Formel 1

Alleskönner unter den Grand-Prix-Strecken - Spanien GP - Strecke: Der Gradmesser der Formel 1

Das fünfte Rennen der Saison 2016 führt den Formel-1-Tross nach Barcelona, wo mit dem Grand Prix von Spanien traditionell der Europa-Auftakt stattfindet.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 gastiert in diesem Jahr zum 26. Mal auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya . Die 1991 erbaute Strecke stellt damit seit ihrer Fertigstellung ununterbrochen den Austragungsort für den Großen Preis von Spanien dar. Die Anlage galt über viele Jahre als Inbegriff der modernen Grand-Prix-Rennstrecke. Auch heute gehört sie noch längst nicht zum alten Eisen, verfügt aber im Vergleich zu den neueren Rennstrecken über kleinere Auslaufzonen.

So musste am Kurs mit der Zeit die eine oder andere Modifikation durchgeführt werden: Zunächst wurden nach den tödlichen Unfällen von Senna und Ratzenberger für die Saison 1995 erste Änderungen am Streckenverlauf vorgenommen. Danach wurden im Jahr 2004 die Kurve 10 und im Jahr 2007 die Kurve 13, allerdings nur aus Gründen der Spannung, angepasst. Seitdem beträgt die Streckenlänge 4,655 km und das Layout besteht aus 16 Kurven, von denen 9 Rechts- und 7 Linkskurven sind.

Das Streckenlayout des Circuit de Barcelona-Catalunya - Foto: Motorsport-Magazin.com

Testgelände Widerwillen

Seinen Ruf als prädestinierte Teststrecke der Formel 1 hat der Kurs vor den Toren Barcelonas nicht nur dem schönen Wetter in Spanien zu verdanken. Bei seiner Erbauung lag der Fokus ganz klar darauf, eine Anlage für den Großen Preis von Spanien zu errichten und nicht nur ein Testgelände. Doch über die Jahre erwies sich das abwechslungsreiche Strecken-Layout bei den Teams als Gradmesser für das Gesamtpaket ihrer Fahrzeuge.

In Barcelona zählt sowohl Leistung als auch Anpressdruck gleichermaßen. Zunächst ist die Start- und Zielgerade mit einer Länge von 1,047 km immer noch als eine der längsten Geraden in der Formel 1 - hier kommt es auf die Power an. Danach folgt aus ca. 330 km/h der härteste Bremspunkt. Für die erste Kurvenkombination wird auf 120 km/h heruntergebremst, wobei ca. 5,6 G Verzögerung erreicht werden. Auch in der ersten Runde kann es hier brenzlig werden, denn die Fahrer legen mit 730 Metern die im F1-Kalender längste Distanz vom Start bis zur ersten Kurve zurück.

Nach der ersten Kurvenkombination folgt mit Kurve 3 eine Passage, die den Autos jede Menge Anpressdruck abverlangt. Im Verlauf dieser Rechtskurve beschleunigen die Autos fast unter Volllast von 180 km/h hoch bis auf 260 km/h. Eine weitere schnelle Stelle erwartet die Fahrer in Kurve 9, wo eine Scheitelpunktgeschwindigkeit von über 260 km/h erreicht wird.

Streckendaten
Länge: 4,655 km
Runden: 66
GP-Distanz: 307,230 km
Rundenrekord: 1:21.670 (Kimi Räikkönen, 2008)
Kurven: 16
Weg bis zur ersten Kurve: 726 m
Länge Boxengasse: 330 m
Zeit in Box bei 60 km/h: 22,0 Sekunden

Eine Frage der Kompromissbereitschaft

Der Rest der Strecke besteht aus mittelschnellen bis langsamen Passagen, einige davon sind 180° Kurven. Dazu zählen unter anderem die Kurven 4 und 5, wo beim Anbremsen gerne mal das Vorderrad stehenbleibt. Am Ende der Runde kommt es im letzten Sektor vor allem auf eine gute Traktion an, da hier ein sehr langsamer Abschnitt auf die Piloten wartet, wo zudem viel mit Lenkeinschlag beschleunigt wird.

Wer also auf der ganzen Runde schnell sein will, muss kompromissbereit sein. Teams die in Sachen Power Unit einen Nachteil haben, müssen unter Umständen etwas Anpressdruck opfern, um auf der Geraden nicht zu viel an Boden zu verlieren - doch damit handelt man sich auch in den Kurven schnell einen Nachteil ein. Das Gesamtpaket aus Aerodynamik und Motorleistung muss deshalb besonders gut ausbalanciert sein, wenn ein Auto in Barcelona erfolgreich sein soll.

Taktik ist Trumpf

Überholmöglichkeiten gibt es in Barcelona nicht besonders viele. Die Rennstrecke stand deshalb in der Vergangenheit auch schon öfters für ereignislose und langweilige Rennen in der Kritik, denn viele Rennen wurden nicht auf der Strecke, sondern in der Box entschieden. Zum Überholen eignen sich im Prinzip nur die Kurven 1 und 10. Hier befinden sich auch die beiden DRS-Zonen in der jeweiligen Anfahrt. Hin und wieder hat es auch schon ein Fahrer geschafft in den Kurven 4 oder 5 zu überholen - das geht jedoch nur, wenn der Vordermann nicht aufpasst oder Probleme hat.

Ein weiterer Faktor in Sachen Taktik sind in Barcelona die Reifen. Der raue Streckenbelag bietet zwar sehr viel Grip, ist aber zugleich auch hart zu den Reifen. Für das Rennen in Spanien hat Pirelli die Reifenmischungen deshalb auch eine Nummer härter ausgewählt als in den bisherigen Saisonrennen.

Unvergessene Momente

Moment 1: 1991 - Beim ersten Grand Prix auf dem Circuit de Catalunya (alte Bezeichnung), duellierten sich Ayrton Senna und Nigel Mansell auf der Start- und Zielgeraden Rad an Rad und fuhren dabei bis auf wenige Zentimeter aneinander heran. Senna gab nach und überließ dem auf der Innenbahn fahrenden Mansell die Führungsposition. Der Brite gewann letztendlich das Rennen, Senna wurde fünfter.

Moment 2: 1996 - Michael Schumacher gewann im strömenden Regen sein erstes Rennen für Ferrari. Nach einem schwachen Start von Position drei, kämpfte sich der Deutsche zurück und überholte in der 13. Runde Jacques Villeneuve im Kampf um die Spitze. Bei der Zieldurchfahrt hatte Schumacher einen Vorsprung von 45 Sekunden auf den Zweitplatzierten Jean Alesi.

Moment 3: 2001 - Mika Häkkinen sah in der letzten Runde, mit über 40 Sekunden Vorsprung auf Michael Schumacher, wie der sichere Sieger des Rennens aus - doch dann ereilte den Finnen wie aus dem Nichts ein Motorschaden. Wenige Kilometer vor dem Ziel musste er seinen McLaren Mercedes abstellen. Besonders erinnerungswürdig war auch die Geste Schumachers, der noch während der Ehrenrunde im Boxenfunk sein Mitgefühl für den Konkurrenten äußerte.

David Coulthard brachte 2001 seinen gestrandeten Teamkollegen nach dem Rennen zurück an die McLaren-Box - Foto: Sutton

Spanien GP: Die letzten Rennen

Jahr Sieger 2. Platz 3. Platz Pole Schn. Runde
2015 Nico Rosberg Lewis Hamilton Sebastian Vettel Nico Rosberg Lewis Hamilton
2014 Lewis Hamilton Nico Rosberg Daniel Ricciardo Lewis Hamilton Sebastian Vettel
2013 Fernando Alonso Kimi Räikkönen Felipe Massa Nico Rosberg Esteban Gutierrez
2012 Pastor Maldonado Fernando Alonso Kimi Räikkönen Pastor Maldonado Romain Grosjean
2011 Sebastian Vettel Lewis Hamilton Jenson Button Mark Webber Lewis Hamilton

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