Motorsport-Magazin.com Plus
Formel 1

Harte Arbeit und Idealismus - Investor spricht: So lief die Rettung von Manor

Stephen Fitzpatrick ist der Messias von Manor Marussia. Wie brachte der Millionär von der Insel den Rennstall zurück in das F1-Business?
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - In der Startaufstellung in Melbourne werden die Fans 20 Autos bejubeln dürfen. Als zehnter Rennstall gab das Manor Marussia F1 Team am Mittwoch seine Teilnahme am Saisonstart und allen folgenden Rennen bekannt.

Möglich wurde dieser Kraftakt für den vormals insolventen Rennstall durch die Bemühungen und die finanziellen Mittel des Unternehmers Stephen Fitzpatrick und dem von ihm gegründeten britischen Energiekonzern Ovo Energy. "Ich hatte schon lange Ambitionen, ein F1-Team zu besitzen, habe aber nicht erwartet, dass es schon 2015 so weit ist", sagte Fitzpatrick im Rahmen der Pressekonferenz zum Comeback des Rennstalls.

Lange an Lösung gefeilt

Es wirkte auf mich zwar faszinierend, aber auch irgendwie hoffnungslos.
Stephen Fitzpatrick

Seit vergangenem November wurde hinter den Kulissen an einer Lösung gebastelt, Anfang Februar konnte man sich schließlich mit den Gläubigern einigen. "Ich rief vor dem letzten Rennen in Abu Dhabi bei Geoff Rowley (Insolvenzverwalter) an und wurde über die damalige Situation und die Herausforderungen, denen das Team entgegen blickte, aufgeklärt, sowie über das benötigte Geld und die Schulden informiert. Es wirkte auf mich zwar faszinierend, aber auch irgendwie hoffnungslos."

Letztendlich gewann der F1-Fanatiker in Fitzpatrick die Oberhand über den kalkulierenden Geschäftsmann. "Es schien mir wie eine dieser Situationen, die bei genauerer Betrachtung wie eine großartige Gelegenheit aussehen. Es war eine zu gute Geschichte, um sie dort enden zu lassen. Sie (Marussia) hatten sich durch fünf harte Jahre geschlagen, waren Neunter geworden und hatten durch die finanziellen Vergütungen dafür soeben die erste Sprosse finanzieller Stabilität erklommen. Doch dann ging ihnen vor der letzten Hürde die Puste aus", sagte Fitzpatrick.

Tatsächlich hatte Marussia unmittelbar vor der Insolvenz die erfolgreichste Saison der noch kurzen Geschichte des Rennstalls hingelegt. In Monaco hatte Jules Bianchi für die ersten beiden WM-Punkte überhaupt gesorgt. Selbiger Bianchi verunglückte wenige Monate später in Suzuka schwer, während sein Team immer tiefer in die Schulden schlitterte.

Einigung mit Gläubigern erzielt

Umso größer war die Erleichterung bei Geschäftsführer Graeme Lowdon, als sich Fitzpatrick als Silberstreif am Horizonz präsentierte. "Ich entwickelte rasch eine gute Arbeitsbeziehung zu Graeme. Wir hatten offene Gespräche über die Herausforderungen, Zulieferer und vorhandene Qualitäten des Teams." So erstellten beide eine Liste aller rund 200 Gläubiger, darunter Kaliber wie Ferrari, McLaren oder Pirelli, bei denen das Team jeweils mit einem Millionenbetrag in der Kreide stand.

Wir sind die ganze Liste auf einmal durchgegangen, haben das Gespräch mit den Gläubigern und Zulieferern gesucht, neue finanzielle Arrangements getroffen.
Stephen Fitzpatrick

"Wir sind die ganze Liste auf einmal durchgegangen, haben das Gespräch mit den Gläubigern und Zulieferern gesucht, neue finanzielle Arrangements getroffen und brachten das Unternehmen so aus dem Insolvenzverfahren", verkündete Fitzpatrick stolz. Anfang Februar war es so weit und die Einigungen über die Rückzahlungen der Schulden waren unter Dach und Fach.

Damit stand auch einem Weg zurück in die Startaufstellung nichts mehr im Wege. F1-Fanatiker Fitzpatrick freut sich nun auf die neuen Aufgaben mit seinem Rennstall. "In zehn Tagen werden wir mit einer soliden und sauberen Geschäftsplattform in Melbourne stehen, von der aus wir operieren werden."


Weitere Inhalte: