Als Marco Bezzecchi in der vorletzten Runde des MotoGP-Sprints von Brünn im Kies landete, schien sein Tag nicht mehr schlimmer werden zu können. Doch tatsächlich nahm das Unheil für Bezzecchi mit diesem Moment erst seinen Lauf. Ein Marshal verhielt sich bei der Bergung der Aprilia ungeschickt, drehte den noch laufenden Motor in hohe Drehzahlbereiche. Bezzecchi, der einige Meter von seinem Motorrad entfernt zu liegen gekommen war, stürmte in Richtung des Marshals und schubste ihn weg von seinem Bike. Damit aber nicht genug: Bezzecchi schlug dem Freiwilligen anschließend sogar noch mit der Hand ins Gesicht.
Marco Bezzecchi nach Schlag gegen Marshal gesperrt: Aprilia legt Protest ein
Die MotoGP-Stewards rund um Simon Crafar prüften die Szene und kamen am Samstagabend zur Erkenntnis, dass Bezzecchi eine "Handlung, die den Interessen der Veranstaltung oder des Sports schadet" begangen hat. Die Folge: Der Ausschluss vom Grand Prix in Brünn. Eine mächtige Strafe für den WM-Leader, welche sein Arbeitgeber Aprilia nicht einfach so akzeptieren wollte.
Aprilia legte in Person von Team-Manager Paolo Bonora am Samstagabend Berufung gegen das Urteil der Stewards ein. Somit wurde der Fall dem Protokoll entsprechend an die FIM Appeal Stewards weitergeleitet. Hierbei handelt es sich um ein anderes Gremium, das in diesem Fall aus Ralph Bohnhorst und Ales Holan besteht. Die beiden Herren baten Aprilia-Team-Manager Bonora und Racing-CEO Massimo Rivola sowie die Stewards Simon Crafar, Andres Somolinos und Tamara Matko zur gut halbstündigen Anhörung. Das Ergebnis: Eine Bestätigung des ursprünglichen Urteils. Die Sperre bleibt somit bestehen. Die Appeal-Stewards erklären ihre Entscheidung wie folgt:
Die Ablehnung des Aprilia-Protests der MotoGP-Appeal-Stewards im Wortlaut
"Die Appeal-Stewards erkennen an, dass Fahrer, die in einen Unfall verwickelt sind, unmittelbar nach einem Vorfall Frustration, Enttäuschung und starke Emotionen empfinden können. Solche Umstände können jedoch körperliche Aggression gegenüber Streckenpersonal, das seine offiziellen Aufgaben ausübt, weder rechtfertigen noch entschuldigen. Streckenposten und andere Sicherheitsverantwortliche sind von grundlegender Bedeutung für die sichere Durchführung des Motorradsports. Sie arbeiten in gefährlichen Umgebungen und begeben sich oft in unmittelbare Nähe zu fahrenden Motorrädern und anderen Risiken, um die Fahrer zu schützen und die sichere Fortsetzung der Veranstaltung zu gewährleisten. Der Sport ist darauf angewiesen, dass diese Offiziellen ihre Aufgaben ohne Angst vor Einschüchterung, Beschimpfungen oder körperlichen Übergriffen erfüllen können."
Die Appeal-Stewards halten es für besonders bedeutsam, dass die betroffenen Personen Marshals waren, die nach einem Unfall aktiv mit der Bergung des Motorrads des Fahrers beschäftigt waren. Diese Personen handelten ausschließlich im Interesse der Sicherheit des Fahrers, der Veranstaltung sowie des ordnungsgemäßen Ablaufs des Wettbewerbs. Körperliche Aggressionen gegenüber Marshals sind im professionellen Motorsport vollkommen inakzeptabel und können unabhängig von den Umständen, die zu dem Vorfall geführt haben, nicht toleriert werden.
Ein unangemessenes oder ausbleibendes Einschreiten gegen ein solches Verhalten würde das falsche Signal an die Teilnehmer der gesamten Meisterschaft senden und wäre unvereinbar mit der Verpflichtung des zuständigen Verbandes, Offizielle, Freiwillige und Mitarbeiter zu schützen, die zum Sport beitragen.
Unter Berücksichtigung der Schwere des Verhaltens, der Tatsache, dass die betroffenen Personen als Sicherheitsverantwortliche an der Rennstrecke tätig waren, der Notwendigkeit, angemessene Verhaltensstandards aufrechtzuerhalten, sowie der Erforderlichkeit sowohl einer individuellen als auch einer allgemeinen Abschreckungswirkung sind die Appeal-Stewards überzeugt, dass das Stewards-Gremium zu Recht zu dem Schluss gekommen ist, dass die Handlungen des Fahrers eine Handlung darstellten, die den Interessen des Sports abträglich ist.
Die Berufungs-Stewards kommen ferner zu dem Ergebnis, dass die verhängte Strafe in einem angemessenen Verhältnis zur Schwere des Verstoßes steht und sich innerhalb des vertretbaren Strafrahmens bewegt, der dem Stewards-Gremium zur Verfügung stand. Daher wird die Berufung zurückgewiesen und die ursprüngliche Entscheidung in vollem Umfang bestätigt."
Kurz vor Start des Warm Ups am Sonntagmorgen meldete sich dann auch Bezzecchi erstmals öffentlich zu Wort. Auf seinem Instagram-Account schrieb er: "Ich möchte mich bei der gesamten MotoGP-Community für mein Verhalten gegenüber des Marshals an der Strecke entschuldigen. Es tut mir besonders leid, weil ich weiß, wie viel Aufwand die Marshals betreiben und opfern, um unsere Sicherheit zu gewährleisten. Dieses Verhalten sollte nicht passieren und es gibt keine Rechtfertigung dafür. Ich entschuldige mich bei allen, Aprilia Racing und all meinen Fans." TV-Kameras zeigten ihn während dem Warm Up auch dabei, wie er sich zur Unfallstelle in Kurve drei begab und den geschlagenen Marshal aufsuchte, um sich persönlich bei ihm zu entschuldigen.
Durch das bestätigte Urteil verbleibt Pole-Mann Ai Ogura die einzig realistische Siegchance für Aprilia in Tschechien. Am Samstag im Sprint wurde er aber durch Ducatis-Reifentaktik geschlagen. Mehr dazu hier:



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