Seit 2007 darbt die rote Fangemeinde. Vor langen neun Jahren holte Kimi Räikkönen als bislang letzter Pilot in Diensten von Ferrari den Fahrer-Weltmeistertitel in der Formel 1. Danach folgten einige Saisons, in denen die Scuderia relativ knapp am Titel vorbeischrammte, aber auch bittere Jahre, in denen man weit hinter den eigenen Ansprüchen und Erwartungen zurückblieb und zum Teil nicht einen einzigen Sieg feierte.

Ferrari stellte 2007 zum letzten Mal den Weltmeister -
Ferrari stellte 2007 zum letzten Mal den Weltmeister -Foto: Ferrari Press Office

Mittlerweile jedoch wurde die Talsohle durchschritten und ein Aufwärtstrend eingeleitet. Dies ist nicht zuletzt Sebastian Vettel geschuldet, der Ferrari gemeinsam mit Teamchef Maurizio Arrivabene neues Leben einhauchte und in der vergangenen Saison drei Siege feierte. In diesem Jahr plant man in Maranello nun den ganz großen Wurf, den Angriff auf Mercedes und den heiß ersehnten Weltmeistertitel.

Das Team: Kontinuität ist Trumpf

Neu im Team:

  • Jock Clear (Chefingenieur, Wechsel von Mercedes)
  • Haas F1 Team als Technik-Partner
  • Toro Rosso als neuer Motorenkunde

Nicht mehr im Team:

  • Esteban Gutierrez (Ersatzfahrer, Wechsel zu Haas)

Nach der großen Personalrochade vor einem Jahr mit Wechseln sowohl auf Fahrer- als auch Führungsebene, war diesmal Kontinuität bei Ferrari Trumpf. Die Scuderia geht mit einer nahezu unveränderten Mannschaft in die neue Saison, lediglich der bisherige Ersatzfahrer Esteban Gutierrez verließ das Team, um als Einsatzpilot beim neuen Haas-Rennstall anzuheuern. Zudem ist nun Jock Clear, der von Mercedes kam, arbeitsberechtigt, und nimmt die Rolle des Chefingenieurs ein.

Mit Haas verbindet Ferrari eine enge technische Partnerschaft, da die amerikanischen Newcomer so viele Teile, wie es das Reglement erlaubt, darunter auch den Motor, aus Maranello beziehen. Mit Toro Rosso bekam die Scuderia zudem einen weiteren neuen Motorkunden und beliefert mit Sauber nun insgesamt drei Kundenteams mit Power Units.

Das Auto: Fast alles neu beim Ferrari SF16-H

Ferrari erzielte in Barcelona mit dem SF16-H an fünf von acht Testtagen die Bestzeit. Im Gegensatz zur Scuderia war Mercedes allerdings nicht mit den superweichen und ultraweichen Reifen unterwegs, was den Vergleich erschwert, wenngleich Räikkönen die schnellste Zeit der Testfahrten auf den weichen Pneus fuhr. Aussagekräftiger waren da schon die Rennsimulationen, aus denen hervorgeht, dass Ferrari zwar deutlich näher an den Silberpfeilen dran sein dürfte, aber nach wie vor einen Rückstand von etwa drei Zehntel pro Runde aufweist.

Ferrari: Die Testbilanz

Fahrer BestzeitRundenReifen
Kimi Räikkönen 1:22.765 366Ultrasoft
Sebastian Vettel 1:22.810 487Ultrasoft

In der ersten Testwoche hatte Ferrari mit zahlreichen kleineren und größeren technischen Problemen zu kämpfen, die viel Zeit auf der Strecke kosteten. In der zweiten Testwoche konnten die Schwierigkeiten weitestgehend ausgemerzt werden, sodass Vettel und Räikkönen je eine problemlose Rennsimulation absolvierten. Am Ende standen 853 Runden oder 3.971 Kilometer und damit Platz vier im Ranking aller Teams zu Buche.

Ferrari ist auf eine kurze Nase umgestiegen -
Ferrari ist auf eine kurze Nase umgestiegen -Foto: Ferrari/Motorsport-Magazin.com

In der jüngeren Vergangenheit ging Ferrari selten so aggressiv zu Werke wie beim neuen SF16-H. Ersichtlich wird dies unter anderem an der Nase, die deutlich kürzer als im Vorjahr ist, wodurch mehr Luft unter das Auto geleitet werden kann. Außerdem setzt Ferrari nach vier Jahren wieder auf Druck- statt Zugstreben an der Vorderradaufhängung.

Eine weitere große Änderung betrifft das Heck, das erheblich schmaler als jenes des Vorgänger-Modells ist. Dadurch erhofft man sich in Maranello eine bessere Aerodynamik, allerdings ergibt sich aufgrund der geringeren Kühlung des Motors auch ein Risiko. "Das Auto ist viel schneller, es hat mehr Grip. Ich denke, das ist ein Schritt nach vorne in jeglicher Hinsicht", zieht Sebastian Vettel bei RTL ein zufriedenes erstes Fazit.

Pullrod und Pushrod im direkten Vergleich -
Pullrod und Pushrod im direkten Vergleich -Foto: Ferrari/Motorsport-Magazin.com

Die Fahrer: Vettel will den Titel, Räikkönen muss sich beweisen

"Mein Ziel ist es ganz klar Weltmeister zu werden und Rennen zu gewinnen. Alles andere ist für mich nicht gut genug und so geht es, glaube ich, dem ganzen Team", spricht Vettel aus, was ganz Italien hören will. Der vierfache Champion tritt in diesem Jahr an, um die Scuderia zu neuen Höhenflügen zu führen, die Ferrari-Präsident Sergio Marchionne während der Winterpause mehr oder weniger klar einforderte. Mit 42 Siegen ist Vettel momentan der vierterfolgreichste Pilot in dieser Wertung, einen Triumph liegt der Heppenheimer hinter dem amtierenden Weltmeister Lewis Hamilton.

Dass Kimi Räikkönen auch 2016 für Ferrari fährt, ist keineswegs selbstverständlich. Bis zu seiner Vertragsverlängerung im vergangenen Sommer hielten sich hartnäckig Gerüchte, Ferrari würde den Finnen ersetzen. Letztlich erhielt Räikkönen trotz mäßiger Leistungen aber doch einen neuen Vertrag, wohl nicht zuletzt der guten Stimmung im Team wegen. In diesem Jahr muss der Iceman allerdings liefern, denn 128 Punkte Rückstand auf Vettel und nur drei Podiumsplatzierungen waren definitiv zu wenig.

Die Ziele: Der Titel soll nach Maranello

Saisonziel: Kurz und bündig: Ferraris Ziel 2016 ist der Weltmeistertitel.

Redaktionskommentar: Ferrari scheint im Winter näher an Mercedes herangekommen zu sein, ganz wurde der Rückstand auf die Silberpfeile aber nicht wettgemacht. Damit ist die Ausgangslage aber schon einmal besser als zu Beginn der letzten Saison, als Sebastian Vettel trotz größeren Rückstands drei Siege feierte. Stimmt das Entwicklungstempo, ist der Traum vom Weltmeistertitel nicht illusorisch, als Favorit geht Ferrari jedoch nicht in die Saison 2016.

Pro:

  • Ferrari ist näher an Mercedes dran
  • Die Neuerungen am Wagen scheinen aufzugehen
  • Kontinuität im Team - alle wichtigen Personen wurden gehalten

Contra:

  • Mercedes hat nach wie vor das beste Paket
  • Fragezeichen hinter der Zuverlässigkeit
  • Räikkönen gut genug für ein Spitzenteam?

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