Viele Langstrecken-Wettbewerbe werden heutzutage als Klassiker bezeichnet, doch die 24 Stunden von Spa-Francorchamps sind einer der wenigen Originale. 1924 zum ersten Mal ausgetragen, ist der Schlager im Rheinischen Schiefergebirge nur ein Jahr jünger als Le Mans. Damals wurde noch auf der über 14 Kilometer langen Streckenvariante gefahren.
Für lange Zeit war das Spektakel Tourenwagen vorbehalten, später wurden auch Sportwagen zugelassen. Mit dem Jahr 2001 wurde das 24-Stunden-Rennen in Belgien schließlich Teil der FIA-GT-Meisterschaft, eine frühere Ausgabe der heutigen GT World Challenge. Seitdem sind nur noch GT-Wägen startberechtigt. Heutzutage sind die 24 Stunden von Spa-Francorchamps das größte GT-Rennen der Welt.
2020 fand das Rennen wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie erst im Oktober statt. Ursprünglich sollte das Rennen 25 Stunden dauern, weil es am Sonntag der Zeitumstellung stattfand. Davon sahen die Veranstalter letztlich doch ab, da keine Zuschauer an der Strecke erlaubt waren.
Das Layout des Circuit de Spa-Francorchamps

Durch sein einzigartiges Layout ist der Circuit de Spa-Francorchamps selbst für die besten Piloten der Welt eine fahrerische Herausforderung. Einige Kurven wie Eau-Rouges, Les Combes, Pouhon, La Source und Blanchimont sind weltbekannt und anspruchsvoll. Ein kleiner Fehler kann schnell zum vorzeitigen Ausfall führen.
Die Auslaufzonen sind über die Jahre zwar größer geworden, doch so groß wie auf anderen modernen Stecken sind sie nicht. Gerade in den schnellen Passagen stehen die Reifenstapel zum Teil sehr nah an der Strecke. Insgesamt gibt es neun Rechts- und zehn Linkskurven, der Kurs ist 7,004 Kilometer lang.
Highspeed-Run durch Eau Rouge in Sektor 1
Die Haarnadel von La Source eröffnet die Runde. Im Qualifying kann sie bereits über Zehntelsekunden entscheiden, denn wer den Scheitelpunkt nicht trifft und schlecht aus der Kurve heraus beschleunigt, wird auf dem darauffolgenden Vollgas-Stück durch Eau Rouge und über die lange Kemmel-Gerade gnadenlos bestraft.


Am Ende von Kemmel erwartet die Piloten die Rechts-Links-Rechts-Kombination Les Combes. Auch hier muss mit Köpfchen gefahren werden, denn wer es am Eingang zu hitzig angeht, bringt sich für die darauffolgende Rechtskurve Malmedy in eine schlechte Position und verliert in der gesamten Passage Zeit.
Darauf folgt eine kurze Gerade, bevor hart in die Bergab-Rechtskurve Bruxelles hineingebremst wird. Am Ausgang dieser Kurve müssen sich die Piloten sogleich für die darauffolgende Linkskurve in Position bringen. Als es an dieser Stelle noch keine asphaltierte Auslaufzone gab, flogen dort regelmäßig Piloten rücklings in die Reifenstapel, nachdem sie beim Einlenken das Heck verloren hatten.
Es schließt sich ein weiterer Highspeed-Abschnitt an. Auf dem Bergab-Stück zur Doppellinks Pouhon erreichen die Piloten hohe Geschwindigkeiten. Die Kurven werden fast mit Vollgas durchfahren. Nach einem kurzen Geradeausstück erreichen die Piloten die schnelle Rechts-Links-Passage Campus. Der Kurvenausgang lädt dazu ein, die volle Streckenbreite auszunutzen. Doch wer es hier übertreibt, landet meist in der Streckenbegrenzung.

Entscheidung im letzten Sektor
Die darauffolgenden Stavelot-Rechtskurven sind vor allem unter nassen Bedingungen eine echte Herausforderung. Auf einer schnellen Runde können sie ähnlich wie La Source entscheidend sein, denn wer hier nicht die perfekte Ausgangsgeschwindigkeit mitnimmt, verliert auf dem Bergauf-Run durch Blanchimont in Richtung Bus-Stop viel Zeit. Die ehemalige Mutkurve Blanchimont kann seit Jahren mit Vollgas durchfahren werden.
Die seit den frühen 2000er Jahren mehrfach umgebaute Bus-Stop ist der mit Abstand härteste Anbremspunkt auf der Runde und damit auch die beste Überholmöglichkeit. Haben die Fahrer die Rechts-Links-Kombination passiert, befinden sie sich bereits auf der vegleichsweise kurzen Start-Ziel-Geraden.

