Formel 1

Gentlemen, start your engines - Die F1-Woche im Rückblick: Zoff, Zaster, Zukunft

Die FIA feilt am Reglement, zwei Formel-1-Größen duellieren sich und Sebastian Vettel gibt Gas. Motorsport-Magazin.com blickt auf die F1-Woche zurück.
von Annika Kläsener

Motorsport-Magazin.com - Die Woche nach dem Großbritannien Grand Prix war zum einen durch kleine Neuerungen geprägt. So kündigte die FIA neue Bestimmungen für den Start an und betonte, dass fingierte Boxenstopps künftig geahndet werden. Zudem homologierte der Automobilweltverband ein zweites Fuel Flow Meter. Zum anderen war die Woche geprägt von Zoff, einer Absage und einer Zusage sowie dem leidigen Thema Geld.

Neues Startprozedere ab Spa

Die Starts werden für die Piloten wieder kniffliger - Foto: Sutton

Die FIA überträgt den Formel-1-Piloten ab dem ersten Rennen nach der Sommerpause wieder mehr Verantwortung beim Start. Laut einer an die Teams herausgegebenen technischen Direktive dürfen die Ingenieure den Fahrern nicht mehr beim Finden des Kupplungsschleifpunkts helfen. Zudem darf dieser ab dem Öffnen der Boxengasse vor dem Rennen nicht mehr adaptiert werden. Auch der Boxenfunk wird weiter eingeschränkt. So sind Fahrhilfen vor dem Start nicht mehr erlaubt. Das heißt, dass die Teams ihren Fahrern via Funk nur noch sicherheitsrelevante Informationen geben dürfen.

Neues Fuel Flow Meter

So sieht das Alternativ-Modell von Sentronics aus - Foto: Sentronics Ltd

Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com werden einige Teams ab dem Ungarn GP mit einem Fuel Flow Meter von Sentronics an den Start gehen. Die FIA homologierte jüngst das Konkurrenzprodukt von Gill Sensors, das mehrfach in der Kritik stand. Das Modell von Sentronics soll den Benzindurchfluss genauer messen und wurde zu diesem Zweck in der WEC getestet.

Warnschuss der FIA

Bei Boxenstopps darf nicht getarnt und getäuscht werden - Foto: Sutton

Einen angetäuschten Boxenstopp, wie in Mercedes in Silverstone anwandte, um Williams in die Irre zu führen, soll es in Zukunft nicht mehr geben. Die FIA stellte klar, dass sie künftig genauer hinsehen wird. "Teampersonal ist in der Boxengasse nur direkt vor Arbeiten an einem Fahrzeug erlaubt und muss direkt nach der Arbeit zurück in die Garage", heißt es im Artikel 23.11 des sportlichen Regelwerks.

WMSC segnet Strategy-Group-Vorschläge und Rekord-Kalender ab

Der World Motor Sport Council tagte in Mexiko City - Foto: Sutton

Am Freitag tagte in Mexiko City der World Motor Sport Council, der die bereits veröffentlichten Vorschläge der Strategy Group genehmigte. Nun ist offiziell, dass ein Team, das mehr als das erlaubte Kontingent an Power-Unit-Teilen verwendet, maximal ans Ende des Feldes versetzt wird. Zusätzliche Zeitstrafen, wie sie etwa McLaren erhielt, wird es künftig nicht mehr geben. Auch die zusätzliche Power Unit für neu hinzugekommene Hersteller fand ihre Zustimmung.

Darüber hinaus segnete der WMSC Änderungen beim Thema Superlizenz ab. So dürfen Formel-1-Testfahrer ihre Lizenz drei Jahre lang behalten, auch wenn sie kein Rennen fahren. Zudem wurde die Liste der Rennserien, in denen Piloten die erforderlichen Punkte für eine Superlizenz erlangen können, um die DTM und weitere Meisterschaften erweitert. Auch Formel-E-Champion Nelson Piquet Junior erhält eine Superlizenz.

Außerdem wurde in Mexiko der provisorische Kalender für 2016 beschlossen. Die Saison beginnt erst im April in Australien und soll über insgesamt 21 Rennen ausgetragen werden. Das Finale findet wie gewohnt in Abu Dhabi statt. Zwischen Melbourne und Abu Dhabi gibt es jedoch einige Verschiebungen. Neu im Kalender ist der Europa GP in Baku. Er findet zwischen den Rennen in Spielberg und Hockenheim statt. Derweil wandert der Malaysia GP ans Ende der Saison. Er bildet nun eine Einheit mit dem Stadtrennen in Singapur. Dafür wurde der Russland GP auf Anfang Mai vorgezogen.

Zunder zwischen Jordan und Dennis

Zwischen den beiden Granden fliegen die Fetzen - Foto: Sutton

Nach dem Großbritannien GP gingen die Kämpfe abseits der Strecke weiter. Eddie Jordan ging mit McLaren hart ins Gericht und erntete dafür Spott und Häme von Ron Dennis. Jordan warf McLaren Arroganz vor. "Sie fahren hoffnungslos hinterher und jeder, der glaubt, es ist nur der Motor, belügt sich selbst. Der Motor ist ein großer Teil davon, aber es gibt dort noch viele weitere Probleme", wetterte er gegenüber der BBC.

"Ich persönlich glaube, dass McLaren die Formel 1 an diesem Tag aus dem Fokus verloren hat, als sie damit begannen, Straßenautos zu bauen. Ich wäre überrascht, wenn sie noch jemals um Titel kämpfen würden, solange sie noch Straßensportwagen bauen und diese aktuelle Managementstruktur beibehalten", fügte er hinzu.

Dennis fühlte sich offenbar persönlich angegriffen und untergrub Jordans Autorität als Experte. "Ich sehe die Formel 1 wie eine Familie. Familien leben in Dörfern und Dörfer haben immer einen Dorftrottel. Er [Jordan] passt perfekt in diese Rolle. Er ist realitätsfern. Er will eine schillernde Persönlichkeit sein, aber das auf Kosten anderer", ätzte der McLaren-Geschäftsführer.

Aston Martin sagt 'nein, danke'

Aston Martin wird in naher Zukunft nicht in die Formel 1 einsteigen - Foto: Patching/Sutton

Inmitten der Spannungen zwischen Red Bull und Renault war zuletzt spekuliert worden, Aston Martin könnte als Partner in die Formel 1 einsteigen. Dem schob CEO Andy Palmer einen Riegel vor. "Wir als Unternehmen haben nicht die Art von Geld, um in die Formel 1 einzusteigen und da einen vernünftigen Job zu machen", betonte er gegenüber Reuters. "Ich sage nie 'nie', aber es ist unwahrscheinlich"

Vettel startet beim Race of Champions

Sebastian Vettel strebt nach dem Einzel-Titel - Foto: Race of Champions

Auch wenn die Zeiten seiner Nationen-Siege mit Michael Schumacher vorbei sind, geht Sebastian Vettel 2015 beim Race of Champions in London an den Start. Mit neuem Partner will er dann um den Nationen-Pokal kämpfen und außerdem erstmals den Titel im Einzel sichern. "Ich freue mich darauf, zum Race of Champions zurückzukehren. Seit meinem Debüt 2007 genieße ich es, dort anzutreten", sagte Vettel. Konkurrenz erhält er unter anderem von Tom Kristensen, Petter Solberg und David Coulthard.

Piquet: Es geht nur ums Geld

Nelson Piquet Jr ist der erste Champion der Formel E - Foto: Sutton

Ein alter Bekannter versuchte in dieser Woche, sein Image in der Formel 1 aufzupolieren: Nelson Piquet Junior. Der frischgebackene Formel-E-Champion betonte, dass er 2008 beim Singapur GP zu dem Unfall gezwungen wurde, der seinem damaligen Teamkollegen Fernando Alonso den Sieg einbrachte und als Crashgate in die Geschichte einging.

"Die Formel 1 war eine neue Situation für mich und Fernando war so viel besser. Ich stand mächtig unter Druck", bat Piquet um Verständnis. "Warum die Medien da so viel Wind darum machen, weiß ich nicht. Ich habe vorher Meisterschaften, danach Rennen in der NASCAR gewonnen und in meiner ersten Rallycross-Saison geführt."

Für die Königsklasse hat der Brasilianer nichts mehr übrig und reiht sich in die Phalanx der Kritiker ein. "Wenn ich einen Scheck über fünf bis zehn Millionen hätte, dann stünden mir die Türen offen. Es interessiert jetzt nicht mehr, wer du bist und wie gut du bist. Um in die Formel 1 zu kommen, musst du Geld mitbringen", betonte er.

Geldsegen für Williams?

Williams ist stets auf der Suche nach Geldgebern - Foto: Sutton

Passend zu Piquets Aussagen tauchten diese Woche Gerüchte auf, dass sich der kanadische Milliardär Lawrence Stroll mit 120 Millionen Euro bei Williams einkaufen könnte. Der Name Stroll dürfte Motorsport-Fans bekannt sein, denn Lance Stroll - Sohn des Milliardärs - ist Teil der Ferrari Driver Academy und geht in der Formel 3 Europameisterschaft an den Start. Sollte sein Vater tatsächlich bei Williams einsteigen, wird Junior für 2017 als Stammfahrer gehandelt.

Geldsorgen bei Lotus?

Lotus hat Ärger mit seinen Gläubigern - Foto: Sutton

Lotus rücken die Gläubiger auf die Pelle. Mehrere Zulieferer haben beim Obersten Gerichtshof in London eine Überprüfung der Liquidität des Teams gefordert, da sie auf ihr Geld warten. Der Gerichtshof hat das Verfahren um zwei Wochen vertagt. In diesem Zeitraum kann sich Lotus mit seinen Gläubigern außergerichtlich einigen, was laut CEO Matthew Carter bereits geschehen ist. "Alles ist unter Kontrolle. Eine Lösung ist bereits gefunden worden, deshalb wurde das Verfahren vertagt", sagte er gegenüber Autosport.


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