Nachdem Marc Marquez im FP1 noch die Muskeln spielen ließ, schlug Aprilia mit der Bestzeit im Training zurück. Ai Ogura und Marco Bezzecchi führten das Feld mit neuem Rundenrekord in Brünn an. Doch ein Fahrer hielt sich nicht ans Drehbuch aus Noale. Dieses war ohnehin schon mit zwei Longlaps für den Grand Prix am Sonntag belastet, doch nun muss er noch eine Extrarunde drehen.
"Konnte nicht in Q2 gelangen!" - Jorge Martin hadert mit der Front
Als einziger Aprilia-Pilot konnte sich Jorge Martin nicht direkt für das Q2 qualifizieren. Zugegeben: Rang elf und ebenso viele Tausendstel Abstand auf das rettende Ufer waren denkbar knapp, aber über sechs Zehntel Rückstand auf seine beiden Markenkollegen an der Spitze eben nicht. Nach dem Startunfall in Ungarn der nächste Rückschlag für den 'Martinator'. Was er zu seinem Fehler vor zwei Wochen zu sagen hatte, erfahrt ihr in unserem Video:
"Insgesamt hatte ich ein ganz schlechtes Gefühl für die Front. Ich denke, es gab ein Problem mit dem Vorderreifen und dabei habe ich das Vertrauen verloren. Als ich dann angriff, da hatte ich einfach nicht genug. Ich verbesserte mich mit jedem Run, aber es war nicht genug. Ich konnte nicht ins Q2 gelangen", gab der WM-Zweite nach dem Training an.
MotoGP-Sünder übt für Sonntag: Zwei Longlaps in Brünn kein Desaster!
Da zeichnet sich langsam ein Trend ab: "Es ist seit einigen Rennen so. In Mugello und auch am Balaton Park gab es bereits dieselben Probleme mit der Front. Ich verstehe nicht ganz, warum. Wir müssen es analysieren und weitermachen. Während des Trainings haben wir uns bereits verbessert, aber ich liege weit hinter den anderen Jungs." Gleichzeitig vertraut er aber darauf, dass sein Team das Problem lösen wird: "Aber ich glaube, dass es morgen eine andere Geschichte wird. Da können wir zur Normalität zurückkehren. Die anderen Aprilias waren schnell, also muss irgendwas an meinem Motorrad falsch gelaufen sein."

Neben den Problemen an der Front steht dem Spanier auch noch eine doppelte Hypothek bevor. Im Grand Prix muss er für das Auslösen des Ungarn-Startcrashs zwei Longlaps fahren. Kein Wunder also, dass er am Freitag bereits bei jeder Gelegenheit übte und dazu auch ein wenig scherzte: "Sie war wirklich dreckig am Morgen. Jede Runde wird sie ein wenig besser, aber natürlich kannst du dich nicht normal reinlehnen. Ich hoffe mal, dass ein paar Moto2-Fahrer auch noch eine Longlap bekommen [lacht, Anm. d. Red.]." Tatsächlich scheint er mit dem Ort seiner Bestrafung aber Glück zu haben: "Ich hoffe nicht allzu viel zu verlieren. Es sollten für jede Longlap etwa 1,5 Sekunden sein, das ist kein Desaster. Es ist hier eine der schnellsten im Kalender."
Raul Fernandez trotz Blinddarmentzündung vor Martin, aber Wochenende in Gefahr
Das Pace-Defizit auf eine Runde scheint also die größere Sorge. Unterstrichen wurde dies nur umso mehr von Raul Fernandez. Der Trackhouse-Pilot holte sich den zehnten Rang, aber mit gewaltigem Handicap. Unter der Woche wurde eine Blinddarmentzündung bei ihm festgestellt. Noch am Donnerstag blieb er allen Interviews fern. Im Training fuhr er deswegen laut eigener Angabe nur etwa fünf Runden bei Maximalbelastung und war trotzdem schneller als Martin.

"Für sechs Stunden wurde ich im Krankenhaus untersucht. Sie sollten herausfinden, ob ich eine Operation brauche. In der Zeit habe ich nichts gegessen oder getrunken. Auch am Donnerstag musste ich noch mehrmals untersucht werden. Ich habe Glück, hier zu sein. Aber ich bin jetzt ziemlich fertig, habe keine Energie mehr", berichtete der Spanier. Das Wochenende steht bei ihm daher auf der Kippe: "Ich muss mich gut erholen können und muss gut essen, sonst kann ich den Sprint morgen nicht beenden."
Marco Bezzecchi auch mit Schmerzen schnell, Ai Ogura ganz cool in der Hitze
Bleiben noch die beiden anderen Aprilias an der Spitze. WM-Leader Marco Bezzecchi zeigte sich stark als Zweiter, obwohl auch bei ihm noch der Startunfall von Ungarn schmerzhaft mitfuhr: "Es war ein positiver Tag. Der Morgen war ein wenig schwieriger, aber wir haben uns dann anders auf den Nachmittag vorbereitet. Jetzt kann ich nicht viel meckern. Viele Fahrer sind sehr schnell und sie alle haben gute Pace. Das einzige Negative am Tag ist, dass ich körperlich weniger Probleme mit meinem Fuß erwartet hatte. Hoffentlich wird das morgen noch besser." Noch genauer berichtete der Italiener: "Es ist in allen Rechtskurven, wenn ich auf die Fußraste drücke. Ehrlicherweise hätte ich gestern weniger Schmerzen erwartet."

Unkaputtbar war damit nur einer im Lager. Ai Ogura sicherte sich erstmals die Freitagsbestzeit. Der wortkarge Japaner tat dies jedoch schnell ab: "Ich bin glücklich, aber das war ja leider nicht die Session, welche die Startposition entscheidet. Es gilt morgen." Eigentlich kommt der Trackhouse-Pilot immer erst im Rennen so richtig in Fahrt. Was ihn in Brünn so früh nach vorne bringt, wusste er auch nicht zu benennen: "Ich werde mir Zeit nehmen, um zu verstehen warum. Momentan kann ich euch nicht sagen, warum es so ist. Ich habe nichts anders gemacht, aber das Resultat ist anders."

Vermutlich spielen aber die Bedingungen eine Rolle. Der Hitzewelle in Europa begegnet Ogura ganz cool: "Heiße Bedingungen sind super für mich. Auch bei 10 Grad mehr wäre es in Ordnung für mich." Diese Coolness muss er dann auch endlich einmal im Qualifying zeigen. Startplatz vier würde er sofort unterschreiben. Tatsächlich müsste ihm von dort aus jederzeit der erste Sieg zuzutrauen sein, besonders in der erwartbaren Hitzeschlacht von Brünn.
Während die Fahrer sich mit dem sportlichen hier und jetzt beschäftigen, hat die Königklasse endlich die Weichen für die Zukunft gestellt. Hier erfahrt ihr mehr zum am Freitag in Brünn verkündeten neuen 'Concorde Agreement' der MotoGP:



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