Formel 1 / Kolumne - Pro und Contra

Neues Qualifying: Endlich mehr Spannung?

Die Teamchefs haben sich auf ein neues Qualifying-Format geeinigt. Ist eine Änderung überhaupt nötig? Motorsport-Magazin.com analysiert.
von Haris Durakovic & Manuel Schulz

Pro: Vollgas von der ersten bis zur letzten Minute

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Die Strategy Group hat sich auf ein neues Quali-Modell verständigt. Und das hat es in sich. Die Qualifying-Abschnitte werden zwar beibehalten, aber durch ein Shoot-Out in jedem einzelnen Segment kommt extra Würze ins sonst so unspektakuläre Qualifying. Nach sieben Minuten in Q1 fliegt der Langsamste raus, dann geht es im 90-Sekunden-Takt weiter. In Q2 läuft es ähnlich weiter, nur verschiebt sich der Zeitrahmen und in Q3 folgt dann das finale grande. Nach dem Motto "be quick or be dead" verspricht das Spannung pur und ist eine willkommene Alternative zum derzeitigen Format.

Weniger Taktik, mehr Action? - Foto: Sutton

Eine Rückkehr zum glorreichen Einzelzeitfahren wäre zu schön gewesen, um wahr zu sein. Aber die Zuschauer an der Rennstrecke und zuhause vor dem Fernseher werden nicht nur mit mehr Fahrbetrieb belohnt. Da der Zeitrahmen sehr eng gesteckt ist, wird es keine "Sicherheits-Outings" mehr geben. Jeder Pilot wird in der gezeiteten Runde Vollgas geben müssen. Damit konzentriert sich die Spannung nicht mehr auf den letzten Abschnitt, sondern dehnt sich über das gesamte Qualifying aus. Eine Win-win-Situation für alle.

Ganz wunderbar ist auch, dass nun keine Ausreden mehr zählen werden. Dadurch, dass sich das Feld kontinuierlich lichtet, nimmt die Verkehrsdichte auf der Strecke ab. Das bedeutet: Weniger Nachzügler, die einem Top-Piloten die Runde zerstören können. Natürlich können durch die Hektik auch Fahrfehler passieren oder die Boxencrew patzt. Aber das gehört zu dem Spiel dazu.

Contra - Unnötiger Aufwand

Die Formel 1 braucht kein neues Qualifikationsformat. Sie braucht einiges anderes, aber das garantiert nicht. Seit 2006 wurde die Qualifikation in drei Teilen ausgetragen, die sinnvoll waren und zu einiger Action auf der Strecke geführt haben. Jetzt plötzlich noch eine Ausscheidungskomponente mit einzubauen ist nicht nur unnötig sondern auch ein enormer Aufwand, der durch den Mehrwert nicht im geringsten gerechtfertigt wird.

Die F1 hat andere Sorgen - Foto: Sutton

Zudem wird die finale Formulierung des Qualifikationsregelwerk eine große Baustelle. Sie muss sehr detailliert werden und viele Fälle betrachten. Dabei fällt schon dem geneigten Zuschauer direkt auf, dass es mit den 90 Sekunden einige Probleme geben könnte. Was ist mit angefangenen Runden? Zählen diese nicht, wird es im Laufe der Saison mehrere beschwerden geben, weil Piloten durch langsame oder gar bereits ausgeschiedene Fahrer um die Sekunde aufgehalten wurden, die ihnen zum weiterkommen gefehlt hatte.

Zählen diese, könnte es in Singapur besonders verwirrend sein. Sollte der Fahrer auf dem letzten aktiven Platz weniger als 30 Sekunden vor Ablauf der Zeit noch eine Runde beginnen, sollten vor Ende seiner Runde bereits zwei Fahrer ausgeschieden sein. Wer soll da noch den Überblick behalten? Es scheint beinahe unglaublich, dass sich die Teamchefs in Genf auf ein solches Format geeinigt haben sollen, denn im Endeffekt läuft es alles darauf hinaus, dass sich irgendein Team im Nachteil sehen wird.


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