Der MotoGP-Sprint in Brünn bot nur wenig Unterhaltung. Zuschauer bekamen kaum Überholmanöver zu sehen, weil Mann und Maschine am Samstagnachmittag am absoluten Leistungslimit operierten. 33 Grad Außen- und 49 Grad Asphalttemperatur verwandelten das Automotodrom pünktlich zum Sprintstart um 15 Uhr Ortszeit in einen wahren Glutofen. Grenzwertige Bedingungen für ein Rennen, oder vielleicht sogar schon über dem Limit? Diese Frage kam am Samstagabend im MotoGP-Paddock auf, und das Fazit war eindeutig.
Marc Marquez schäumt: Beim MotoGP-Sprintpodium war's viel zu heiß!
"Ich mag diesen Zeitplan nicht", ärgerte sich etwa Marc Marquez. Der Ducati-Superstar war als Dritter auf das Podium gefahren und hatte - auch aufgrund des abermaligen Patzers von WM-Leader Marco Bezzecchi - eigentlich allen Grund zur Freude. Dass er nach dem Sprint aber noch minutenlang der gnadenlos bregelnden Sonne ausgesetzt war, passte ihm überhaupt nicht.

"Ich versuche das gesamte Wochenende über, meine Energie bestmöglich zu sparen", gab er mit Blick auf seinen Fitnesszustand an, der nach der erneuten Schulteroperation vor einigen Wochen noch nicht wieder bei 100 Prozent liegt. "Dann bist da in diesem Sprint mit 55 Grad am Asphalt und 35 Grad in der Luft, musst noch 25 Minuten warten und schwitzt ohne Ende … das mag ich nicht. Ich hasse dieses Podium sogar", fand der amtierende Weltmeister anschließend noch sehr deutliche Worte.
Zuspruch gab es am Samstagabend von einem langjährigen Weggefährten: LCR-Ersatzmann Cal Crutchlow. "Es war heute verdammt heiß. So heiß", meinte der sichtlich ausgelaugte Vertreter von Johann Zarco und fügte an: "All dieses Warten. Du kommst ins Grid. Dann versuchst du gleich wieder, irgendwie vom Grid wegzukommen, weil es einfach zu warm ist. Ich meine, es war heute wirklich unglaublich heiß. Das war eines der heißesten Rennen, das ich je gefahren bin. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie da 20 Runden gewesen wären."
MotoGP-Pilot Cal Crutchlow sicher: Es braucht ein Hitzeprotokoll!
Die Worte des 40-Jährigen aus Coventry wollen etwas heißen, denn im Verlauf seiner MotoGP-Karriere absolvierte er bislang schließlich 181 Grands Prix und dann kommen da noch weit über 100 weitere Rennen in Superbike-WM, Supersport-WM, BSB und BSS hinzu. Crutchlow weiß also, wovon er redet. Und folglich sollte auch seiner anschließenden Botschaft Gehör verschafft werden: "Meiner Meinung nach müssen sie [die Verantwortlichen der MotoGP, Anm.] über diese Situation nachdenken. In anderen Sportarten haben sie Hitzeprotokolle und Ähnliches."

Tatsächlich werden die Sportler in anderen Sportarten schon längst vor extremen Wetterbedingungen geschützt. In der Formel 1 wurden zur Saison 2025 beispielsweise verpflichtende Klimaanlagen in den Autos installiert, die im letzten Herbst in Singapur auch erstmals verpflichtend zum Einsatz kamen. Im Tennis werden Matches zeitweise unterbrochen, Spielpläne angepasst oder zusätzliche Pausen gewährt, wenn bestimmte Temperatur- und Feuchtigkeitswerte überschritten werden. Im Fußball gibt es pro Halbzeit eine zusätzliche Trinkpause, im Radsport zusätzliche Verpflegungszonen und erhöhte medizinische Kontrollen. Im Triathlon können Wettkämpfe verkürzt, verschoben oder sogar komplett abgesagt werden, um nur ein paar Beispiele zu nennen."
Für Crutchlow und augenscheinlich auch Marquez ist daher klar, dass es solche Protokolle auch in der MotoGP bräuchte, um die Rennfahrer zu schützen. Und das aus gutem Grund: 2023 kollabierte Jorge Martin nach dem Indien-GP sogar kurzzeitig, weil ihm die heißen Bedingungen einfach zu viel abverlangt hatten. Eine Wiederholung eines solchen Szenarios muss eigentlich schnellstmöglich unterbunden werden. Aber ist ein solches Hitzeprotokoll auch realistisch? Crutchlow hat da seine Zweifel: "Das Problem ist das gleiche, das du hier immer hast: Wir bräuchten eine Fahrergewerkschaft. Wenn nur ein Fahrer fährt, dann fahren leider alle. Sie werden nicht zusammenhalten, weil sie diesem einen Fahrer keinen Vorteil geben wollen oder ihre Hersteller sagen könnten: 'Du bist das Rennen nicht gefahren, also wirst du nicht bezahlt'. Das ist die Realität, und das wissen auch die Verantwortlichen."
Was meint ihr: Werden wir in der MotoGP zeitnah eine Art Hitzeprotokoll erleben und würde so etwas überhaupt Sinn machen? Sagt es uns in den Kommentaren! Dass den Verantwortlichen der MotoGP die Sicherheit ihrer Piloten nicht wichtig wäre, kann allerdings nicht gesagt werden. Auf die schlimmen Unfälle aus Barcelona soll zeitnah mit vier teils drastischen Veränderungen reagiert werden. Mehr dazu in diesem Video:



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