Pedro Acosta hat am Freitag bei der MotoGP in Spielberg eine wahre Machtdemonstration geliefert. Der KTM-Fahrer markierte in beiden Trainings die Bestzeit und brachte sich damit in die Favoritenrolle für die Rennen auf dem Red Bull Ring. Für Marc Marquez ist sein zukünftiger Ducati-Teamkollege in dessen momentaner Form aber nicht nur an diesem Wochenende ein Endgegner. Der siebenfache MotoGP-Weltmeister sieht 2026 auch eine klare WM-Chance für Acosta.

"Er ist im WM-Kampf. Wir haben noch acht Rennen und er liegt nur 65 Punkte zurück. Ich war über 100 hinten, also ist er auch im Titelrennen", stellt Marc Marquez nach den Trainings am 15. von 22 Wochenenden im diesjährigen MotoGP-Kalender klar. Er selbst hatte zwischen dem siebten Rennwochenende in Mugello und dem 14. in Misano einen Rückstand von 102 Punkten auf die Tabellenspitze aufgeholt - den bis dato größten in der Geschichte der MotoGP.

Der WM-Leader hieß nach Mugello noch Marco Bezzecchi. Marc Marquez hatte infolge eines Mittelfußbruchs bei der fünften Saisonstation in Le Mans das darauffolgende Rennwochenende in Barcelona verletzungsbedingt verpasst und war in Mugello zurückgekehrt. Doch bereits vor dem Unfall in Frankreich hatte er in der Gesamtwertung mit 44 Punkten zurückgelegen. Beim Saisonstart laborierte er immer noch an seiner beim Indonesien GP 2025 in einer Kollision mit Bezzecchi erlittenen Schulterverletzung.

Pedro Acosta nach MotoGP-Tief auf dem Weg zum WM-Turnaround?

Bei Pedro Acosta kam der Rückstand auf unterschiedliche Weise zustande. In Barcelona wurde er in der Zielkurve auf Platz vier liegend von Ai Ogura abgeräumt. In Brünn streikte die KTM sowohl im Sprint als auch im Grand Prix, wodurch das komplette Wochenende eine Nullnummer wurde. In Assen machte das Motorrad im Qualifying erneut Ärger, wodurch im Sprint nur ein Punkt drin war. Am Rennsonntag in den Niederlanden musste der 22-Jährige aufgrund eines Karpaltunnelsyndroms in der rechten Hand aufgeben und sich anschließend operieren lassen.

Nach Assen lag er in der Weltmeisterschaft mit 60 Punkten auf den zu diesem Zeitpunkt führenden Jorge Martin an siebter Stelle. Nach dem erfolgreichen Eingriff verlor er an den vier darauffolgenden Rennwochenenden nur fünf weitere Punkte auf die Tabellenspitze. Auf der unterlegenen KTM biss er sich im Sommer mit aller Gewalt im Spitzenfeld fest. Sein schwächstes Resultat war ein achter Platz im Sprint am Sachsenring. In Aragon und Misano holte er am Sonntag zuletzt mit den Plätzen zwei und drei zwei Podien in Folge. Ein Sieg fehlt ihm allerdings, und zwar nicht nur im Jahr 2026. Nach 55 MotoGP-Starts wartet das Supertalent immer noch auf den großen Durchbruch.

In der Gesamtwertung liegen Marc Marquez und Jorge Martin derzeit mit 274 Zählern punktgleich an der Spitze. Auf den Positionen drei und vier folgen Marco Bezzecchi (241) und Fabio Di Giannantonio (223). Pedro Acosta steht als Fünfter bei 209 Punkten. An den vier Rennwochenenden seit Assen holte Marc Marquez mit 121 Punkten klar die meisten Zähler, dahinter folgen Jorge Martin mit 81, Pedro Acosta mit 76 und Alex Marquez mit 75. Die Topform von Acosta in den Trainings auf dem Red Bull Ring überraschte Marquez heute dementsprechend nicht.

Marc Marquez rechnete am Red Bull Ring bereits mit gefährlichem Pedro Acosta

"Ich habe das erwartet, denn es ist nicht das erste Mal, dass KTM hier sehr schnell ist", so der 33-Jährige. Der Hersteller aus Mattighofen war beim Heimspiel bisher in der Tat äußerst erfolgreich. Mit Miguel Oliveira und Brad Binder gelangen 2020 respektive 2021 zwei Siege. Dazu kommen vier weitere Podien, davon jeweils zwei aus Sprints und Grands Prix. "Und Pedro holt aus der KTM das Extra heraus. Er war schon auf anderen Rennstrecken sehr schnell und ist hier im Moment der Schnellste", sieht Marquez seinen Landsmann klar in der Favoritenrolle.

Er belegte im 2. Training am Nachmittag den vierten Platz und lag nahezu glatte zwei Zehntelsekunden über der Bestzeit von Acosta. "Wir haben hart gearbeitet. Das Entscheidende ist, dass wir das Gefühl vom ersten zum letzten Run des Tages verbessern konnten", so der Ducati-Pilot. "Aber wir müssen noch einen Schritt machen, denn im Moment sind wir nicht bereit für den Kampf um den Sieg. Wir sind jedoch auf dem richtigen Weg."