Für einige Sekunden herrschte Alarmstufe Rot am McLaren-Kommandostand. Lewis Hamilton schoss auf regennasser Fahrbahn geradeaus ins Kiesbett und streichelte am Reifenstapel entlang. "Lewis war heute wohl der glücklichste Mann in Belgien", kommentierte Red-Bull-Teamchef Christian Horner den Abflug des Rennsiegers.
Hamiltons Chef Martin Whitmarsh spielte die Situation herunter: "Lewis hat fantastische Arbeit abgeliefert. Er hat das Rennen gewonnen, weil er der Schnellste da draußen war." Kurz vor seinem Abflug sei er alleine gegen sich selbst gefahren. "Er hatte eine Schrecksekunde, aber auch einen Vorsprung und gab die Führung nicht ab."
McLaren am flexibelsten
Auch für die Überlegenheit der McLaren hatte Horner einen kleinen Seitenhieb in Richtung Whitmarsh parat. "Wir sind die gleichen Flügel wie in Ungarn gefahren", spielte er auf die Flexi-Wing-Diskussion an. "Vielleicht war der silberne Flügel an diesem Wochenende der flexibelste."
Jener am Auto von Jenson Button war es definitiv nicht, denn dieser wurde im Startgetümmel beschädigt. "Jenson hatte sehr viel Pech", sagte Whitmarsh. "Er hätte Punkte holen müssen." Ein Nasenwechsel wegen des Schadens kam für McLaren nicht in Frage, da Button dadurch mehr Zeit und Plätze verloren hätte. Auch so hielt er sich vor Sebastian Vettel auf Platz - bis zu Runde 16.
Vettel macht zu viele Fehler
"Das war ein Fehler aus einer Nachwuchsserie", beschwerte sich Whitmarsh. "Sebastian ist ein netter Kerl, aber er suchte eine Innenlinie, die nicht da war, bremste, verlor das Auto und schoss Jenson ab." Es sei ähnlich wie bei der Kollision mit Mark Webber in Istanbul gewesen. "Sebastian macht ein paar Fehler zu viel. Er ist zweifelsohne schnell, allerdings ist er auch noch jung und lernt noch. Am besten sollte er aber lernen, indem er andere Autos trifft und nicht unsere."
Die WM-Chancen der Titelkandidaten sieht Whitmarsh trotz der Nullrunden von Button und Vettel noch als intakt an. "Mathematisch ist Mark Webber am nächsten", rechnet er vor. "Er ist ein starker Fahrer, fährt gut und muss als Hauptgegner angesehen werden, aber es sind noch viele Fahrer dabei." McLaren wolle sich deshalb bei jedem Rennen weiter verbessern. "Ich bin mir sicher, dass auch Red Bull nicht still stehen wird. Es ist eine harte WM."
Das nächste Rennen findet laut Christian Horner wieder auf McLaren-Terrain statt - in Monza. "Das wird unser schwierigstes Rennen", sagt Horner voraus. "Wenigstens einmal hoffe ich, dass Christian recht hat", kontert Whitmarsh.



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