11 von 22 geplanten Rennen der MotoGP-Saison 2026 sind absolviert und das Paddock ruht sich noch in der wohlverdienten Sommerpause aus, ehe es am kommenden Wochenende nach Silverstone (7. bis 9. August) geht. Zuvor hatte sich viel getan. Während sich bei manchen Akteuren für und wider die Waage halten, blickt Motorsport-Magazin.com auf die klaren Gewinner und Verlierer des ersten Halbjahres 2026.
Gewinner: Die MotoGP-Saison 2026
Normalerweise gehen wir in einem solchen Fazit auf die Kategorien Fahrer, Teams oder Hersteller ein, aber in diesem Fall sollten wir erst einmal das große Ganze festhalten. Viele hatten eine erneute Dominanz von Marc Marquez und Ducati befürchtet. Das letzte Jahr des alten Reglements würde keine Spannung mehr aufkommen lassen und der volle Fokus der Entwicklung stünde auf 2027. Zum Glück erwiesen sich diese Prognosen als falsch.
Natürlich hat der Fitnesszustand des Weltmeisters geholfen, aber mit den Aprilias ist den Desmosedicis ein echter Gegner erwachsen. Viele Rennwochenenden haben keinen klaren Favoriten und selbst wenn ein Hersteller die Oberhand behält, lässt sich immer noch die Frage stellen, welcher Pilot am Ende vorn sein wird. Acht Fahrer haben zur Halbzeit noch Titelchancen. Für fünf von ihnen müssen sie als realistisch gelten, denn sie trennen nur 24 Punkte. Das letzte Jahr der 1000er-Maschinen legt die Latte für die neue Generation von 2027 bisher hoch, auch wenn nicht jedes Rennen vom Racing her ein Leckerbissen war.
Verlierer: Yamaha
"Mit Sicherheit war das kein einfacher erster Teil der Saison. Es war uns aber bewusst, dass es schwierig werden würde", meint Yamahas Team-Manager Massimo Meregalli. Tatsächlich kam das Debakel mit Ansage, tut aber deswegen nicht weniger weh. Der zweiterfolgreichste Hersteller der WM-Geschichte erlebt mit seinem neuen V4-Motor bisher knallhart, was der Ausdruck 'Lehrgeld zahlen' bedeuten kann. Von ein paar Heldentaten des Fabio Quartararo abgesehen, fährt die M1 gnadenlos hinterher. Werksteam und Pramac stehen am Ende der WM-Tabelle.

Noch viel schlimmer aber: Da erscheint keine Rettung am Horizont. 'El Diablo' und Kollegen können seit Monaten auf immerwährende Fragen nach Updates stets nur unwissend mit den Schultern zucken. Seit dem Debüt des V4 bei der Wildcard in Misano 2025 ist kein signifikanter Fortschritt gelungen. Dazu gibt es ständig Zuverlässigkeitsprobleme und Kinderkrankheiten. Besonders Alex Rins treibt die streikende Elektronik oft zur Verzweiflung. Wann können die Ingenieure aus Iwata endlich etwas liefern? Das Concessions-System erlaubt ihnen Entwicklungsmöglichkeiten. Und die braucht es auch, denn am Rückstand beim Motorenkonzept wird auch die Reduzierung auf 850 ccm im kommenden Jahr erstmal nichts ändern.
Gewinner: Fabio Di Giannantonio & Ai Ogura
Marco Bezzecchi kam mit viel Schwung aus dem Vorjahr, Jorge Martin war bereits 2024 Weltmeister und über die Erfolgskarriere von Marc Marquez lassen sich Bücher füllen. Mit ihnen konnten wir also rechnen. Zwei andere Fahrer müssen sich aber wohl erstmal kneifen, dass sie bis jetzt tatsächlich um den Titel fahren. Fabio Di Giannantonio steht dort vor allem aufgrund seiner Konstanz. Wirklich der Schnellste war er selten, doch fällt der VR46-Pilot auch nie ab. Trotz starker Leistung gilt es wohl festzuhalten: Will 'Diggia' wirklich zum Überraschungsweltmeister werden, so wird er weiterhin Fehler der Konkurrenz brauchen.
Der andere Mann im Bunde scheint dies hingegen nicht zu benötigen. Dass Ai Ogura im Rennen für starke Pace gut ist, stellte sich schnell heraus. Ab Brünn hatte der neue Star der Königklasse den Dreh aber auch im Qualifying raus und in diesem Zeitraum seither prompt die meisten Punkte gesammelt. Der erste Grand Prix Sieg eines Japaners nach 22 Jahren Durststrecke in Assen hat ihm ohnehin bereits einen sporthistorischen Erfolg beschert. Kann er nun auch den ersten MotoGP-Titel für das Land der aufgehenden Sonne holen? Die Chancen sind real, denn an (Renn-)Pace mangelte es Ogura bisher noch bei keinem Grand Prix.

Verlierer: KTMs Zuverlässigkeit
Beim Blick auf die Bilanz bei drei von vier Fahrern könnten wir KTM auch als Gesamtes unter der Kategorie der Verlierer führen, aber immerhin reißt Pedro Acosta Mattighofen mit Spitzenleistungen immer wieder heraus. In der Fahrerwertung hat er sogar noch Außenseiterchancen auf den Titel.

Der Trend aber ist nicht der Freund des 'Hais'. Nach herausragendem Auftakt in Thailand hat Acosta konstant von Verletzungen, Ausfällen, Fehlern und Pech der anderen Titelkandidaten profitiert. So schwamm er eine Weile mit der Spitze mit. Zuletzt ging aber die Lücke auf, weil der Jungstar selbst Ausfälle hinnehmen musste. Abgesehen von der Aufgabe in Assen hatte das aber nichts mit ihm zu tun. Beim Spanier und seinen Kollegen streiken die Motorräder immer öfter. So bleibt die WM-Chance nur ein Wunschtraum. KTM gestand die Probleme bei der Zuverlässigkeit längst ein, doch einer gründlichen Analyse hat die Konkurrenz den Riegel vorgeschoben. Mehr dazu in unserem Video:
Gewinner: Diogo Moreira
"Wir hatten uns vielleicht etwas mehr erhofft", gibt Hondas Teamchef Alberto Puig ehrlich in seinem Halbzeitinterview zu. Tatsächlich könnte das zweite japanische Werk wohl auch als Verlierer eingestuft werden, aber das gilt keineswegs für den Neuling im Hause. LCR-Rookie Diogo Moreira hat schnell alle Restzweifel an seiner Eignung für die Königklasse verstummen lassen. Der Brasilianer lernt Schritt für Schritt dazu und macht dabei erstaunlich wenig Fehler. Besonders im Qualifying weiß der Moto2-Weltmeister immer wieder zu überraschen, wenn er sich hinter schnellere Piloten klemmt.

Durch diese Leistungen hat er seinem Arbeitgeber eine ungewollte (Luxus-)Problematik verschafft: Sollte nicht er ins Werksteam aufsteigen und Teamkollege von Starverpflichtung Quartararo werden? Dass dieser Gedankengang existiert, ist bereits offiziell bestätigt. Bei der Verkündung von Supertalent David Alonso wurde explizit nicht angegeben, in welchem Team der Kolumbianer 2027 fahren wird. Wenn Moreira weitermacht wie bisher, so ist eine Beförderung absolut möglich.
Verlierer: Maverick Vinales
Maverick Vinales macht für sein sehr wahrscheinlich bevorstehendes Aus in der Königklasse einzig und allein KTM verantwortlich. Mattighofen hätte ihm einen Platz für 2027 versprochen und sich dann nicht daran gehalten. Die Realität auf der Strecke ist selbsterklärend: Es stehen bisher mickrige 10 Punkte zu Buche und nicht ein Rennen mit wirklich konkurrenzfähigen Rundenzeiten. Der Spanier gibt sogar offen zu, dass die Kraft seiner lädierten Schulter einfach nicht ausreicht. KTM konnte schlichtweg nicht fest mit ihm planen, so sehr er sich auch betrogen fühlt.
Die Langzeitfolgen seines Sturzes am Sachsenring 2025 werden wohl das Ende der Laufbahn des Hochbegabten bedeuten, der am Ende nie mehr als ein paar Rennen lang sein Potential abrufen konnte. Das Unwürdige ist aber nun die Art und Weise seines Abgangs von der WM-Bühne. Gemeint sind damit noch nicht einmal so sehr die sportlichen Leistungen. Nach seiner unrühmlichen Trennung von Yamaha samt Motoren-Skandal hätte vielleicht etwas Lerneffekt erwartet werden können. Jetzt hat 'Top Gun' den nächsten Streit vom Zaun gebrochen, bei dem er nur verlieren konnte. Und ein Rettungsanker wie einst noch Aprilia steht auch nicht mehr bereit. Das dürfte es gewesen sein. 10 MotoGP-Siege und ein Moto3-Titel stehen am Ende in der Vita. Davon können andere nur träumen, doch für sein Talent ist das schlicht zu wenig. Über das Wochenende kamen nun sogar Berichte auf, wonach Vinales bereits in Vinales nicht mehr auf der RC16 sitzen würde. Die Reaktion des Spaniers könnt ihr hier nachlesen:
Wen haben wir vergessen? Wer ist für euch noch ein klarer Gewinner oder Verlierer dieses ersten Halbjahres 2026? Sagt es uns in den Kommentaren.



diese MotoGP Nachricht