Formel 1 / Hintergrund

Wenn es Nacht wird in Mexico City... - Mexiko GP: Die sieben Schlüsselfaktoren

...träumen die Mercedes-Piloten von Kurve 1, tüfteln die Strategen, hat Sergio Perez im Schlaf noch Gänsehaut und warten alle auf den nächsten Speed-Rekord.
von Marion Rott

1. - S wie Startaufstellung

Und täglich grüßt das Murmeltier. Die erste Startreihe für das Comeback der Formel 1 in Mexiko ist einmal wieder komplett Silber. Zum vierten Mal in Folge hat sich Nico Rosberg gegen seinen Teamkollegen Lewis Hamilton durchgesetzt und sich damit seine insgesamt 20. Karriere-Pole in der Königsklasse gesichert. Damit blockieren die Silberpfeile zum 13. Mal im 17. Saisonrennen die erste Reihe.

Hinter Mercedes reihte sich zum siebten Mal in dieser Saison Sebastian Vettel im Ferrari ein, gefolgt von den beiden Red-Bull-Piloten Daniil Kvyat und Daniel Ricciardo. Damit lag Red Bull zwar vor den Williams-Piloten Valtteri Bottas und Felipe Massa, blieb aber etwas hinter den Erwartungen zurück. "Wir haben keinen Quali-Modus, das hat man bei den anderen Trainingssitzungen gesehen, als wir viel näher dran waren. Und der Abstand in Sektor eins ist wieder größer geworden", erklärte Dr. Helmut Marko im Exklusiv-Interview mit Motorsport-Magazin.com. "Aber trotzdem sind wir zufrieden, wir hätten nicht erwartet, dass wir Williams schlagen können." Die Top-10 komplettierten Lokalmatador Sergio Perez und sein Force India-Teamkollege Nico Hülkenberg.

2. - S wie Start

Wer meistert den Start am besten? - Foto: Sutton

"Der Weg zur ersten Kurve ist wohl der längste der gesamten Saison, du solltest also einen wirklich guten Start haben", lachte Williams-Pilot Felipe Massa. Insgesamt 900 Meter sind bereits absolviert, bis die Piloten am Scheitelpunkt der ersten Kurve ankommen. Ein langer Weg für Windschatten-Duelle und Angriffe von hinten.

Die saubere Seite wird mir morgen wohl helfen. Ich glaube alle auf der Innenseite werden wohl mehr kämpfen müssen.
Daniel Ricciardo

Durch den neuen und rutschigen Asphalt wird in Mexiko mehr als auf anderen Kursen die Startseite entscheidend sein. "Die saubere Seite wird mir morgen wohl helfen, Platz fünf ist deshalb wohl besser als Platz vier, ich glaube alle auf der Innenseite werden wohl mehr kämpfen müssen", erklärte Daniel Ricciardo.

Fernando Alonso erwartet ebenfalls einiges Durcheinander auf die erste Kurve zu und zog Vergleiche zum Rennen in Russland. "Es ist auch hier ein langer Weg bis zur ersten, recht engen Kurve. In Russland ist einiges passiert. Hoffentlich sehen wir morgen keine Zwischenfälle, aber es könnte interessant werden", sagte der McLaren-Pilot. "Man kann hier eine Menge Plätze gewinnen oder verlieren. Ich denke, für die Leute rund um die Plätze sieben bis 15 werden ein wenig mehr Stress werden."

Besonderes im Fokus stehen nach dem haarigen Duell der ersten Kurve in Austin natürlich die beiden Silberpfeile. Hamilton hatte Rosberg weit rausgedrängt, ihn leicht berührt und sich so an seinem Teamkollegen vorbeigeschoben. Das ist laut Rosberg aber jetzt kein Thema mehr. "Es wird wie immer ein Kampf werden, aber was in der Vergangenheit passiert ist, ist Vergangenheit. Jetzt geht es weiter und nichts hat sich verändert", erklärte der Deutsche. Einen Vorschlag hatte allerdings Sebastian Vettel vorzubringen. Er äußerte die Idee, dass sich die Silberpfeile doch gegenseitig abschießen könnten und ihm somit dem Weg freimachen. Dieser Witz kam bei Rosberg und Hamilton allerdings nicht so gut an - ganz im Gegensatz zu den anwesenden Journalisten bei der Pressekonferenz.

3. - S wie Strategie

Die Rückkehr nach Mexiko wird den Strategen der Teams nicht leicht gemacht. In allen Sessions herrschten unterschiedliche Bedingungen, die Longruns am Freitag mussten teilweise durch den einsetzenden Regen verkürzt oder abgebrochen werden. Auch am Sonntag herrscht eine geringe Regenwahrscheinlichkeit, die alles nochmals über den Haufen werfen könnte. Sollte es trocken bleiben, gelten eine Ein- oder Zweistopp-Strategie als wahrscheinlich, da die Reifenabnützung auf dem Kurs recht gering ist.

Ich denke, jeder wird eine Einstopp-Strategie versuchen, aber ich bin mir nicht sicher, ob das jeder schaffen wird.
Daniel Ricciardo

Die schnellste Zweistopp-Variante ist ein Start auf dem weichen Reifen und ein Wechsel auf die gleiche Mischung in Runde 23. In Runde 46 von insgesamt 71 sollten die Piloten dann auf die Medium-Mischung wechseln. Für Einstopper macht die Reifensorte zu Beginn des Rennens keinen Unterschied. Mit der weichen Mischung am Start macht ein Wechsel auf Medium in Runde 30 am meisten Sinn, andersherum sollten die Piloten während des 40. Umlaufs von Medium auf die weichen Pneus wechseln.

"Ich denke, jeder wird eine Einstopp-Strategie versuchen, aber ich bin mir nicht sicher, ob das jeder schaffen wird", erklärte Red Bull-Pilot Riccardo. Der Medium-Reifen präsentierte sich seiner Meinung nach gut auf den Longruns, daher wäre seine Lösung, relativ früh zu stoppen und dann den Medium bis zum Ende zu fahren. "Aber du willst auch nicht zu früh wechseln und dann die letzten fünf bis zehn Runden mit den Reifen kämpfen."

4. - S wie Strecke

Die Piloten waren am Freitag viel neben der Strecke unterwegs - Foto: Sutton

Eine der rutschigsten Strecken, auf denen ich in meinem Leben gefahren bin. Ich habe noch nie eine so rutschige Strecke im Trockenen erlebt. Im Rallye-Auto macht das Rutschen ja Spaß, im Formel-1-Auto eher weniger. Das waren nur einige der Aussagen der Piloten nach dem Freitag. Die Strecke präsentierte sich nach dem Umbau mit neuem Asphalt, einige Passagen mussten nochmals nachgebessert werden und so war das Griplevel verschwindend gering - und ständig wechselnd.

Nur einen Tag später war von Klagen allerdings kaum noch etwas zu hören. Der Kurs hatte für das Qualifying deutlich an Grip zugelegt. Diese Verbesserung kann allerdings schlagartig wieder weggewaschen werden - im wahrsten Sinne des Wortes. Kommt über Nacht oder am Sonntag nochmals heftiger Regen auf, könnte sich die Strecke für das Rennen wieder rutschiger denn je präsentieren.

5. - S wie Sergio-Fieber

Die mexikanischen Fans drücken ihrem Helden die Daumen - Foto: Sutton

Noch nie zuvor stand Sergio Perez in seiner Karriere so im Rampenlicht wie an diesem Wochenende. Sobald sich nur ein Reifen seines Force India aus der Box bewegt, rasten die tausenden von Zuschauer auf den Tribünen aus. Der Mexikaner wünscht sich nichts mehr, als seinen Landsleuten ein Podium zu schenken, von Rang neun wird dieses Unterfangen ohne Regenchaos aber wohl unmöglich. "Die Erwartungen werden morgen hoch sein, aber das ist ein sehr positiver Druck und ich muss einfach fokussiert bleiben, das normale Routineprogramm absolvieren und das morgige Rennen wie ein ganz normales behandeln", nahm sich Perez fest vor. Ob ihm das bei dieser Zuschauer-Euphorie gelingt?

6. - S wie Speed

Die Fahrer kommen in Sachen Top-Speed in Mexiko in andere Sphären - Foto: Sutton

Die Rekorde purzeln und purzeln immer weiter. Schon am Freitag im Freien Training wurde die bisherige Höchstgeschwindigkeitsmarke von 358,3 km/h, aufgestellt von Kimi Räikkönen in Monza, klar unterboten. Lewis Hamilton setzte mit 362,3 km/h einen neuen Rekord - aber keineswegs für die Ewigkeit. Denn nur einen Tag später war es Felipe Massa im Williams, der mit 364,4 km/h im Qualifying ganz nah an den erwarteten Höchstwert von 365 km/h herankam.

Damit hat jeder zu kämpfen und das könnte morgen im Rennen zu Zuverlässigkeits-Problemen führen.
Eric Boullier zur Kühlung

Grund für diese unglaublichen Speed-Werte ist die Höhenlage der Rennstrecke. Sie liegt 2.285 Metern über dem Meeresspiegel und die dünnere Luft bietet weniger Widerstand. Während ähnliche Werte nur mit flachem Flügel auf dem Highspeed-Kurs in Monza erreicht werden, sind die Boliden in Mexiko sogar mit der Flügeleinstellung des langsamsten Saisonrennens in Monaco unterwegs. Den hohen Geschwindigkeiten spielt allerdings noch ein anderer Faktor in die Karten. Während der Saugmotor in der Höhe an Leistung verliert, arbeitet die Turbine des Turboladers bei geringem Luftdruck effizienter. Somit entsteht für die Power Units kein Leistungsverlust und der geringere Luftwiderstand in der Höhe kann zu Höchstgeschwindigkeits-Rekorden genutzt werden.

Einen großen Nachteil bringt die Höhe mit sich: Kühlungsprobleme am Auto und den Bremsen. "Selbst bei nur 20 oder 22 Grad Temperatur ist alles am Limit", erklärte Remi Taffin, der Renault-Motorenchef im Motorsport-Magazin.com-Interview. "Auf Höhe des Meeresspiegels würdest du dieses Limit erst bei rund 35 Grad erreichen, was normal ist, wenn wir beispielsweise in Sepang sind." Da alle Teams am Limit arbeiten, sieht auch McLaren-Renndirektor Eric Boullier großes Potenzial für Schwierigkeiten. "Damit hat jeder zu kämpfen und das könnte morgen im Rennen zu Zuverlässigkeits-Problemen führen", warnte er.

7. - S wie Sonntagswetter

Wie sieht der Himmel am Sonntag aus? - Foto: Sutton

Regen ja oder nein? Diese Frage begleitete das Formel-1-Comeback in Mexiko über das ganze Wochenende. Tatsächlich startete das erste Freie Training feucht und das zweite endete mit Regen. Am Samstag blieb die Königsklasse allerdings - trotz einiger sehr schwarzer Wolken - vom Niederschlag verschont. Anders könnte es am Sonntag aussehen. Die Regenwahrscheinlichkeit über den Tag liegt bei rund 90 Prozent. Während des Rennens selbst allerdings nur bei rund 15 Prozent. Pünktlich mit der Zielflagge steigt die Niederschlagswahrscheinlichkeit wieder auf 63 Prozent an. Es könnte also eventuell ein nasses Finish geben.


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