Horrorstart für den Weltmeister! Nachdem die neue MotoGP-Saison 2026 für Marc Marquez am Samstag mit einer strittigen Strafe und dem daraus resultierenden Verlust des sichergeglaubten Sprintsieges bereits denkbar schlecht begann, wurde es 24 Stunden später noch schlimmer. Im Thailand-GP am Sonntag musste der Spanier sein Motorrad nämlich mit einem Plattfuß abstellen, nachdem er im Kampf um das Podium gerade wieder Blut geleckt hatte.
Marc Marquez erleitet Reifenschaden: So kam es dazu
Was genau passiert war? Das war zunächst unklar. Denn die Live-Bilder fingen Marquez erst ein, als er in Runde 21 von 26 bereits sichtbar verlangsamt in der Auslaufzone zwischen den Kurven vier und fünf fuhr und offensichtlich seinen Hinterreifen beschädigt hatte. Wie das zustande gekommen war, ließen erst Wiederholungen erahnen. Der Ducati-Star hatte Kurve vier deutlich überschossen und war mit hoher Geschwindigkeit über den Kerb am Kurvenausgang gedonnert. Danach wurde er dann langsam. Seht hier selbst:
Die erste Vermutung: Marquez war zu hart über den Kerb gerumpelt und beschädigte dabei die Felge am Hinterrad. Dadurch ging dann sämtliche Luft im Reifen flöten. "Er ist über den Kerb geschossen und hat damit seine Felge kaputt gemacht", meinte beispielsweise auch 'ServusTV'-Experte Sandro Cortese in der Analyse des Zwischenfalls und stellte klar: "Das war sein Fehler. Der Erste, den er dieses Wochenende gemacht hat."
Dass der Moto3-Weltmeister von 2012 auf der richtigen Spur war, bestätigte wenig später Davide Tardozzi im Interview mit 'TNT Sports'. "Er hat den Kerb zu hart getroffen und dadurch die Felge gebrochen. Deshalb hat er Luft verloren und musste dann abstellen", erklärte er. Anders als Cortese wollte Ducatis Teammanager der Nummer 93 anschließend aber keinen Vorwurf machen, meinte vielmehr: "Man kann sagen, dass es sein Fehler war, aber er hatte dabei auch viel Pech. Viele Fahrer sind heute in Kurve vier über diesen Kerb gefahren und es ist nichts passiert. Ich habe so etwas während meiner Zeit als Teammanager bei Ducati noch nie gesehen."
Marc Marquez rätselt über Defekt: Schon 100-mal über den Kerb gefahren
Das will etwas heißen, denn Tardozzi arbeitet schließlich schon mehr als ein Jahrzehnt im MotoGP-Werksteam der Roten. Kein Wunder also, dass Marquez offenbar ziemlich frustriert war, dass es genau ihn so folgenschwer getroffen hatte. "Er ist ziemlich angepisst, weil er dadurch das Podium verpasst hat. Er wäre sicher mindestens noch Dritter geworden, denn er war deutlich schneller als [Raul] Fernandez", teilte Tardozzi abschließend mit.
"Ich hatte da viel Pech, denn ich bin während dem Test und den Trainings rund 100-mal über diesen Kerb gefahren und nie ist das passiert, was heute passiert ist", analysierte dann auch Marquez selbst in seiner Medienrunde. Erklären konnte sich der MotoGP-Superstar den Zwischenfall aber nicht. "Normalerweise sind diese Kerbs so gebaut, dass du problemlos über sie von der Strecke fahren kannst. Du musst dann aufpassen, wenn du über sie zurück auf die Strecke willst", rätselte er und meinte nur: "Ich habe es direkt gespürt, dass die Felge kaputt war. Es war, als hätte ich am Ende des Kerbs einen großen Stein getroffen."
Marquez kein Einzelfall: Weitere Reifenschäden in der MotoGP!
Etwas mehr Licht ins Dunkel brachte dann Reifenlieferant Michelin. Denn wie deren Motorsportmanager Piero Taramasso verkündete, war Marquez' Defekt doch kein Einzelfall. "Wir hatten dieses Problem während dem gesamten Wochenende", gab er gegenüber 'Motorsport.com' zu und beschrieb: "Es waren einige Felgen verbogen, als sie zu uns zurück ins Zelt kamen. Das war wegen der Hitze. Das Material ist sehr weich und die Kerbs hier sehr aggressiv. Der Druckverlust, den Jorge Martin gestern im Sprint verzeichnete, war aus dem gleichen Grund. Er hat einen Kerb getroffen, dadurch das Vorderrad verbogen und Luft verloren. Bei ihm war es ein schleichender Plattfuß, während Marc alle Luft auf einmal verloren hat."
Jorge Martin war wegen eines potenziellen Verstoßes gegen den Mindestreifendruck im Sprint ins Visier der Regelhüter geraten. Letztlich wurde er aber freigesprochen, weil es den von Taramasso angesprochenen Defekt gab. Offenbar hatte Martin jedoch mehr Glück als angenommen, denn mit etwas mehr Pech hätte folglich auch sein Sprint schon vorzeitig mit einem platten Reifen enden können. Jenes Schicksal, welches am Sonntag dann Joan Mir ereilte. Der Honda-Pilot rollte im Thailand-GP kurz vor Schluss auf P5 liegend aus - mit einem Plattfuß, den auch er sich nicht erklären konnte: "Das kam aus dem Nichts. Wir hatten alle mit dem Reifenmanagement zu kämpfen, aber das hatte nicht mit dem Abbau zu tun. Das war etwas anderes."
MotoGP-Defekte in Buriram: Wie konnte es zu den Reifenschäden kommen?
Vermutlich muss auch Mir sich die Felge bei einem Ritt über einen der zahlreichen Kerbs in Buriram beschädigt haben. Doch wie ist das überhaupt möglich? Schließlich werden die Kerbs auf jeder Rennstrecke tausende Mal pro Rennwochenende überfahren. Nun, es ist wohl den hohen Temperaturen in Thailand geschuldet. 35 Grad in der Luft und 55 Grad am Asphalt wurden während des Hauptrennens der MotoGP gemessen. Die höchsten Temperaturen des Wochenendes und auch höher als zu jedem Zeitpunkt des Buriram-Tests vergangene Woche. Dazu kommt dann noch, dass der Chang International Circuit mit gleich vier harten, aufeinanderfolgenden Bremszonen zu jenen Strecken im Rennkalender zählt, die die höchsten Bremstemperaturen erzeugen. Ein entscheidender Unterschied zum beispielsweise ebenfalls sehr heißen, aber weniger bremsintensiven Indonesien-GP.
Die Felgen von Zulieferern wie OZ oder Marchesini bestehen aus einer Magnesiumlegierung. Diese kann je nach exakter Legierung schon ab etwa 100 Grad aufweichen. Sobald dieser Bereich erreicht ist, können harte Schläge durch die Kerbs dann offensichtlich ausreichen, um die Felge zu brechen. Es wird also spannend zu sehen sein, ob und welche Konsequenzen die MotoGP-Verantwortlichen daraus nun ziehen werden. Denn "das war schon gefährlich", wie Mir meinte.
Vor einem Einstieg in die MotoGP könnte derweil CFMoto stehen. Markus liefert euch dazu alle Infos:



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