Formel 1

Räikkönen stinksauer: Sinnlos-Strafe kostet P2

Kimi Räikkönen schrammt beim Europa GP in Baku am Podium vorbei. Eine absurde Strafe und ein viel zu früher Stopp rauben dem Ferrari-Star ein Top-Resultat.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Der DHL Madman Award des Europa GP in Baku geht an Kimi Räikkönen. So witzelte zumindest ein Fan in Anlehnung an gewisse andere Auszeichnungen in der Formel 1 bei Twitter. Keine weit hergeholte Idee. Beim am Ende viertplatzierten Ferrari-Piloten war in Aserbaidschan tatsächlich jede Menge Action geboten.

Darunter eine umstrittene Strafe, Lamentieren über den beschränkten Boxenfunk, nervige Überrundungen, Spritverbrauch, suboptimale Strategie, ein mittelprächtiger Platztausch mit Sebastian Vettel und selbst umherfliegende Mülltüten. Motorsport-Magazin.com zeichnet das kuriose Rennen des Finnen in seinen Episoden nach.

1. - Räikkönen stinksauer wegen Strafe

Allen voran die 5-Sekunden-Strafe samt zwei Strafpunkten wegen unzulässigen Überfahrens der weißen Linie am Boxeneingang raubte Kimi Räikkönen in Baku den letzten Nerv. "Der Fahrer überquerte mit allen vier Rädern die Linie am Boxeneingang ohne in die Boxengasse zu fahren, wie es die Fahreranweisungen des Renndirektors verlangen", begründeten die Stewards ihre Entscheidung.

Für mich ist das einfach dumm. Du profitierst nicht davon, wenn du diese Linie überfährst und wenn ein anderes Auto dasselbe machen würde, wäre es nicht bestraft worden.
Kimi Räikkönen

Räikkönen will davon nichts wissen. "Ich verstehe den Grund für die Strafe nicht. Ich kann mich nicht einmal an diese Regel erinnern", sagt Räikkönen. Tatsächlich war diese unübliche Änderung erst am Freitag nach Bedenken wegen der Sicherheit bei der Anfahrt auf die Boxengasse in Baku vorgenommen worden. Was jedoch daran gefährlich sein soll, die Linie von links nach rechts bei Vollgas zu überqueren - wie Räikkönen -, bleibt fraglich. Andersherum - von rechts nach links, um dann brachial für die Box Abzubremsen wäre etwas anders. "Ein bisschen verstehe ich es schon", meint Räikkönen dennoch. "Aber für mich ist das einfach dumm. Du profitierst nicht davon, wenn du diese Linie überfährst und wenn ein anderes Auto dasselbe machen würde, wäre es nicht bestraft worden", wettert der Iceman gegen die Rennleitung.

Harter Tobak. Maurizio Arrivabene gibt sich lieber etwas zurückhaltender. "Meine Reaktion darauf? Es gab keine, denn es war recht klar, was passieren würde. Das war sehr unglücklich. Aber wenn du sehr hart reagierst, können sie dir auch noch eine härtere Strafe geben", meint der Ferrari-Teamchef.

2. - Wo sind die verdammten blauen Flaggen?

Perfekte Überleitung: Derselbe Typ, der ihm die Strafe aufgedrückt hatte, hätte sich auch einmal jene Fahrer ansehen sollen, welche notorisch blaue Flaggen ignoriert hatten, ergänzte Rage-Räikkönen. "Wo ist die verdammte blaue Flagge? Ich folge ihm jetzt die ganze, verdammte Runde", hatte der Finne schon während des Rennens am Funk geschnaubt.

Wo ist die verdammte blaue Flagge? Ich folge ihm jetzt die ganze, verdammte Runde.
Kimi Räikkönen

Für Räikkönen besonders bitter, wie er im Nachhinein erklärt. Grund ist wieder die 5-Sekunden-Strafe. Dadurch musste er irgendwie versuchen, Sergio Perez hinter ihm auf Distanz zu halten. Schwierige Überrundungen kamen da natürlich zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. "Ich habe versucht, die Lücke zu halten, aber ich musste eine ganze Runde lang hinter einem Sauber und einem Haas herfahren", beschwert sich der Finne.

3. - Monsterstint und Platztausch mit Vettel

Kimi Räikkönen stoppte in Baku extrem früh. Schon in Runde acht kam der Finne zu seinem einzigen Boxenstopp. Entsprechend stemmte Räikkönen einen Monsterstint mit 43 Runden auf dem Soft. Die Reifen seien am Ende dennoch nicht das Problem gewesen.

"Die Reifen haben gut gehalten. Ich würde nicht sagen, dass es allzu schlimm war. Aber die Leute, die später gestoppt haben, hatten am Ende schon frischere Reifen. Vielleicht hätte ich am Ende den Force India noch halten können. Aber es war okay, es hat ganz gut funktioniert", berichtet Räikkönen.

Wenn du dir die Überholmanöver von ihm ansiehst, und in gewissen Sektoren war er heute der schnellere, musst du sagen, dass er seinen Job macht.
Maurizio Arrivabene

Ideal war die Ferrari-Strategie für den Finnen also offensichtlich nicht. Räikkönen verteidigt die Scuderia trotzdem. "Der Plan war immer, einen Stopp zu machen und dann abhängig davon, wo du bist und den üblichen Dingen. Da kamen ja ein paar Leute von hinten und wir mussten auch schauen, dass wir das Auto so positionieren, dass wir nicht zu sehr vom Verkehr aufgehalten werden. Auch wenn wir in der Lage waren, zu überholen", sagt Räikkönen.

Das größere Problem sieht der Finne im verpatzten Platztausch mit Sebastian Vettel. Nach der ersten Boxenstopp-Welle lag Räikkönen durch den Undercut plötzlich vor seinem Teamkollegen. Obwohl Räikkönen noch überholen musste. "Wenn du dir die Überholmanöver von ihm ansiehst, und in gewissen Sektoren war er heute der schnellere, musst du sagen, dass er seinen Job macht", lobt Arrivabene.

Dennoch hatte Vettel nach seinem Service die besseren Aussichten nach vorne. Also bat Ferrari Räikkönen darum, Vettel überholen zu lassen. Gesagt, getan. "Unter diesen Umständen - nach meiner Strafe - war die Bitte des Teams, Vettel vorbei zu lassen, korrekt. Ich habe kein Problem mit der Entscheidung", sagt Räikkönen. "Heute hat er gezeigt, dass er auch ein guter Teamkollege für Vettel ist", lobt Arrivabene.

Durch den Tausch mit Seb habe ich 2,5 Sekunden verloren.
Kimi Räikkönen

Doch während Räikkönen mit dem Schachzug selbst d'accord geht, hadert der Iceman deutlich mit dessen Umsetzung. "Jetzt sagt ihm, dass er pushen soll. Ich will ihn nicht direkt vor mir", funkte er bereits nach dem Manöver. Schnell genug ging es dem Finnen jedoch nicht. "Durch den Tausch mit Seb habe ich 2,5 Sekunden verloren", klagt Räikkönen am Abend vor der Journalisten-Meute.

Das Problem: "Ich bin gegen den Force India gefahren und musste ihn 5 Sekunden auf Abstand halten, also hätten wir vielleicht eine größere Lücke managen können", erklärt Räikkönen. "Wir hätten es ein bisschen besser machen können. Ich weiß jetzt nicht wie. Aber ich finde, dass ich viel zu viel Zeit verloren habe."

Noch dazu musste Räikkönen am Ende Spritsparen, was die Verteidigung zusätzlich erschwerte. "Kimi wurde von Perez überholt, weil er im Benzinspar-Modus war. Er hat eine 5-Sekunden-Strafe bekommen, ist aber ein großartiges Rennen gefahren", resümiert Arrivabene. "Natürlich hätte ich vor Perez bleiben können, aber es gab keinen Grund mehr, ein Risiko einzugehen", ergänzt Räikkönen.

4. - Die böse Mülltüte

Kleine, aber witzige Episode diesmal. Ein umherfliegende Mülltüte versetzte Räikkönen in Baku auch noch ins Fluchen: "Hier fliegt so verdammtes Plastikzeug rum, ich muss versuchen auszuweichen!"

5. - Kimi will Boxenfunk-Regeln austricksen

Wie Lewis Hamilton versuchte auch der Iceman alles, um seinem Renningenieur Informationen zu entlocken:

Kimi: Ist alles in Ordnung? Lass es mich so sagen: Ist es dasselbe wie im letzten Rennen?
Dave Greenwood: Ich kann nicht antworten Kimi, sorry.
Kimi: Natürlich kannst du ja oder nein sagen!
Dave Greenwood: Ich kann es nicht, Kimi, ich kann es nicht.


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