"Natürlich habe ich auch darüber nachgedacht - denn ich habe über alles nachgedacht", sagte Kimi Räikkönen noch im Januar 2011 über das Thema Formel 1. "So richtig ernsthaft hatte ich es aber nie vor, denn im Moment muss ich sagen, dass ich die Formel 1 diese Saison wirklich überhaupt nicht vermisst habe." Vor 2010 wollte er sich noch selbst testen und sehen, ob er die Königsklasse vermissen würde, doch zu dieser Zeit war die Antwort noch eindeutig. "In der Tat war das einfach nicht der Fall."

Stattdessen galt seine komplette Konzentration - zunächst - der Rallye-WM. "Mein einziges wirkliches Ziel ist es, mich in der WRC zu verbessern", waren Räikkönens Worte, als er sich im Sommer entschied, einen kurzen Ausflug von der WRC in die NASCAR zu starten. "Das Fahren wird besser und wir pushen jetzt wirklich richtig hart." Zu diesem Zeitpunkt hatte noch jeder angenommen, der Finne möchte sich in der WRC ernsthaft verbessern und sieht im Rallye-Sport auch seine Zukunft. Nun aber die Rückkehr in die Formel 1 und das Ende der Waldfahrten.

Das Lehrjahr

Zwei Jahre mit Hochs und Tiefs in der Rallye-Weltmeisterschaft liegen hinter dem 32-Jährigen. Vor allem musste er viel Lehrgeld bezahlen. Doch darüber war der achtfache Weltmeister Sebastien Loeb sehr froh. "Vom Rallye-Gesichtspunkt her ist es gut, dass ein früherer Formel-1-Weltmeister nicht so einfach gewinnen kann", erklärte Loeb. Dabei unterschätzte der siebenfache Champion keinesfalls die Fähigkeiten von Räikkönen. "Kimi ist ein großartiger Fahrer und er kann jederzeit aufblitzen", sagte Loeb.

Kimi Räikkönens Citroen nach seinem Unfall im Shakedown 2010 in Spanien -, Foto: Sutton
Kimi Räikkönens Citroen nach seinem Unfall im Shakedown 2010 in Spanien -, Foto: Sutton

Räikkönen selbst betonte immer wieder, er sei noch in der Lernphase. "Ich habe nie gedacht, dass ich hierher komme und sofort vorne an der Spitze mitfahre", gab er ehrlich zu. Während die ersten Rallyes noch mäßig verliefen, sicherte sich der Iceman bereits bei seinem dritten Auftritt in Jordanien die ersten Punkte. Als Achter rauschte er durchs Ziel und setzte dem ganzen nur eine Rallye später mit dem fünften Platz in der Türkei noch die Krone auf - das beste Resultat, das er in der WRC je erzielen sollte.

Doch auch fahrerisch profitierte der Finne vom Wechsel in den weniger glamourösen Rallye-Sport. "Mit Sicherheit habe ich mich als Fahrer diese Saison verbessert", sagte der der 32-Jährige. "Rallye fahren ist für mich viel härter, als die Formel 1. Wenn man auf manchen der Straßen fahren kann, auf denen wir dieses Jahr gefahren sind - dann kann man wirklich überall fahren."

Der Anfang vom Ende

Wichtig war in seiner zweiten Saison in der WRC - bei der er eigentlich an zehn Läufen teilnehmen wollte - sich etwas kontrollierter zu verhalten. Denn 2010 war der Iceman oft schnell unterwegs, doch warf seinen Citroen an einen Baum, in den Straßengraben oder einen andern freien Platz. Das sollte sich 2011 ändern. Er fuhr zunächst kontrollierter, ruhiger und besonnener. Das zahlte sich aus, denn bis einschließlich der Rallye Deutschland endeten alle seine Einsätze in den Punkten.

In Jordanien raste Kimi Räikkönen auf den sechsten Platz -, Foto: Red Bull/GEPA
In Jordanien raste Kimi Räikkönen auf den sechsten Platz -, Foto: Red Bull/GEPA

Dann allerdings begann, was die einen als mangelndes Geld, die anderen als mangelnde Motivation auslegen. Sein eigentlich fest geplanter Start in Australien wurde abgesagt, da laut Räikkönen das nötige Budget fehlte. Mit enormen Konsequenzen. Denn, um in der Teamwertung aufgeführt zu werden, hätte der Finne mit seinem Ice-1-Racing-Team an mindestens sieben Rallyes, wovon zwei außerhalb Europas stattfinden, teilnehmen müssen. Dies war mit seiner Absage für Australien nicht mehr der Fall und so wurden seinem Privatteam alle Punkte und Gelder gestrichen.

Der Wendepunkt

Dies könnte der endgültige Knick seiner WRC-Laufbahn gewesen sein, denn seit Deutschland kamen keine Punkte mehr auf sein Fahrerkonto. In Frankreich beschädigte er seinen DS3 WRC leicht, als er mit Henning Solberg kollidierte und gab einfach auf. "Es ist vorbei. Kimi ist bereits auf dem Weg nach Hause", erklärte Teammanager Bernoit Nogier. "Der Schaden war nicht so schlimm, aber er wollte nicht mehr antreten, das ist enttäuschend. Mehr gibt es nicht zu sagen."

Wie bereits in Frankreich, verlief auch die nächste Rallye in Spanien. Mit einem technischen Defekt blieb er mitten auf der Strecke stehen und während sein Co-Pilot Kaj Lindström über dem Motorraum hing und versuchte, den Schaden zu reparieren, saß Räikkönen auf einem Fels und überlegte. Das Ende des Liedes: Er fuhr auch diese Rallye nicht zu Ende, obwohl das Auto zu reparieren gewesen wäre. Als Grund gab er die fehlende Möglichkeit einer Top-Platzierung an. Auch seine - wie nun bekannt ist - letzte WM-Rallye in Großbritannien endete auf diesem Weg.

Da nun offiziell ist, dass er ab 2012 wieder in der Formel 1 Gas geben wird, kann nur spekuliert werden, ob er zu diesem Zeitpunkt nicht schon geistig mit der WRC abgeschlossen hatte. Ungeachtet der letzten Auftritte, bescherte der 'kalte Finne' der WRC schöne und interessante Momente, auf die Fans und Medien gerne zurückblicken. Am Ende stehen zweimal der zehnte Platz in der Fahrer-WM, 59 Punkte und eine Bestzeit bei der Rallye Deutschland 2010.