58 Punkten jedoch uneinholbar.

Für Jenson Button läuft seine Abschiedstournee weiter nicht nach Plan. Anders als Alonso, der gut durch den Start-Crash kam, hing Button mittendrin. "Ich hatte einen richtig guten Start und war neben Bottas. Dann kam Hülkenbergs Auto plötzlich quer und ich habe es erst gesehen, als es schon vor mir war und in die andere Richtung schaute", beschreibt der Brite die Situation aus seiner Sicht. "Ich habe gelupft und versucht, nach rechts auszuweichen, aber da war kein Platz. Daher habe ich Bottas erwischt, was den Frontflügel, Unterboden und die Bremsbelüftung beschädigt hat", erklärte er. Schlussendlich musste er mit einer zu hohen Bremstemperatur aufgeben.

Force India mehrfach gebeutelt

Bereits nach wenigen Metern war das Rennen für Nico Hülkenberg beendet - Foto: Sutton

Schadensbegrenzung betrieb stattdessen Force India, obwohl es am Samstagabend gar nicht gut aussah. Statt beide Autos aus den Top Ten ins Rennen schicken zu können, wurde Sergio Perez mit einer Monsterstrafe belegt und ging nur von Rang 17 aus ins Rennen. Blieb noch Nico Hülkenberg. Doch für den Deutschen war der Singapur GP bereits nach wenigen Metern beendet. Eine Kollision mit Carlos Sainz kurz nach Rennstart beförderte ihn in die Mauer. Besonders bitter: Hülkenberg wurde sein guter Start zum Verhängnis.

Mit einem schlechteren Start wäre ich gar nicht in die Situation gekommen.
Nico Hülkenberg

"Es war der beste Start der gesamten Saison, dafür mussten wir den Preis zahlen. Mit einem schlechteren Start wäre ich gar nicht in die Situation gekommen", klagte Hülkenberg am Sky-Mikrofon. "Ich bin in die Lücke gefahren, zwischen beide Toro Rosso. Es gab eine Sandwich-Situation. Carlos hatte links noch ein Auto, dem er ausweichen musste. Er hat mich erwischt und ich musste in die Mauer", schilderte der Deutsche.

Die Chance auf ein starkes Ergebnis war für Hülkenberg also früh beendet. Doch von hinten fuhr Sergio Perez dank toller Strategie nach vorne und schaffte es als Achter sogar in die Punkte. "Ich bin so glücklich über die Performance. Das Rennen gehört mit Sicherheit zu den besten meiner gesamten Karriere", strahlte der Mexikaner danach. Für Force India bedeuteten diese vier Zähler die erneute Übernahme des vierten Platzes in der Konstrukteurs-WM von Williams.

Toro Rosso mit viel Pech

Daniil Kvyat und Max Verstappen lieferten sich ein hartes Duell - Foto: Sutton

Wie gewonnen, so zerronnen. Im Qualifying konnte Toro Rosso glänzen, im Rennen folgte der Schlag mit dem Hammer auf die eigenen Hoffnungen. Am Start kollidierten Carlos Sainz und Nico Hülkenberg, zwar konnte der Spanier weiterfahren, doch der Kontakt hinterließ Spuren. Ein Seitenkastenflügel am Boliden von Sainz hing weg, die Rennleitung beorderte ihn zur Box, um das Teil entfernen zu lassen. Damit war das Rennen für Sainz schon früh gelaufen. Daniil Kvyat konnte dagegen zunächst ein gutes Tempo vorlegen und den vor ihm fahrenden Fernando Alonso unter Druck setzen. Als Sainz aber zur Box fuhr, tauchte plötzlich Max Verstappen im Rückspiegel des Russen auf.

Ich habe bis zum letzten Zentimeter gekämpft und meine Seele auf der Strecke gelassen.
Daniil Kvyat

Aufgrund der besonderen Vergangenheit der beiden - Verstappen bekam Kvyats Cockpit - entwickelte sich mehrere Runden ein ansehnliches Duell, in dessen Folge Kvyat jedoch den Anschluss an Alonso verlor. Er bekam die Aufforderung der Box, den Fokus wieder nach vorne zu richten. Im weiteren Rennverlauf fiel Kvyat jedoch nach hinten, Verstappen zog in der Schlussphase auf neuen reifen endgültig vorbei. Auch Sergio Perez schnappte sich noch Kvyat. Es blieb am Ende Rang neun. "Ich habe bis zum letzten Zentimeter gekämpft und meine Seele auf der Strecke gelassen. Es ist schade, aber ich bin froh, es wieder in die Punkte geschafft zu haben", so der Russe über den Kampf mit Perez.

Williams bleibt ohne Punkte

Komplett gebraucht - so die Überschrift für das Wochenende von Williams. Pech im Qualifying, im Rennen ging ebenso wenig. Valtteri Bottas wurde in den Startunfall verwickelt und musste gleich zu Rennbeginn mit einem Plattfuß an die Box. Sein Tag endete frühzeitig, als die Crew nach dem letzten Stopp des Finnen einen Schaden vermutete und sein Auto aus dem Rennen nahm. "Es war echt schlecht heute. Noch vor Kurve eins ist alles schief gelaufen", so Bottas danach.

Auch Felipe Massa konnte das Rennen für Williams nicht retten. Mehr als Platz zwölf sprang für den Brasilianer nicht heraus. "Es war definitiv ein hartes Rennen. Zu Beginn lief es gut, doch durch die Strategie hingen wir im Verkehr fest, was uns geschadet hat", so Massa nach dem Rennen. Im Kampf um die Nummer vier in der Formel 1 bedeutete die Nullnummer einen Rückschlag, denn Force India zog mit einem Punkt Vorsprung vorbei.


Weitere Inhalte:
Formel 1 Tickets
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video