Marc Marquez gewann am Sonntag seinen zweiten Grand-Prix in Serie, die Schlagzeile des MotoGP-Wochenendes in Brünn wurde aber natürlich schon am Samstagabend geschrieben. Nach seinem Sturz im Sprint ging Marco Bezzecchi einen Marshal an, schlug ihn und wurde von den Stewards daraufhin vom restlichen Tschechien-GP ausgeschlossen. Eine drastische und bislang ungesehene Strafe, die das MotoGP-Feld am Sonntagabend spaltete.
Das ist enorm! MotoGP-Piloten finden Bezzecchi-Strafe zu hart
"Ich kenne ihn sehr gut und ich weiß, wie sehr dich das Adrenalin in solchen Situationen beeinflussen kann. Das entschuldigt natürlich nicht, was er getan hat. Du kannst keinen Marshal schlagen, weil sie uns nur helfen wollen. Aber diese Strafe ist schon enorm. Von einem Rennen ausgeschlossen zu werden, ist eine riesige Sache", machte etwa Francesco Bagnaia im Rahmen der offiziellen MotoGP-Pressekonferenz deutlich, dass ihm das Stewards-Urteil zu drastisch ausgefallen war. "Wir haben in der Vergangenheit viele ähnliche Dinge gesehen und nie ist etwas derartiges passiert", begründete er und ergänzte nochmal: "Das ist hart."
2023 war Bagnaia im Sprint von Le Mans selbst schon einmal mit Maverick Vinales aneinander geraten, kassierte damals einen leichten Schlag vom Spanier gegen seinen Helm. Weil schon wenig später die Aussprache erfolgte, gab es seinerzeit aber gar keine Strafe. Anders war das einige Monate später, als sich Aleix Espargaro im Katar-Training von Franco Morbidelli behindert fühlte und dem damaligen Yamaha-Piloten kurzerhand einen Schlag verpasste. Der Katalane wurde daraufhin mit 10.000 Euro Geldstrafe und einer Rückversetzung von sechs Startplätzen belegt.
"Dann hätte Aleix das Rennen damals auch nicht fahren dürfen", stimmte rückblickend auch Morbidelli zu, dass die Strafe gegen Bezzecchi zu hart gewesen sei. Nun könnte man natürlich argumentieren, dass die beiden Italiener als Mitglieder der VR46-Academy und gute Freunde von 'Bezz' fast schon zu ihm stehen müssen und ihre Meinung deshalb kaum als neutral gewertet werden kann. Und das mag auch so sein. Aber mit Pedro Acosta sprach sich am Sonntag auch noch ein weiterer Pilot für den aktuellen WM-Leader aus.
"Eine harte Strafe. Die Härteste, die ich je erlebt habe", gab der KTM-Star offen zu Protokoll und begründete im Anschluss: "Wir sagen, das ist ein Sport, bei dem auch Kinder am Fernseher zusehen können. Am Ende müssen aber doch die Eltern dir beibringen, was gut und was schlecht ist. Wir fahren hier mit Adrenalin. Ich sage ja nicht, dass das gut war. Es gibt keinen Weg, wie das zu rechtfertigen ist. Aber alle sollten auch alt genug sein, um das differenziert zu betrachten. Die Strafe war hart."
Verständnis für Marco Bezzecchi: Kann in der Hitze des Gefechts passieren
Ohne sich explizit dazu äußern zu wollen, ob das Strafmaß korrekt oder zu hoch war, zeigten diverse andere Piloten zumindest Verständnis für Bezzecchis Aussetzer. "Das kann passieren. Du bist voller Adrenalin und Frust wegen des Sturzes. Er wird daraus lernen. Wir alle lernen jeden Tag etwas neues. Viele von uns sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Da gibt es jeden Tag etwas zu lernen", meinte etwa Marc Marquez und Jack Miller erinnerte: "Wir alle verkacken manchmal. Wir sind alle Menschen und wir alle machen Fehler."
"Ich kenne diese Situation", gab auch Cal Crutchlow an und beschrieb: "Du bist so heiß und angepisst vom Sturz. Was er getan hat, war natürlich vollkommen falsch, aber ich kann verstehen, dass er in diesem Moment alles kurz und klein schlagen möchte. Das sollten natürlich keine Menschen, Motorräder oder Wände sein. Am Besten gar nichts. Aber jeder Fahrer kann dieses Gefühl nachvollziehen. Das war einfach eine unglückliche Situation." Das sah auch Teamkollege Jorge Martin so: "Marco ist das in der Hitze des Gefechts passiert. Ich denke nicht, dass er diesen Fehler nochmal machen wird. Die Marshals wollen uns ja nur helfen. Aber manchmal wirst du einfach wütend wenn du stürzt und dann etwas siehst, dass du nicht sehen willst."
Kann nicht toleriert werden! MotoGP-Piloten üben auch Kritik an Bezz
Überraschend deutlich schlug sich anschließend Luca Marini - ein weiteres Mitglied der VR46-Riders-Academy auf die Seite der Stewards. "Natürlich war er in diesem Moment voller Adrenalin", zeigte auch er zunächst Verständnis. Danach machte der Honda-Pilot aber klar: "Wir müssen uns alle gegen Gewalt positionieren. Egal, wie leicht oder schwer sie ausfällt. Ein solches Verhalten kann im Sport nicht toleriert werden."
Zustimmung gab es in dieser Hinsicht von Fermin Aldeguer. Der MotoGP-Rookie des Jahres 2025 kommentierte: "Das ist ein wirklich unschöner Zwischenfall. Der Marshal hat das Gas ja nicht mit Absicht geöffnet, um das Motorrad zu beschädigen. Da musst du einfach ruhig bleiben - auch, wenn du der WM-Führende bist und durch einen Sturz im Sprint gerade Punkte verloren hast. Das ist nicht leicht, aber diese Strafe musste er jetzt hinnehmen."
Auf welcher Seite steht ihr: War der Ausschluss vom Tschechien-GP die korrekte Entscheidung oder hätten die Stewards mehr Gnade walten lassen sollen? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!



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