DTM

Teamorder-Vorwurf in Spielberg: Das sagt DTM-Boss Berger

Der geschenkte Sieg für Rene Rast in Österreich sorgt für heftige Diskussionen. Gerhard Berger schaltet sich ein: Der DTM-Chef kann beide Seiten verstehen.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Rene Rasts geschenkter Sieg beim Samstags-Rennen der DTM in Spielberg sorgte bei einigen Fans für Ärger. Die Protagonisten sowohl von Audi als auch Mercedes zeigten angesichts der Meisterschaftskonstellation kurz vor dem Saisonende mehr Verständnis. Rast selbst bedankte sich bei seinen Audi-Kollegen Mike Rockenfeller und Nico Müller und meinte ohne Umschweife, dass er nicht gern einen Sieg geschenkt bekomme.

DTM-Boss Gerhard Berger kann beide Seiten der Medaille verstehen. Auf der einen Seite konnte er das Vorgehen der Audi-Piloten drei Rennen vor dem Ende der Saison 2018 nachvollziehen. Auf der anderen Seite zeigte Berger auch Verständnis für den Unmut einiger Fans, die vor allem in den sozialen Medien ihrem Ärger freien Lauf ließen.

"Jeder weiß, dass ich ein großer Freund von freiem Racing mit offenem Visier bin", sagte Berger in einem Statement, das auch Motorsport-Magazin.com vorliegt. "Allerdings kann ich nachvollziehen, wenn ein Fahrer, der selbst keine Chance mehr auf den Meistertitel hat, einem Teamkollegen mit Titelchancen in der entscheidenden Phase der Saison hilft."

Dabei stellte der frühere Formel-1-Fahrer korrekt fest, dass eine Stallorder vom Kommandostand während des Rennens nicht einmal nötig gewesen sei - schließlich ist das aufgrund des in der DTM herrschenden Funkverbots ohnehin nicht erlaubt. Die Fahrer können zwar ans Team funken, bekommen aber keine Antwort oder mögliche Instruktionen.

Berger weiter: "Dennoch: Ich kann jeden Fan gut verstehen, dem die letzte Runde heute nicht gefallen hat. Im Grunde meines Herzens fühle ich mich auch nicht wohl damit." Berger hatte seit seinem Dienstantritt nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er ein großer Anhänger echter Kämpfe auf der Rennstrecke ist.

Berger, dem Racer alter Schule, sind Begriffe wie Stallorder, in der DTM aufgrund der Konstellation von sechs Autos pro Hersteller keine Seltenheit, zuwider. Teamorder ist seit einigen Jahren in der DTM und auch vielen anderen Serien laut Reglement zwar erlaubt - bleibt aber immer ein Dorn im Auge vieler Fans und Zuschauer.

Redaktionskommentar

Motorsport-Magazin.com meint: Gerhard Berger trifft den Nagel wieder einmal auf den Punkt. Kurz vor Saisonende ist es absolut verständlich, wenn die Fahrer bzw. Hersteller nur noch auf den Stand in der Meisterschaft schauen. Alles andere wäre grob fahrlässig und käme in den Vorständen entsprechend an. Auf der anderen Seite sieht es einfach blöd aus, wenn Fahrer zum Sieg vorbeigewinkt werden. Hier muss man aber mal ganz klar sagen: Hätte Rast den Sieg in der ersten Saisonhälfte geschenkt bekommen, wäre ein Shitstorm absolut berechtigt gewesen. Wir sprechen hier aber vom drittletzten Rennen des Jahres, ein extrem wichtiger Titel steht auf dem Spiel. Da können sich die Fans zwar beschweren, sollten gleichzeitig aber auch Verständnis zeigen. (Robert Seiwert)


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