Sie sagten, dass der Renault RS25-Zehnzylinder eine Evolution des Vorjahresmotors darstellt. In welchen Punkten unterscheiden sich die beiden Triebwerke?

Rob White: Bei der Entwicklung des Renault RS25 begannen wir mit einem weißen Blatt Papier. 98 Prozent der Teile sind komplett neu. Das Aggregat verfügt wie sein Vorgänger über einen Zylinderbankwinkel von 72 Grad. Wir haben aber die Integration des Motors in das Chassis weiter optimiert. Der Schwerpunkt des Zehnzylinders liegt deutlich niedriger. Die Nachteile im Vergleich zu dem früheren extrem weiten Zylinderbankwinkel konnte wir zu 70 Prozent gutmachen. Darüber hinaus wurde der neue Motor trotz der "Zwei-Wochenenden-pro-Motor"-Regel nicht schwerer.

Der Renault RS25 verfügt über ein brandneues Elektroniksystem. Wo liegen dessen Vorteile?

Rob White: Wir werden in der kommenden Saison das "Step 11"-System einsetzen, eine kombinierte Chassis- und Motorsteuereinheit von Magneti Marelli. Dieses Programm wurde gleichzeitig mit der Entwicklung von Chassis und Motor vorangetrieben und optimiert die Integration der beiden Komponenten weiter. Der Grundgedanke hinter dem neuen System lautete, die elektrischen und elektronischen Installationen zu vereinfachen und gleichzeitig eine leistungsfähigere Plattform für die Entwicklung der Motor- und Chassissteuerungen zu schaffen.

Wie wirkten sich die neuen Regeln auf die Leistungsentwicklung aus?

Rob White: Wir sind mit der Leistung des Renault RS25 im jetzigen Entwicklungsstadium sehr zufrieden. Wir werden das Drehmoment und die Leistungsabgabe des Motors mit der gleichen Philosophie weiterentwickeln wie bei seinen Vorgängern. Bislang erfüllte oder übertraf der neue Motor sämtliche Erwartungen in puncto Performance.

Wie wirkten sich die Reglementsänderungen auf die Motorenentwicklung aus?

Rob White: Die neuen Regeln wurden im Endeffekt zu spät verabschiedet, um unsere grundsätzliche Philosophie bei der Entwicklung beeinflussen zu können. Um entsprechend auf das neue Regelwerk zu reagieren, mussten wir jedes Bauteil und System eine gründlichen Prüfung unterziehen. Dabei stellten wir eine detaillierte Risikoanalyse der einzelnen Komponenten im Hinblick auf die Lebensdauer an. Die einzelnen Bauteile müssen heute vier Mal länger halten als noch vor zwei Jahren. Um die Anforderungen des neuen Reglements zu erfüllen, müssen wir extrem strenge Qualitätsanforderungen einhalten.

Werden die neuen Regeln zu einer Kosteneinsparung führen?

Rob White: Die unmittelbaren Einsatzkosten pro Auto werden sich in dieser Saison verringern. Wir werden weniger Motoren bauen. Obwohl die Kosten pro Triebwerk höher liegen werden, ergibt sich unter dem Strich eine Einsparung. Gleichzeitig hatten wir durch die notwendigen Neuentwicklungen diverse Mehrkosten, die die Einsparungen für die Hersteller relativieren. Vor allem die kleineren Teams werden aber durch die Änderungen spürbar kosten sparen.