Ist die Wartezeit auf den lange überfälligen ersten MotoGP-Sieg bald endlich vorbei für Pedro Acosta? Ausgerechnet zum KTM-Heimrennen in Spielberg erweckt der 'Hai' im Training den Eindruck, fast unschlagbar zu sein. Doch das meint die Konkurrenz. Er selbst stapelt tief.
MotoGP-Konkurrenz schlägt Alarm: Pedro Acosta eine halbe Sekunde schneller?
"Ich bin zufrieden. Es lief recht gut und es ist auch ein guter Start für KTM beim Heimrennen", begann der Spanier nach zwei Trainingsbestzeiten seine Ausführungen. Ncoh nie hatte er beide Sessions am Freitag angeführt. Überschwänglich wurde er danach aber keineswegs, während die anderen Piloten die Alarmglocken läuteten. Insbesondere schallte das aus dem Hause Ducati. "Sicherlich hatte Pedro heute eine erstaunliche Pace. Da muss ich ehrlich sein, der ist schon ein wenig weit weg von uns", meinte etwa Fermin Aldeguer, der wohlgemerkt Zweiter im Training wurde. Marc Marquez sprach Acosta gar noch Titelchancen zu. Mehr dazu hier:
Noch stärker in dieses Horn blies Aldeguers Teamkollege Alex Marquez. "Auf dem Papier hat er eine halbe Sekunde mehr Pace als jeder andere. Er wird Samstag und Sonntag der Mann sein, den es zu schlagen gilt. Er hat die Möglichkeit, hier 37 Punkte zu holen", prognostizierte der Vizemeister.
Pol Espargaro erklärt: Pedro Acosta ein Bremsmeister auf schlechtem Grip
Auch einer der KTM-Fahrer war erstaunt. "Er ist sehr schnell, es ist unglaublich. Da ist es selbst hart, ihm nur aus der Boxengasse heraus zu folgen", scherzte Ersatzfahrer Pol Espargaro nach dem Training. Der erfahrene Katalane hatte dann auch eine Erklärung für die gute Leistung seines jüngeren Kollegen.

"Früher haben wir performt, wenn der Grip sehr hoch ist, aber jetzt ist es umgekehrt. Hier kommen zwei Dinge zusammen. Zum einen ist es das harte Bremsen, wo Pedro super gut ist, und der niedrige Grip. Das macht das Bremsen so schwierig. Pedro ist da besonders gut und der niedrige Grip macht es noch schwerer für alle anderen", gab Espargaro Einblick. Tatsächlich hatten die Fahrer fast unisono festgestellt, dass der Asphalt auf dem Red-Bull-Ring mittlerweile etwas in die Jahre gekommen ist und nicht mehr so viel Haftung wie früher bietet. Zusätzlich kommt dann auch noch der Kontrast zum Gefühl von Misano vor einer Woche zum Tragen, denn dort herrscht extrem hohes Gripniveau.
Pedro Acosta stapelt tief: Immer noch Problemsektoren in Spielberg
Seine Fahrerkollegen zeigten sich also äußerst beeindruckt, doch der Angesprochene selbst stieg nicht auf den Zug auf. "Leute, es ist erst Freitag. Ich weiß es nicht. Wir werden sehen müssen, wie Ducati und Aprilia morgen verbessern können. Aldeguer ist schnell, ebenso Ogura. Letztes Jahr war Bezzecchi hier schnell", antwortete Acosta auf die Frage, ob jetzt endlich der erste Sieg erfolgen kann.

Wie vom Ehrgeizling zu erwarten, will sich der KTM-Pilot nicht auf seinen Freitagslorbeeren ausruhen: "Es war gut, aber wir sind immer noch nicht da, wo wir sein sollten." Und die Problemzone kann sogar klar benannt werden: "Wir haben immer noch Probleme in Sektor 3 mit dieser langen Rechtskurve 5 und dann die langen zwei links 6 und 7. Da war Brad [Binder] recht gut. Also wollen wir uns dort verbessern."
Endlich Hilfe durch KTM-Kollegen? Brad Binder könnte Richtung weisen
Tatsächlich spricht aber auch Teamkollege Brad Binder für die starke KTM-Form. Zuletzt bekam der Südafrikaner auf eine Runde nichts mehr gebacken, doch in Spielberg schob er sich erstmals seit Barcelona als Siebenter ins Q2. "Ich glaube einfach, dass unser Bike hier besser funktioniert", gab die Nummer 33 an. Im Gegensatz zu Espargaros Vermutung scheint auch er auf der Bremse keine groben Probleme zu haben: "Unser Bike funktioniert in Kurve 4 tatsächlich sehr gut. Unsere größte Stärke liegt auf der Bremse. Wir stoppen gut ab und das Bike sieht das besser als je zuvor aus." Viele der Konkurrenten waren dort im Training ins Kiesbett gerodelt, was die Schwierigkeiten auf der Bremse nur umso mehr aufzeigte.
Eine Hilfe für Acosta könnte Binder genau an dessen Problemstelle liefern. "Ich bin froh, dass auch eine andere KTM im Q2 ist, denn jetzt kann ich eine Menge Informationen daraus ziehen. Brad war nur etwa zwei Zehntel hinter mir und er war schneller in Sektor 3. Das ist genau die Stelle, wo ich strauchle. Also wird das interessant für mich", gab Acosta an. Normalerweise ist er den anderen Stallgefährten so weit enteilt, dass der Datenvergleich eine Übung ohne großen Wert darstellt. So steckt da aber vielleicht noch mehr Potential drin, als die Konkurrenz ohnehin befürchtet. Auch wenn Acosta es selbst nicht aussprechen will: Die Chancen auf seinen ersten Sieg scheinen nach diesem Freitag durchaus sehr real.
Pedro Acosta sorgte am Freitag nicht nur auf der Strecke für Wirbel. Sein Noch-Chef Gottfried Neumeister enthüllte seine besondere Motivation für den Wechsel zu Ducati ab 2027:



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