Aprilia war am MotoGP-Freitag in Spielberg nicht im Kreis der Favoriten zu finden. Während Pedro Acosta mit zwei Bestzeiten auf der KTM den Ton angab, waren Jorge Martin und Marco Bezzecchi im Verfolgerfeld zu finden. Der Spanier hielt dabei immer noch den Anschluss an Marc Marquez. Sein Armpump-Leiden aus Misano hatte er heute im Griff, doch das Problem erfordert weiterhin seine Aufmerksamkeit. Für Bezzecchi reichte es nach einer durchwachsenen zweiten Session gerade noch für den direkten Sprung ins Q2.

"Ehrlich gesagt war es eine große Überraschung. Alles, was ich während der Woche gemacht habe, funktionierte gut und ich fühle mich deutlich besser", gab sich Jorge Martin nach den Trainings am 15. Rennwochenende erleichtert. Im FP1 hatte er den dritten Platz belegt, am Nachmittag den fünften. Der Rückstand auf Pace-Setter Pedro Acosta betrug dabei 0,222 Sekunden. Insgesamt spulte er am Freitag 50 Runden auf dem Red Bull Ring ab.

"Heute Morgen war ich mir zu 100 Prozent sicher, dass ich keine Operation brauchen werde. Jetzt am Abend habe ich allerdings wieder meine Zweifel. Ich denke aber, das ist normal. Du ermüdest für gewöhnlich", erklärt er weiter. "Es wird nach dem Rennen am Sonntag immer noch ein Fragezeichen sein. Aber ich fühle mich gut und hoffe, dass es während des Wochenendes kein Thema sein wird."

Bei noch sieben ausstehenden Rennwochenenden will er eine Operation um jeden Preis verhindern: "Du weißt bei einer Operation nie. Deshalb habe ich ein bisschen Angst davor, operiert zu werden. Es kann gut laufen und vielleicht sitze ich eine Woche danach wieder auf dem Bike, aber es kann auch schlecht ausgehen. Ich habe daran aus der Vergangenheit schlechte Erinnerungen. Ich muss mit dieser Entscheidung clever vorgehen."

Jorge Martin fühlt sich KTM-Favorit Pedro Acosta in Spielberg gewachsen

Für den Moment scheint er jedenfalls unbeeinträchtigt fahren zu können, wie die Performance in den Trainings zeigte. "Ich war jetzt in der Lage, gut und normal zu arbeiten. Darüber bin ich glücklich", so der Spanier, der momentan mit 274 Zählern punktgleich mit Marc Marquez an der MotoGP-Tabellenspitze steht. Der Ducati-Fahrer war im FP2 nur 0,018 Sekunden schneller.

"Was die Pace angeht, sind wir im Verfolgerfeld. Pedro [Acosta] ist der stärkste dort draußen. Er ist super stark, hatte eine super schnelle Runde und eine super Pace. Aber ich fühle mich auch stark. Ich war in der Lage, wirklich Longruns zu machen, konstant zu sein und das fühlte sich gut an. Ich weiß, wo ich mich verbessern muss. Wenn wir diesen kleinen Schritt noch schaffen, der mir überall auf der Strecke helfen kann, werde ich den Rückstand schließen können."

Marco Bezzecchi kämpft am Freitag in Österreich um den Anschluss

Der Teamkollege schien in den Trainings mehr Mühe zu haben. Marco Bezzecchi belegte am Freitag die Plätze sechs und neun. Im FP2 gelang ihm gerade so der Sprung in die Top-10 beziehungsweise ins Q2. "Auf meiner Time-Attack habe ich ein paar Fehler zu viel gemacht, aber abgesehen davon waren die Pace und die Arbeit über den Tag gesehen gut. Ich bin froh, dass wir das Q2 erreicht haben. Das war unser Ziel, auch wenn wir dafür ein bisschen was riskieren mussten."

Erst in den letzten zehn Minuten gelang es ihm, sich entscheidend zu verbessern. Eine rote Flagge infolge des Sturzes von Alex Marquez hatte seine Konzentration gestört. "Das war mein Fehler nach der roten Flagge. Ich wollte es nochmal auf demselben Reifen versuchen und machte einen Fehler. Ich habe dabei ein bisschen den Rhythmus verloren, aber zum Glück waren meine Jungs bereit und haben mir geholfen, am Ende der Session durchzukommen", so der Italiener.

Mit Blick auf das Kräfteverhältnis ist er auf einen engen Kampf an der Spitze gewappnet, bei dem auch Acosta noch nicht fein raus ist. "Jorge und ich liegen eng beieinander. Mir fehlt im zweiten Sektor etwas Zeit. Alles ist abgesehen von Pedro sehr dicht beisammen. Hoffentlich können wir morgen noch einen Schritt machen und zu ihm aufschließen."