Formel 1

Belgien-Chaos: Rosberg siegt - Hamilton auf Podium

Verrückter Belgien GP! Nico Rosberg siegt, Lewis Hamilton kämpft sich aufs Podium. Dazu: Ferrari-Kollision, Verstappen-Ärger und ein Horror-Unfall in Eau Rouge.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Nico Rosberg heißt der Sieger eines der spektakulärsten Rennen der Saison in Spa-Francorchamps. Während der Mercedes-Pilot den Belgien Grand Prix vom Start weg dominierte und seinen 20. Formel-1-Sieg erzielte, spielten sich dahinter wahre Dramen ab. Ein schlimmer Unfall von Kevin Magnussen in Eau Rouge, eine 20-minütige Unterbrechung, zahlreiche Ausfälle und Safety-Car-Phasen sorgten für Drama pur in den belgischen Ardennen.

Das Podium:Nicht Max Verstappen, sondern Daniel Ricciardo sorgte für einen weiteren Podesterfolg von Red Bull. Der Australier hielt sich aus dem Start-Chaos raus, während Teamkollege Verstappen früh in eine Kollision mit beiden Ferraris verwickelt wurde und früh zurückfiel. Ricciardo fuhr nach Ungarn und Hockenheim zum dritten Mal in Folge auf das Podium. Er überquerte die Ziellinie mit 14 Sekunden Rückstand auf Sieger Rosberg.

Der Mann des Rennens war jedoch Lewis Hamilton. Der Weltmeister, nach diversen Motoren-Strafen aus der letzten Reihe gestartet, beendete das Rennen auf Platz drei. Eine erstaunliche Aufholjagd - allerdings durch tatkräftige Unterstützung zahlreicher Kontrahenten, die sich gegenseitig aus dem Rennen nahmen. Nach sieben Runden waren bereits fünf Fahrer vorzeitig ausgefallen.

Foto: Sutton

Die Punkteränge:Und wieder wurde es nichts mit dem ersten Podest für Nico Hülkenberg in der Formel 1. Der Force-India-Pilot fuhr nach dem Start lange Zeit auf dem zweiten Platz, musste sich in der Schlussphase jedoch Hamilton geschlagen geben. Dennoch eine starke Vorstellung von Hülkenberg nach dem Start von Platz sieben. Gleichzeitig setzte er sich im Teamduell gegen Sergio Perez durch, der das Rennen auf der fünften Position beendete. Sebastian Vettel betrieb mit Platz sechs nach einer Start-Kollision mit Kimi Räikkönen Schadensbegrenzung.

Zweiter Mann des Rennens hinter Hamilton war Fernando Alonso. Der Spanier startete vom allerletzten Platz - und holte mit Platz sieben sensationell Punkte. Geschickt hielt er sich aus sämtlichen Zwischenfällen heraus, profitierte bei den Boxenstopps und war mit seinem McLaren auf der Motoren-Strecke von Spa besser aufgestellt als von vielen erwartet.

Ich war am Limit, aber es war kein Problem, nicht gefährlich - es ist ja nichts passiert.
Max Verstappen

Valtteri Bottas, Kimi Räikkönen und Felipe Massa komplettierten die Top-10. Quasi-Lokalmatador Verstappen verpasste nach einigen Zwischenfällen - vornehmlich mit Räikkönen - als Elfter die Punkte. "Es ist mir egal", sagte Verstappen. "Er (Kimi) hat ja schon vorher in der ersten Kurve mein Rennen beendet. Es ist mir egal. Es war ein bisschen Wut im Bauch. Ich war am Limit, aber es war kein Problem, nicht gefährlich - es ist ja nichts passiert."

Das sagen Rosberg, Ricciardo & Hamilton zum Rennen

Nico Rosberg: "Vielen Dank ans Team, die mir ein tolles Auto hingestellt haben. Es war auch eine starke Leistung von Lewis. Er musste von hinten starten, das hat es mir natürlich einfacher gemacht. Ich denke, dass es in Monza wieder eine Schlacht wird wie sonst auch."

Daniel Ricciardo: "Das war schon cool! Ein ziemliches Durcheinander beim Start. Wir wussten, dass wir einen Schaden am Frontflügel aus Kurve 1 hatten. Den haben wir sofort repariert. Es hat dann einen Riesen-Spaß gemacht, Lewis hinter mir zu halten."

Lewis Hamilton: "Ich kann nicht glauben, dass wir so weit nach vorne gekommen sind. In den letzten Rennen gab es keine Zwischenfälle – heute schon. Es ging um die richtige Herangehensweise: Nicht zu aggressiv, aber auch nicht zu easy. Unsere Performance war heute besser als erwartet. Ich wusste nicht wie lange die Reifen halten würden."

Foto: Sutton

Der WM-Stand: Lewis Hamilton bleibt nach seiner Aufholjagd Führender in der Weltmeisterschaft. Der Brite hat nun 232 Punkte auf dem Konto. Spa-Sieger Nico Rosberg liegt mit 223 Zählern auch nach der Sommerpause weiter auf Platz zwei. Es war sein erster Triumph seit dem Aserbaidschan GP und vier aufeinanderfolgenden Siegen von WM-Rivale Hamilton. Hinter den beiden Mercedes-Silberpfeilen belegt Daniel Ricciardo den dritten Platz in der Weltmeisterschaft mit 151 Punkten. Die beiden Ferrari-Piloten Sebastian Vettel (128) und Kimi Räikkönen (124) folgen auf den Plätzen vier und fünf.

Foto: Sutton

Das Wetter: Nicht ganz so heiß, aber immer noch warm: Auch am Rennsonntag erwartete die Formel 1 in den Ardennen schönstes Sommerwetter. 26 Grad Luft- und 36 Grad Asphalt-Temperatur erwarteten die Königsklasse beim Rennstart. Für die Fans angenehm - für die Reifen weniger. Im Vorfeld des Rennens hatten die ungewohnt hohen Temperaturen zusammen mit den hohen Reifendruckvorgaben von Pirelli für einige Schwierigkeiten gesorgt. Besonders die Supersoft-Reifen standen wegen starkem Auftreten von Blistering in der Kritik.

Der Start: Rosberg fuhr locker vorne weg, dahinter ging es völlig wild zu. Räikkönen erwischte einen guten Start und ging zunächst an Verstappen vorbei. In Kurve 1 wollte sich der Niederländer seinen zweiten Startplatz auf der Innenseite zurückerkämpfen - dabei kam es zu einer Kollision mit Räikkönen, weil Vettel auf der Außenseite einlenkte und dabei seinen Ferrari-Teamkollegen traf. Räikkönen zog sich einen Reifenschaden zu, Verstappen beschädigte seinen Frontflügel. Großer Gewinner der Startphase war Hülkenberg, der den zweiten Platz von P7 übernahm. Das Straf-Duo Alonso und Hamilton profitierte vom Start-Chaos und nahm schon nach wenigen Runden Kurs in Richtung der Punkteränge.

Der Magnussen-Crash: Schock-Moment für Kevin Magnussen! In Runde 7 verlor der Renault-Pilot oben in der Eau Rouge die Kontrolle über sein Auto und krachte heftig in die Streckenbegrenzung. Dabei löste sich sogar das Head Rest in seinem Cockpit. Glück im Unglück: Magnussen konnte seinen zerstörten Boliden selbstständig verlassen - humpelte dabei jedoch. Der Unfall löste zunächst eine Safety-Car-Phase aus. Wenig später entschied die Rennleitung, mit roten Flaggen zu unterbrechen, damit der entstandene Schaden repariert werden konnte. Magnussen wurde zunächst dem obligatorischen Medical Check unterzogen und dann zu weiteren Untersuchungen ins örtliche Krankenhaus eingeliefert.

Der Re-Start zur 12. Runde: Rosberg blieb in Führung vor Ricciardo und Hülkenberg, konnte sich aber nicht entscheidend absetzen. Alonso und Hamilton lagen beim Re-Start infolge des Magnussen-Unfalls verrückterweise auf den Positionen 4 und 5. Dahinter: Massa, Kvyat und Perez. Vettel war Elfter, Teamkollege Räikkönen auf P15. Ein völlig verrückter Auftakt des Belgien GP.

Foto: Sutton

Die Zwischenfälle: Räikkönen musste sich nach dem Start-Crash einen neuen Frontflügel an der Box abholen. Beim Wechsel begann es plötzlich am Unterboden des Ferrari-Boliden zu brennen. Das Team konnte den Brand löschen, der Stopp brauchte jedoch einige Zeit. Nach Magnussens heftigem Einschlag wurde das Rennen wegen Reparaturarbeiten für knapp 20 Minuten unterbrochen.

Nach dem Re-Start beschwerte sich Räikkönen lauthals über Verstappen, fühlte sich vom Niederländer unfair von der Strecke abgedrängt - beim Duell um Platz 14. Räikkönen: "Ihr müsst mit Red Bull reden. Der scheint nur ein einziges Interesse zu haben, nämlich mich von der Strecke zu drängen." TV-Experte Christian Danner über Verstappen und dessen Aktion: "Dafür gehört der Mann für ein Rennen gesperrt."

Die Strategien: Nach dem chaotischen Start und zwei Safety-Car-Phasen wurden sämtliche Pläne über Bord geworfen. Stattdessen zeigte sich schnell, dass der Medium-Reifen die beste Wahl für das Rennen war. Hamilton und Alonso waren auf der härtesten Mischung von Pirelli gestartet. Beim Re-Start setzte Mercedes Rosberg im Gegensatz zu zahlreichen Konkurrenten ebenfalls auf Mediums - damit fuhr der Silberpfeil-Pilot lange die schnellsten Rundenzeiten. Beim Schluss-Stint entschied sich lediglich Red Bull mit Verstappen für die Soft-Reifen - der Rest des Feldes vertraute auf Medium.

Die Boxenstopps: Hülkenberg, Massa, Perez, Palmer, Grosjean, Vettel, Bottas, Gutierrez, Verstappen, Ocon und Nasr hatten ihren ersten Stopp noch vor der Rotphase absolviert. Der Führende Rosberg war selbst während der Safety-Car-Phase auf der Strecke geblieben. Nach der Wiederaufnahme des Rennens fuhr Rosberg an der Spitze auf Medium-Reifen, Perez auf P7, Verstappen auf P14 und Ocon direkt dahinter ebenfalls. Der Rest des Feldes wählte Soft-Reifen für den Re-Start zur 12. Runde.

In Runde 16 kam Verstappen zum Wechsel von Medium auf Soft an die Box und bog als Letztplatzierter zurück auf die Strecke. Hamilton holte sich auf Platz drei liegend in der 21. Runde einen frischen Satz Soft-Reifen ab. Wenig später wechselten aus der Spitzengruppe Hülkenberg, Alonso, Vettel und Bottas jeweils auf Medium-Mischungen. Räikkönen, Ocon und Ricciardo wechselten eine Runde darauf ebenfalls von Soft auf Medium.

Ein frischer Satz Medium-Reifen für Rosberg in Runde 26 mit zehn Sekunden Vorsprung, um das Rennen auf diesem Satz zu beenden. Verstappen blieb seinen Soft-Reifen beim Boxenstopp in der darauffolgenden Runde treu. Hamilton wechselte in der 33. Runde für seinen Schluss-Stint von Medium auf Soft - zu diesem Zeitpunkt war Verstappen als Einziger mit Soft-Reifen unterwegs.

Foto: Sutton

Die Ausfälle: Für Wehrlein und Button war bereits in der ersten Runde Feierabend. Der Manor-Rookie erwischte Button in Les Combes am Heck und sorgte für den Ausfall beider Autos. "Zwei Autos hatten sich verbremst, kamen dann zurück und ich konnte nicht mehr reagieren. Blöde Aktion", sagte Wehrlein. Carlos Sainz zog sich in Runde 2 einen ordentlichen Reifenschaden hinten links zu, erwischte damit auch noch seinen Heckflügel und musste seinen Toro Rosso stark deformiert in der Auslaufzone abstellen.

Marcus Ericsson konnte das Rennen nach einem frühen technischen Defekt - vermutlich am Kühlsystem - ebenfalls nicht beenden. Die Bilanz nach 7 Runden und dem heftigen Unfall von Magnussen: Fünf Ausfälle und zwei Safety Cars. Kurios: Weitere Ausfälle gab es bis zum Rennende nicht.

Die Analyse: Ein großartiges Rennen mit unzähligen Geschichten - und einem bitteren Beigeschmack. Max Verstappen muss als Verlierer des Belgien GP angesehen werden. Nicht nur verpasste der in Belgien geborene Niederländer Podium und Punkte - vielmehr fiel er mit haarigen Aktionen negativ auf. Die Kollision beim Start mit Räikkönen und Vettel war sicherlich heikel, heftig war allerdings das spätere Abdrängen des Finnen. Das mag sportlich vielleicht kein Nachspiel haben, wird in den kommenden Tagen allerdings Schlagzeilen machen. Schade eigentlich, die Max-Story in Spa war zuvor eine schöne gewesen.

Die Top-Facts des Rennens

  • Chaos-Start: 5 Ausfälle, 2 Safety Cars nach 7 Runden
  • Magnussen nach schwerem Unfall im Krankenhaus
  • 20. Formel-1-Sieg für Rosberg
  • Hamilton nach Start aus letzter Reihe aufs Podest
  • Hamilton behält Führung in der WM
  • 3. Podestplatz in Folge für Ricciardo

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