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Minimale Änderungen? Vielleicht bei der Lackierung - Blog - Ferraris Kapitulations-Konzept

Ferrari hat ein Konzept für eine ästhetischere Formel 1 vorgestellt. Motorsport-Magazin.com-Redakteur Christian Menath hält das für reinen Populismus.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Ja, das Ferrari-Konzept sieht toll aus. Spektakulär, schnittig, futuristisch. Die Formel 1 der Zukunft ist das aber nicht. Es kann kein Reglement geschrieben werden, nach dem ein Auto einfach nur schön ist. Ein Reglement beschränkt in erster Linie die Technik. Damit die Motoren nicht zu groß werden, damit die Autos nicht zu leicht werden, damit der Abtrieb nicht zur Bewusstlosigkeit der Piloten führt.

Kurzum: Ein technisches Reglement ist dazu da, die Ingenieure im Zaum zu halten und für Sicherheit zu sorgen. Im Optimalfall sorgt es auch noch dafür, die Kosten nicht explodieren zu lassen. Natürlich kann man bei der Verfassung des Reglements gewisse andere Absichten haben - wie zum Beispiel spektakuläre Autos.

Natürlich waren die Autos einst spektakulärer - Foto: Sutton

Spektakulär ist ein weitläufiger Begriff. Technisch sind auch die aktuellen Autos spektakulär. Für den normalen Fan leider nicht. Der will viel Leistung, laute Motoren, ästhetisch ansprechende Autos. Viel Leistung sollte derzeit kein Problem sein. Der Sound ist schon eine schwierigere Aufgabe - könnte aber mit dem Wegfall der Durchflussbegrenzung und der höheren Leistung zumindest teilweise gelöst werden.

Das Aussehen - und das ist schließlich das einzig ersichtliche aus Ferraris Studie - ist eine schwierige Aufgabe. Natürlich können die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass die Autos wieder etwas mehr hermachen. Breitere Reifen, breitere Autos. Schönere Proportionen bei den Flügeln. Das kann das Reglement.

Allerdings ist das aktuelle Reglement nicht vom Himmel gefallen. Die Proportionen der Flügel sind so unförmig, weil mit den alten Flügeln das Überholen nur schwer möglich war. Die Autos sehen so clean aus, um extreme Aerodynamikauswüchse zu verhindern. Die Cockpitwände sind so hoch, weil die Fahrer geschützt werden sollen. Nichts im Reglement ist durch Zufall entstanden.

Fast hätten die Autos so ausgesehen - Foto: FIA

Und wie will man ein Reglement entwerfen, das für zehn wunderschöne Fahrzeuge sorgen soll? Ferrari betonte doch bei jeder eigenen optischen Missgeburt in den letzten Jahren, dass das Auto das schönste überhaupt sei - wenn es denn gewinnt. Die Funktion diktiert die Form. Und wenn hässlich nun mal schneller ist, dann werden die Ingenieure immer diesen Weg gehen. Ja, man kann am Reglement nachbessern, um die Autos besser aussehen zu lassen - perfekt wird es aber nicht. Und so wie vor 30 Jahren erst recht nicht.

Wir brauchen eine richtige Revolution mit signifikanten und radikalen Änderungen.
Maurizio Arrivabene

Der Gipfel an Ferraris Konzept ist aber nicht die Zeichnungen an sich. "Minimale Änderungen" wären angeblich nötig, um die Autos so aussehen zu lassen. Für die Teams würde alleine der Wechsel auf so extrem große Niederquerschnittsreifen eine immense Änderung bedeuten. Vom radikalen Rest ganz zu Schweigen. Die Ingenieure stöhnen schon, wenn der Frontflügel zehn Zentimeter schmaler wird. Das Auto sieht fast wie ein Le-Mans-Prototyp aus. Das einzige, das hier nur minmal verändert wurde, ist vielleicht die Lackierung - aufgrund von diversen Farbschwächen kann der Autor das allerdings nur bedingt beurteilen.

Es ist ja schön, dass Ferrari die Fans einbeziehen will. So drastisch anders wie das Konzept allerdings aussieht, entsteht aber der Eindruck, dass Ferrari einfach alles ändern will. Und daraus machte Teamchef Maurizio Arrivabene zuletzt nicht einmal einen Hehl. Revolution statt Evolution forderte er unlängst. Alles ändern, damit möglichst wieder von vorne begonnen werden kann und der Rückstand auf Mercedes ersteinmal weg ist. Ferrari kapituliert vor dem aktuellen Reglement.


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