Formel 1

Mr. Motivator treibt Rosberg in Russland an - Erklärt: Rosbergs völlig verrückter Glücksbringer

Normalerweise erklären wie in dieser Rubrik komplexe Sachverhalte. In diesem Fall erklärt uns Nico Rosberg sein Auto - und einen speziellen Glücksbringer.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Zum Auftakt des Russland Wochenendes lud Nico Rosberg höchstpersönlich Motorsport-Magazin.com in die Mercedes-Garage und stellte seinen aktuellen Boliden vor. Normalerweise erklären wir in dieser Rubrik komplexe Sachverhalte, heute erklärt Nico Rosberg sein Auto und eine ganz besonders lustige Geschichte zu einem kleinen Sticker im Cockpit.

Schon die vorderste Spitze des F1 W07 Hybrid fasziniert Rosberg: "Ich finde es unglaublich, wie klein die Verbindung zwischen Flügel und Nase ist." In der Tat ist schwer vorstellbar, welche Kräfte hier übertragen werden. Der gesamte Abtrieb, den der Fronflügel generiert, wird über zwei Mini-Streben übertragen, die jeweils nur wenige Quadratzentimeter groß sind.

Lewis Hamilton stellte sich zuletzt auf den Flügel, um zu demonstrieren, wie stabil die Halterung ist und hüpfte sogar darauf herum. Rosberg belässt es bei den Worten: "Da kann man einen Kleinwagen draufstellen..."

Infrarotkameras messen Temperaturen an 5 Stellen

Doch der Frontflügel hat noch eine weitere Besonderheit: Infrarotkameras, die auf den Reifen zielen. Sie messen die Temperatur an der Reifenoberfläche an fünf verschiedenen Stellen. "Das ist wichtig, um die Reifen ins Arbeitsfester zu bekommen, speziell hier in Sochi."

Hier verstecken sich winzige Infrarot-Kameras - Foto: Sutton

Weil die Frontflügel heute so diffizil sind und aus unzähligen Einzelteilen bestehen, lässt sich nur noch ein kleiner Teil der Flügelelemente verstellen. Diese allerdings dank Elektroschrauber und entsprechender Aufsätze sogar in wenigen Sekunden beim Boxenstopp. Asymmetrisch, links und rechts unterschiedlich also, wird hier nicht justiert. "Früher hat man das mal gemacht, aber inzwischen vermeidet man das", erklärt Rosberg. Durch eine asymmetrische Einstellung wird ein leichtes Moment auf das Auto übertragen.

Besonders beeindruckt ist der WM-Leader von den neuen Bardge-Boards. "Sie sind sehr revolutionär, die Detailarbeit sieht gigantisch aus. Vor fünf Jahren waren wir bei der Aerodynamik nicht die besten, jetzt sind wir sogar in dem Bereich führend. Das zeigt auch die Entwicklung des Teams. Man kann mit diesen Bardge-Boards keine Sekunde finden, das sind Hundertstel - aber das summiert sich und das ist der Grund, warum wir die besten sind. Wir lassen keine Hundertstel liegen."

Die Bardge-Boards beeindrucken Nico Rosberg besonders - Foto: Sutton

Diamanten in der Power Unit

Das verrückteste am Fahrzeug ist für Rosberg aber der Antrieb. "Ich verstehe das Grundprinzip, aber die Detailarbeit, die ist unglaublich. Das ist ein Technologielevel, das ist Wahnsinn. Phänomenal, unglaublich. Wenn man sich überlegt, dass sich der Turbolader 100.000 Mal in der Minute dreht - bei der Temperatur! Wahnsinn. Alles am Motor ist auf das Minimum reduziert. Es ist alles wegradiert, was man nicht braucht, überall sind kleine Löcher, um Material wegzunehmen. Und die Materialien, die benutzt werden: Die kommen mit Namen, die habe ich in meinem Leben noch nie gehört. Und Beschichtungen... Da wird sogar mit Diamanten rumgespielt." Damit könnte allerdings bald Schluss sein: Nach der Motorenreform, sollen die Materialien ab 2017 und 2018 eingeschränkt werden.

Das Herzstück des Formel-1-Boliden ist aber aus Fahrer-Sicht nicht der Motor, sondern das, was davor ist: Das Monocoque. Und manche Gäste kennen das schon zu gut für Rosbergs Geschmack. "Letztens hat man im Nachhinein festgestellt, dass ein Gast beim Einsteigen in das Auto die kleine Scheibe angeknackst hat. Mitten im Rennen in Melbourne ist mir das Teil abgefallen. Jetzt wissen wir nicht, ob er schuld war oder nicht."

Aber auch Rosberg selbst hat beim Einsteigen schon etwas beschädigt. "Da sind inzwischen so viele kleine Flügel, da hat es schon Mal geknackst, dass etwas repariert werden musste. Aber das erwarten die Mechaniker auch, weil es durch die ganzen Flügle extrem schwierig ist, einzusteigen."

Lenkrad-Rückseite bleibt geheim

MSM TV: Das macht Mercedes-Star Nico Rosberg so stark: (3:57 Min.)

Besonders im Mittelpunkt steht natürlich das Lenkrad. Speziell in diesem Jahr, weil dem Display wegen des Funkverbots eine große Bedeutung zukommt. "In das Display haben wir dieses Jahr richtig viel Arbeit reingesteckt. Was uns bislang die Ingenieure gesagt haben, muss ich jetzt am Display selbst ablesen. Ich hatte quasi ein leeres Smartphone und ich konnte sagen, welche Werte ich drauf haben will, wie groß, welche Farben. Die Testfahrten und der Simulator waren da sehr hilfreich, aber wir nehmen noch immer Änderungen vor."

Während die Vorderseite des Lenkrads oftmals erklärt wird, bleiben die Rückseiten meist im Verborgenen. Schaltwippen und Kupplungshebel befinden sich hier, das ist klar. Aber seitdem das Stratprozedere angepasst wurde, sind die Rückseiten der Lenkräder ein Staatsgeheimnis. Ferrari soll mit etwas längeren Kupplungshebeln den Fahrern ein besseres Gefühl geben. Beim vorsichtigen Blick auf die Rückseite fielen dem Laien-Auge aber keine Besonderheiten am Mercedes-Lenkrad auf. Die beiden Kupplungshebel - von denen aber nur einer benutzt werden darf - machten keinen außergewöhnlichen Eindruck.

Was macht Mister Motivator im Cockpit?

Bleibt noch ein lustiges Detail am Boliden von Nico Rosberg. Motorsport-Magazin.com entdecke neben dem obligatorischen Streckenlayout noch einen weiteren Aufkleber an der Innenseite des Monocoques. Ein Aufkleber im Stile des Panini-Sammelalbums. Mit einem äußerst lustigen Motiv.

Allerdings ist darauf kein Fußballer zu sehen. "Das ist witzig, dass du das sagst", ist Rosberg von der genauen Musterung überrascht. "Ich war letzte Woche in der Motorenfabrik, um alle zu begrüßen. In der Motorenfabrik haben sie einen Glückbringer, der heißt Mister Motivator. Der war vor 15 Jahren im englischen Frühstücksfernsehen, sie haben den überall kleben. Dann haben sie mich gefragt, ob ich ihn nicht mal da reinkleben kann. Das habe ich gerne gemacht, wenn sie dann alle bei mir mitfahren können."

P.S. Wer Mister Motivator nicht kennt, sollte sich unbedingt seine Videos ansehen. Mehr als unterhaltsam. Vielleicht wäre das auch ein Vorschlag zur Auflockerung in der ein oder anderen Sitzung von Strategiegruppe und Formel-1-Kommission.

Mister Motivator gibt Gas: Du bist fett!: (07:20 Min.)


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