Aufgrund der Sperre von Teamkollege Marco Bezzecchi war Jorge Martin plötzlich in der kuriosen Lage trotz zweier Longlaps in der Meisterschaft aufholen zu können. Den Schaden der Strafen minimierte er perfekt und mit cleverer Vorgehensweise, aber am Ende stand in Brünn dennoch 'nur' Rang neun zu Buche. Es zeigte auf, dass beim MotoGP-Weltmeister von 2024 eben nicht nur Strafen das Problem sind.
Verwirrung um Longlaps von Jorge Martin: Darum absolvierte er MotoGP-Strafen korrekt
Auf die Longlaps, die aus dem Verursachen des Startcrashs in Ungarn resultieren, hatte sich der Aprilia-Pilot schon in den Trainings intensiv vorbereitet und sich informiert. Doch bei der Ausführung im Rennen gab es dann etwas Verwirrung, ob eine weite Ausfahrt aus der Longlap auf die grüne Fläche als korrektes Absitzen gilt. Der Spanier selbst klärte auf: "Natürlich wollte ich auf das Grün rausfahren, denn das war auch die sicherste Art und Weise, um wieder auf die Strecke zu fahren, ohne in eine riskante Situation zu gelangen. Als ich am Freitag reinfuhr, da sagte mir Simon [Crafar, der Chefsteward, Anm. d. Red.], dass ich das darf. Dann haben ein paar Teams dagegen argumentiert. Nach diesen Diskussionen galt es dann als Track-Limit-Verstoß."
Also keine inkorrekt absolvierte Longlap, aber eben ein Verlassen der Strecke. Dafür gibt es nach drei Verstößen ebenfalls eine Longlap. Dieses Risiko wollte der 'Martinator' aber eingehen: "Ich wusste also, dass mir das zwei Track-Limits einbringen würde, aber auf diesem Kurs gehe ich an anderen Stellen nicht raus aus der Strecke. Es stellte also kein Problem für mich dar und war daher absolut die richtige Herangehensweise, auf das Grün herauszufahren. Die Longlaps verliefen sehr gut und ich habe wirklich nicht allzu viel verloren."
Fahrt aufs Grün bringt Zeit? Jorge Martin: Es war viel sicherer!
Letztlich hielt sich der Schaden tatsächlich sehr in Grenzen, insgesamt wohl weniger als vier Sekunden gingen verloren. Außerdem hielt er sich sonst schadlos in Sachen Track-Limits und bekam daher keine weitere Strafe. Da kam aber die Frage auf, ob er mit dem Rausfahren nicht auch mehr Schwung nahm? Für Martin galt ein ganz anderes Argument: "Das hat vielleicht ein Zehntel ausgemacht, weil du auch eine längere Distanz fährst. Aber es ist viel sicherer. Wenn du innen bleibst und ein anderer Fahrer kommt daher, den du nicht sehen kannst, dann gibt es vielleicht eine Kollision."
Tatsächlich bewies Moto2-Sieger Ivan Ortola zuvor zugleich, wie gering der Zeitverlust der Longlap in Brünn ist und wie gefährlich diese Ausfahrt sein kann. Bevor er zum Sieg stürmte, wäre er beinahe mit Izan Guevara kollidiert. Martin hatte sich also trotz Track-Limit-Gefahr für die risikoärmere Variante entschieden.
Fehlende Pace macht Jorge Martin Sorgen: Kein Basis-Setup vorhanden!
Der minimierte Schaden der Longlaps blieb aber der einzige Lichtblick des Tages. Der WM-Zweite lag danach auf Rang 13 und hatte einige Fahrer direkt vor sich, doch die ganz große Aufholjagd blieb aus. Durch ein paar Manöver wurde es noch Rang neun, aber auch nur dank eines Defekts bei Pedro Acosta in der letzten Runde. Besonders viele Punkte waren das also nicht. Die Pace fehlte dazu einfach, das stellte Martin bereits am Freitag fest. Bis zum Sonntag hatte sich daran zu wenig geändert: "Ich fühle mich momentan weit weg von den Ducatis oder dem Sieg. Ich habe keinerlei Vertrauen in die Front. Ich fühle mich immer kurz vorm Sturz. Wir haben den Faden verloren und ich weiß nicht, warum."

Eine Grundlage für Vertrauen gibt es auf technischer Seite nicht. "Ich habe immer noch kein Basis-Setup. Es gibt ein paar Orte wie in Le Mans, wo ich mit einem Setup durchgefahren bin, aber das funktioniert nicht auf anderen Strecken. Es ist wirklich schade, dass ich das immer noch nicht gefunden habe. Ich würde liebend gerne einen Test fahren, aber es gibt keinen. Also werde ich ein paar Freitage der Saison als Test verwenden müssen, um andere Dinge auszuprobieren und das Gefühl für die Front wiederzufinden. Sobald ich das zurückerlange, glaube ich wieder um die Spitze zu kämpfen", gibt der 28-Jährige an. Immerhin kommt schon am nächsten Wochenende ein Kurs, der Besserung verspricht: "Ich hoffe Assen ist ein gutes Pflaster für uns. Es ist flüssiger und das dürfte sowohl der Aprilia als auch meinem Fahrstil helfen. Aber wir müssen uns sicher verbessern."
Während Jorge Martin mit seiner Pace und dem Setup hadert, hat Teamkollege Marco Bezzecchi ganz andere Probleme. Zumindest hat er sich nun für sein indiskutables Verhalten entschuldigt:



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