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DTM - Neues Start-Prozedere: Das kommt 2019 auf die Fahrer zu

Exklusiv: Die DTM-Fahrer werden in der Saison 2019 bei den Starts wesentlich stärker gefordert als bisher. Das könnte zu heißen Situationen führen.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die Startphasen könnten in der DTM-Saison 2019 zu einer ganz heiklen Angelegenheit werden. Wie Motorsport-Magazin.com erfahren hat, können die Rennwagen nicht mehr wie bisher vorgespannt werden. Stattdessen müssen die Fahrer wieder selbst Hand beziehungsweise Fuß anlegen. Das dürfte nach den Erkenntnissen von den bisherigen Testfahrten zu einigen Unterschieden bei den Starts führen.

Viele Jahre lang wurden die DTM-Fahrer beim Startprozedere durch elektronische Hilfen unterstützt. Ein Brake-Knopf am Lenkrad sowie ein Bremsventil-Kippschalter in der Mittelkonsole halfen den Piloten, einen möglichst optimalen Start zu erwischen und keine Probleme mit der Kupplung zu riskieren. Doch damit ist unter dem neuen Class-1-Reglement ab 2019 Feierabend.

Um den Fahrern noch mehr Eigenverantwortung zu übertragen, fallen die Starthilfen bei den neuen Turbo-Autos weg. Ebenso die bis zu 60 Leuchtdioden, die die Hersteller in der Vergangenheit frei im Cockpit platzieren durften, um Informationen zu übertragen, etwa die optische Anzeige des optimalen Schleifpunktes der Kupplung.

Verzögerungen beim Start

Der Wegfall all dieser Hilfen könnte dazu führen, dass die Fahrer nach dem Erlöschen der Startampel eine ganze Weile länger benötigen, bis sie losfahren können. Denn: Ab sofort müssen sie sich nicht mehr nur auf die Ampelanzeigen konzentrieren, sondern erst im Anschluss eigenständig den Schleifpunkt der Kupplung finden.

Das kann unter Umständen einiges an Zeit kosten und bringt obendrein ein zusätzliches Risiko mit sich. Eine gute Reaktionszeit kann sich nun noch stärker auswirken. Erst, wenn der Fahrer die Startfreigabe per Ampel registriert hat, kann er damit beginnen, die 'Kupplung kommen zu lassen', also wie im Straßenverkehr. Bis der optimale Schleifpunkt gefunden ist, vergeht weitere Zeit.

DTM 2019: Audis neuer Turbo-Motor in Action: (05:10 Min.)

Wie Omas an der Ampel

"Das könnte so aussehen, als wären wir alle Omas und reagieren total langsam auf die Ampel", sagt Audi-Pilot Nico Müller zu Motorsport-Magazin.com. "Das Starten mit dem neuen Auto wird echt schwierig. Du kannst den Schleifpunkt auch nicht mit einer zackigen Bewegung finden. Wenn du die Kupplung zu früh kommen lässt, würgst du den Motor ab, oder die Räder drehen durch wie Hölle."

Beim neuen Startablauf spielen nicht nur die Reaktionszeit und ein sensibler Kupplungsfuß wichtige Rollen, sondern auch der Zustand der Kupplung sowie äußere Bedingungen. Eine arg beanspruchte Rennkupplung reagiert anders als eine wenig genutzte, hinzu kommen die unterschiedlichen Temperaturen.

Qualmende Kupplungen am Lausitzring

Bei den anstehenden ITR-Testfahrten auf dem Lausitzring (15.-18. April) dürfte der Ausgang der Boxengasse ein sehr beliebter Sammelplatz werden. Hier können die Fahrer das völlig veränderte Startprozedere noch einige Male üben, bevor es beim Saisonauftakt in Hockenheim erstmals ernst wird.

Bei den bisherigen Testfahrten standen Startübungen nach Informationen von Motorsport-Magazin.com eher im Hintergrund. Andere Abläufe und Testprogramme genossen Priorität bei den drei Herstellern Audi, BMW sowie Neueinsteiger R-Motorsport mit Aston Martin.

Neue Autos und neue Herausforderungen für die DTM-Fahrer 2019 - Foto: BMW AG

So lief der Start bisher ab

Bis einschließlich der vergangenen Saison halfen elektronische Hilfen den Fahrern beim Start kräftig unter die Arme. Der frühere Vorgang im Schnelldurchlauf: Bremse durchtreten, Brake-Knopf am Lenkrad drücken und halten, Kupplung drücken, Bremsventil-Kippschalter betätigen, Fuß vom Bremspedal nehmen, Gaspedal treten, optimalen Schleifpunkt suchen, Ampel geht aus, Brake-Knopf loslassen - und los geht's.

Die Möglichkeit, das Bremsventil mittels Kippschalter vorab zu sperren und dadurch den jeweiligen Bremsdruck im Auto zu konservieren, besteht nun nicht mehr. Heißt: Wenn ein Fahrer während des Gasgebens vor dem Start zu früh die Kupplung kommen lässt, fährt das Auto automatisch los - der Frühstart ist perfekt. Rennfahrer lernen schnell, doch zumindest beim Saisonauftakt in Hockenheim könnte es bei den Starts zu einigen (bösen) Überraschungen kommen.


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