Als Marc Marquez im FP1 von Brünn wie die Feuerwehr loslegte, da stellte sich der eine oder andere im MotoGP-Paddock wohl bereits fest auf die nächsten 37 Punkte für den Weltmeister nach der Ungarn-Gala ein. Doch es folgten auch zwei Stürze und die Erkenntnis: Dieses Tempo ist nicht durchzuhalten.

MotoGP in Brünn: Marc Marquez legt furios los, zu furios...

"Der erste Run heute Morgen war der beste der Saison. Dann wurde es immer schlechter", konstatierte der Ducati-Pilot nach dem Freitagstraining. Volle Attacke war dann am Nachmittag nicht mehr angesagt: "Aus diesem Grund wollte ich Kraft sparen. Wenn ihr euch die Daten anseht, dann war ich inkonstant. Mal sehen, wie es morgen weitergehen kann, aber hier ist die Belastung auf den rechten Arm viel höher als am Balaton Park."

Offensichtlich ist der Fitnesszustand der operierten rechten Schulter noch nicht bereit für dauerhafte Höchstleistung auf einer schnelleren und im Uhrzeigersinn verlaufenden Strecke. Im Hochgefühl des Morgens wollte Marquez dies zunächst nicht akzeptieren, wodurch es zum ersten Sturz des Tages in den letzten Minuten des FP1 kam: "Heute Morgen bin ich in Kurve 7 gestürzt, aber der Fehler kam aus Kurve 6 heraus. Es war mein Fehler, die Kurve 7 nicht einfach aufzugeben. Es kam beim Richtungswechsel. Es war das erste Mal, dass ich wirklich gepusht habe. Der Wille war da, aber mein Körper machte nicht mit. Da ging ich zu weit in Kurve 7."

Erneuter Sturz am Nachmittag trotz Ducati-Ansage: Muss mich im Zaum halten!

Die überragenden Runden aus der Anfangsphase bedeuteten dennoch die Bestzeit, doch Marquez meint: "Wenn ich jetzt nochmal FP1 fahren müsste, dann würde ich Zehnter werden, weil ich zu viel Kraft verbraucht habe. Das Bike ist hier schwierig zu fahren." Demensprechend wies die Teamführung den Spanier auch an, im Training am Nachmittag nur das Nötigste für die Q2-Qualifikation zu tun. Mit dem fünften Rang gelang dies auch, allerdings wieder mit dem Sternchen eines Sturzes. "Sie wussten, dass es nicht die Zeit für volle Attacke war. Gleichzeitig kennen sie mich auch. Wenn ich das Visier zumache, dann ist es schwierig, meine Instinkte zu kontrollieren", konstatierte der Pilot, dass er es trotz der Warnung von Davide Tardozzi & Co. wieder einmal übertrieben hatte.

Marc Marquez in der Ducati-Box
Marquez muss sich selbst im Zaum halten, Foto: IMAGO / Italy Photo Press

Der Spanier ist und bleibt ein Vollblutrennfahrer, aber genau das scheint in Brünn nicht gefragt. Einerseits fehlt die Kraft für viele konstante Runden am Limit, andererseits droht bei großer Hitze jederzeit die Landung im Kiesbett. Marquez sollte wohl besser auf Schadensbegrenzung fahren, aber das muss er vor allem sich selbst beibringen: "Es ist wie in Mugello. Hier wird das noch schwieriger, weil ich mich näher an der Spitze fühle, aber ich muss mich im Zaum halten."

Bescheidene Zielsetzung nötig, aber hält sich Marc Marquez auch daran?

Während die Zurückhaltung auf der Strecke mit Benzin im Blut eine schwierige Angelegenheit darstellt, so ist Marc Marquez neben der Strecke stets ein Meister im Tiefstapeln. "Mein Ziel für morgen ist eine der ersten beiden Startreihen und für Sprint und Rennen sind es die Top fünf", gibt er an. Ob er sich dann tatsächlich daran erinnert, wenn der Helm aufgezogen ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Zwei Stürze am Freitag zeigten aber auf, dass ein erneuter Durchmarsch wie in Ungarn nur mit höherem Risiko gelingen würde.

Während Marc Marquez also schnell könnte, es aber vielleicht nicht durchhält, sieht die Lage bei Jorge Martin anders aus. Der Spanier wird auf eine Runde zunehmend von den Aprilia-Kollegen abgehängt: