Fast drei Zehntelsekunden drückte Ai Ogura seinen ersten Verfolgern im MotoGP-Qualifying zum Tschechien-Grand-Prix auf. Eine echte Ansage des Trackhouse-Piloten, der aufgrund seiner ohnehin immer sehr starken Rennpace damit zum klaren Favoriten auf den Sieg aufstieg. Tatsächlich konnte der Japaner Francesco Bagnaia im Sprint dann aber zu keiner Zeit ernsthaft unter Druck setzen. Wie war das möglich? Es scheint, als hätte Ducati schlicht auf das richtige Pferd gesetzt.
Ducati-Piloten pokern korrekt: Soft-Hinterreifen als Gamechanger im Sprint
Was damit gemeint ist? Ganz einfach: Im Sprint ist ob der kurzen Renndistanz für gewöhnlich der Soft-Hinterreifen von Michelin die einzig logische Wahl. Am Samstag entschied sich aber die große Mehrheit des Feldes für einen Start auf der Medium-Rear-Variante. Weil Brünn mit 33 Grad Außen- und 49 Grad Asphalttemperatur zu einem Glutofen verkommen war, vermeintlich auch eine gute Entscheidung. Innerhalb der Top-10 entschieden sich aber drei Piloten dennoch für den Soft am Heck: Diogo Moreira, der allerdings schon in Runde eins stürzte, und die beiden Ducati-Werkspiloten Bagnaia und Marc Marquez.
"Gestern hatte ich nicht gedacht, dass ich heute gewinnen könnte", gab Bagnaia in seiner Medienrunde offen zu. Der erste Sprintsieg seit Sepang im Herbst 2025 wurde aber dennoch Realität, und das hatte diesen einen spezifischen Grund. "Die Entscheidung, mit dem Softreifen zu fahren, hat mir heute geholfen", machte die Startnummer 63 unmissverständlich klar. "Ich wusste, dass die ersten drei Runden entscheidend werden würden. Ich habe deshalb bis zum Maximum gepusht und danach nur noch meinen Vorsprung kontrolliert. Ich wusste, dass eine Sekunde Vorsprung genug sein würde. Die Strategie hat super funktioniert."
Dem stimmte auch Stallgefährte Marquez zu. Der Spanier hatte sich vergangene Woche in Ungarn noch der Empfehlung Ducatis widersetzt und war mit dem Medium-Hinterreifen ins Hauptrennen am Sonntag gestartet. Anschließend scherzte er, dass er trotz dieser rückblickend "falschen Reifenwahl" dann auch gewinnen musste, denn anderenfalls hätte ihn Ducati-Teamchef Gigi Dall'Igna in Tausend Teile zerrupft. Weil er ein solches Risiko wohl kein zweites Mal in Folge eingehen wollte, hörte er diesmal auf seine Ingenieure und dankte ihnen anschließend.

"Ducati hat mir dazu geraten, den Soft zu nehmen. Sie haben gesagt, dass er mir mehr Performance bringen würde [als der Medium, Anm.], also haben wir ihn genommen und am Ende war das die richtige Entscheidung", kommentierte er und meinte abschließend noch: "Ogura war nur vor mir, weil er dieses Wochenende einfach schneller ist als ich. Nicht, weil er den besseren Reifen gewählt hat."
Knapp hinter Marquez auf Platz vier war derweil Fabio Di Giannantonio ins Ziel gekommen, der sich für den Medium entschieden hatte. Eine Entscheidung, die er rückblickend bereute. "Ich habe einen Fehler begangen, ich habe den falschen Reifen gewählt", gestand er und beschrieb daraufhin, warum der Soft am Samstag die bessere Wahl gewesen wäre: "Ich hatte das Gefühl, dass ich schneller in den Kurven als Marc [Marquez] war, aber ich hatte einfach nicht die nötige Traktion, um ihn anzugreifen. Ich pushte und wollte abwarten, ob ihr Soft-Reifen zum Rennende hin noch abbauen würde. Aber das geschah nicht. Ich nehme das auf meine Kappe. Da müssen wir als Team bessere Arbeit leisten."
Nur Ai Ogura widerspricht: Medium für Aprilia die korrekte Wahl
Einzig Polesitter Ogura ließ die Reifenwahl am Samstagabend nicht als Ausrede gelten. "Ich denke, dass der Medium für uns schon die richtige Wahl war", gab er an. Stattdessen sei seine Mission 'erster MotoGP-Sprintsieg' an anderen Faktoren gescheitert: "Mein Start im Sprint war okay, aber nicht so gut wie in den Practice-Sessions. Das war mein schwächster dieses Wochenende. Zudem war das Gefühl für die Front nicht wie erwartet. Das lag schlicht an den Bedingungen, denn ich habe das Motorrad [seit dem Qualifying, Anm.] kaum angefasst. Ich konnte dann nur noch auf einen Fehler von Pecco warten, aber er hat eben keinen gemacht."
Für Marco Bezzecchi gilt das nicht, der WM-Leader patzte am Samstag sehr wohl - und zwar zum wiederholten Mal. Anschließend gab er offen zu, dass ihm seine Sprintmisere so langsam zu schaffen macht. Hier gibt's alle Infos dazu:



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