Auch wenn sich die Formel 1 offiziell im Shutdown befindet, ist der Personalmarkt hinter den Kulissen weiterhin in Bewegung. Ferrari hat bei der Konkurrenz die Angel ausgeworfen - und die beiden Chassis-Spezialisten Carlos Sanchez Martinez (Aston Martin) und Luciano Nicomede (Mercedes) haben angebissen. Eine offizielle Bestätigung seitens Ferrari gibt es – wie in solchen Fällen oft üblich – nicht.

Jedoch haben beide ihren Wechsel nach Maranello auf LinkedIn öffentlich bestätigt. Carlos Sanchez Martinez war seit 2019 bei Aston Martin (beziehungsweise seit 2017 beim Vorgängerteam Racing Point) tätig. In seiner Rolle als Senior Stress Engineer trug er maßgeblich zu den Meilensteinen des Teams bei - darunter der Premierensieg von Sergio Pérez beim Grand Prix von Sakhir 2020 sowie die acht Podestplätze von Fernando Alonso in der Saison 2023.

"Nach fast acht Jahren markierte Silverstone mein letztes Rennwochenende mit dem Team. Es war eine absolut unglaubliche Zeit in meinem Leben, die ich mit fantastischen Menschen und einigen der größten Fahrer in der Geschichte des Sports teilen durfte. Gemeinsam haben wir viele Podestplätze, einen Sieg und eine Pole Position gefeiert. [...]. Ich bin dankbar für dieses grüne Kapitel meines Lebens - jetzt ist es Zeit für eine neue Herausforderung, ein neues Team und neue Farben", schrieb Martinez auf LinkedIn.

Know-how von der Formel-1-Konkurrenz

Anfang August trat Martinez seine neue Stelle als Chassis Stress Engineering Specialist bei Ferrari an. Zu seinen Kernaufgaben zählt die strukturelle Berechnung und Simulation von Materialbelastungen. Das Hauptziel: Karosserie-Gewichtsminimierung bei maximaler Sicherheit unter Volllast. Ebenfalls seit August verstärkt Luciano Nicomede das Team rund um Ferraris Head of Chassis Project Engineering Fabio Montecchi.

Der Italiener übernimmt die Position des Senior Chassis Composite Designer. Nicomede bringt die Erfahrung von über vier Jahren bei Mercedes in Brackley mit. Dort deckte er ein extrem breites Aufgabenspektrum ab: von der geometrischen Konstruktion der Monocoque-Überlebenszelle (Composite Design Engineer) über die Überwachung struktureller Anomalien an der Rennstrecke (Reliability Representative) bis hin zur Ergonomie- und Sitzanpassung für die Piloten (Seat Fit Engineer). Seine Ankunft in Maranello gilt als strategisch wichtig für die Neuentwicklung des Chassis.

"Der Eintritt bei Ferrari ist ein bedeutender Meilenstein in meiner Karriere und eine spannende Chance, zu einem Team beizutragen, das für seine technische Exzellenz, Innovation und sein Streben nach Leistung bekannt ist. Ich bin dankbar für diese Gelegenheit und gespannt auf das, was vor mir liegt. Auf einen Neuanfang", schrieb Nicomede auf LinkedIn.

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Bearman in der F1-Zwickmühle: Ferrari-Traum vs. WM-Titel

Während sich intern bei Ferrari einiges tut, bleibt eine Sache für 2027 unverändert: die Fahrerpaarung. Lewis Hamiltons Comeback nach seinem enttäuschenden Debütjahr in Rot, bringt Oliver Bearman in eine knifflige Lag. "Lewis wieder siegen zu sehen, ist wirklich fantastisch. Er ist der beste britische Fahrer aller Zeiten und jetzt gewinnt er mit Ferrari. Das ist etwas wirklich Besonderes, aber nicht ideal für meine Zukunft", erklärte Bearman im Podcast Beyond The Grid. Noch hält der 21-Jährige an seinem Ferrari-Traum fest.

"Mein Ziel ist es weiterhin, eines Tages Ferrari-Fahrer zu sein. Aber ich möchte nicht drei, vier oder fünf Jahre warten, bis vielleicht irgendwann ein Platz frei wird, denn dafür gibt es keine Garantien. Man kann seine besten Jahre vergeuden", weiß Bearman um die Schnelllebigkeit der Formel 1. Denn über der Faszination Ferrari steht für ihn der WM-Titel. "Wenn es woanders die Chance gibt, den Titel zu gewinnen, werde ich sie nutzen", stellte der Engländer klar. Um sein Cockpit bei Haas braucht er nicht zu fürchten – im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Esteban Ocon. Von ihm zeigte sich das Team schon im Vorjahr enttäuscht und auch 2026 sind seine Fortschritte mäßig.

Wer fährt 2027 wo? Der Fahrermarkt-Poker in der Formel 1 geht in einen heißen Sommer. Drei Piloten sorgen aktuell für Vertrags-Stillstand. Mehr darüber liest du in diesem Artikel: