Der Samstag in Austin war noch ein größeres Geduldsspiel als der Freitag. Wider erwartet wurde das dritte Freie Training noch durchgepeitscht - obwohl die Fans vom Veranstalter ausgesperrt wurden. Schon zum Ende der Trainingssitzung wurde der Regen stärker, sodass das Qualifying des Porsche Supercups abgesagt werden musste.

Entsprechend gering waren die Chancen auf ein normales Formel-1-Qualifying. Der Regen ließ einfach nicht nach. Doch statt das Qualifying am Samstag gleich komplett abzusagen, war der Rennleitung die Salami-Taktik lieber. Um 12:39 wurde das Qualifying zum ersten Mal um eine halbe Stunde verschoben, um 13:20 folgten weitere 30 Minuten, um 13:50 folgten noch einmal 30 Minuten und um 14:20 noch einmal, um 14:55 - ach lassen wir das. Es gab jedenfalls am Ende nix, trotz fünf Verschiebungen.

Formel 1 kann auch lustig

Nicht nur für uns Journalisten eine Geduldsprobe, sondern vor allem für die Fans, die nach der Öffnung der Tribünen doch noch an die Strecke gekommen waren. Doch die wurden vom Formel-1-Tross bestmöglich unterhalten - die Formel 1 hat sich von ihrer besten Seite gezeigt.

In den letzten Wochen war es üblich, dass sich die MotoGP-Kollegen - allen voran natürlich der Kollege Höller, der derzeit in Malaysia dafür schwitzen darf - über uns amüsierten. Während am Donnerstag in der MotoGP Rennen auf Mini-Bikes gefahren werden, sitzen bei uns die Piloten mit Null-Bock-Minen in der Pressekonferenz.

Null Bock hatte in Austin aber nur das Wetter. Die Fahrer gaben ihr Bestes. Im Media Center gab es bei den zahlreichen kreativen und lustigen Ideen von Fahrern und Teams großes Gelächter. So sollte sich die Königsklasse abseits der Strecke immer präsentieren - nicht mit ernsten Mienen bei Diskussionen über Motorenkriese und Co. Das war großes Kino. Die Formel 1 hat coole Typen, es braucht nur die richtigen Gelegenheiten, um das auch zu zeigen. Vielleicht sollte Bernie doch seine Sprinkleranlagen installieren...

Hier die besten Aktionen im Überblick

Der Force India Breakdance:
Force India machte den Auftakt zur Spaßveranstaltung. Teammitglied 'Scooty' legte vor der Garage unter großem Gelächter der Kollegen eine beeindruckende Breakdane-Performance hin. Auch Ecclestones Männer in der Regie schien das gefallen zu haben, sie lieferten die Aktion sogar in Zeitlupe nach.

Williams-Ruderboot
Die Briten sind eine große Rudernation - zuletzt leider auch besser als die Deutschen. Einige Williams-Mechaniker setzten sich deshalb hintereinander auf den Boden und machten 'Trockenübungen' - oder sollen wir besser Luftruderboot sagen?

Die Williams-Jungs legten sich ins Zeug -
Die Williams-Jungs legten sich ins Zeug -Foto: Sutton

Sauber C0
Bei Sauber versuchte Jo Leberer zunächst noch vergeblich, die Damen im Team zu einem spontanen Tänzchen vor den TV-Kameras zu überzeugen. Dann aber kam der Rollout des Sauber C0. Zwei Teammitglieder zogen eine Kiste hinter sich her, in der zwei weitere Teammitglieder saßen. Einer mit Paddel, einer mit Propellerantrieb. Joe Bauer soll wenig begeistert von dieser Lösung sein.

Der Sauber C0 schaffte das Scruitineering nicht -
Der Sauber C0 schaffte das Scruitineering nicht -Foto: Sutton

Red Bull Seniorteam
Toro Rosso sorgte gleich mehrmals für großes Gelächter. Besonders, als sich plötzlich zwei 'Neulinge' in der Garage für ihren ersten Einsatz in diesem Jahr bereit machten. Plötzlich standen da Jos Verstappen und Carlos Sainz sen. in kompletter Rennmontur und setzten sich dann auch noch in die Autos ihrer Söhne. Trotz höheren Alters steht Sainz der Overall noch besser als Verstappen.

Feier-Hamilton und Fußball-Rosberg
Lewis Hamilton versuchte die Fans auf der Haupttribüne zu erheitern, indem er sich von ihnen feiern ließ. Nico Rosberg beeindruckte mit seinen Fußball-Skills und Niki Lauda machte mit. Die Rollenverteilung zwischen dem Deutschen und dem Österreicher hat zumindest gepasst: Der filigrane Edeltechniker und der... naja, Österreicher eben. Rosberg: "Mit Niki war das eher Handfußball."

Der Red-Bull-Dance
Von Force India inspiriert legten Daniel Ricciardo und Daniil Kvyat eine Tanzeinlage hin. Allerdings weniger spektakulär als jene von 'Scooty', dafür umso romantischer. Von Joachim Llambi hätte es dafür wohl die Null gegeben, von Jorge Gonzalez die drei.

Wir würden lieber die Gridgirls tanzen sehen -
Wir würden lieber die Gridgirls tanzen sehen -Foto: Sutton

Force-India-Bob
Die Mannschaft von Vijay Mallya war gut drauf. Nach der Solo-Einlage musste natürlich auch noch das Team zeigen, wozu man im Regen fähig ist. Wie beim Vierer-Bob schoben die Mechaniker eine Kiste auf Rollen an und sprangen nacheinander rein. Sah gefährlich aus, aber Force India ist sich sicher: "Artikel 15.3 der Regeln sagt, dass man einen Bob in der Boxengasse fahren darf, solange man dabei Helme trägt." Glauben wir mal so.

NFL-Rossi
Ein Amerikaner im Formel-1-Cockpit beim Heimrennen. Schöner kann es ja eigentlich nicht kommen für die patriotischen Amerikaner. Und wenn er eben nicht Auto fährt, dann spielt er eben Football - was soll ein Amerikaner auch sonst machen? Für Fußball sind ja schon die Deutschen zuständig - Österreich lassen wir jetzt mal außen vor.

Mehr Toro-Rosso-Spaß
Weil Toro Rosso schließlich doch das Juniorteam ist, mussten auch Max Verstappen und Carlos Sainz Jun. ein wenig Blödsinn machen. Das Kegelduell mit Red-Bull-Dosen ging mit einem Strike an den Spanier, dafür angelte sich Verstappen später noch einen dicken Fisch beim Boxengassen-Angeln. Leider war der dicke Fisch wirklich nur ein Fisch und kein konkurrenzfähiger Motor. Fast hätte die Formel 1 übrigens noch fahren können, denn Sainz versuche noch mit einem Kühlbläser die Strecke zu trocknen - und die Haare seines Renningenieurs.

Und um den MotoGP-Kollegen noch eine mitzugeben: Die schnellste Zeit im dritten Freien Training bei strömendem Regen war 2,5 Sekunden schneller als die Pole-Zeit der MotoGP in diesem Jahr - wohlgemerkt bei Sonnenschein.