Eigentlich sollten sich die MotoGP-Piloten am Freitag über die anstehenden Testfahrten in Buriram äußern. Das taten sie auch, doch ein Thema überstrahlte dies. Das Aus des Kult-Klassikers Phillip Island zugunsten des ersten Straßenkurses der MotoGP in Adelaide erhitzt die Gemüter der Fans.

Zuerst einmal gilt aber es zu beachten, dass einige Teams im Vorfeld zum Test keine Medienrunden veranstalteten und ihre Fahrer daher nicht befragt werden konnten. Dazu zählen Ducati, Honda und Yamaha. Die Meinungen von Stars wie Marc Marquez, Francesco Bagnaia oder Fabio Quartararo fehlen uns also bisher. Dennoch haben wir viele Reaktionen gehört und können durchaus ein Stimmungsbild wahrnehmen. Es zeichnen sich zwei Dinge ab.

Keine Sicherheitsbedenken wegen MotoGP-Straßenkurs: Wird mit der Lupe inspiziert

Rein positiv war wenig überraschend Jack Miller, denn der Australier war zur Vorstellung des neuen Kurses in Adelaide vor Ort und sollte die Werbetrommel rühren. "Ich bin sehr stolz auf Australien und Adelaide, dass wir da ein Vorreiter sind, wenn es darum geht, einen für die MotoGP-Bikes sicheren Straßenkurs zu aufzubauen. Das ist das eine Problem, welches wir mit unseren Motorrädern haben: Wo wir unsere Rennstrecken platzieren können. Dass eine Stadt wie Adelaide uns nun einen Kurs entwickelt, auf dem wir durch die Straßen Rennen fahren können, wird eine fanstatische Erfahrung", äußerte der Pramac-Pilot.

Was die Ausrichtung eines Stadtrennens und die damit verbundenen Befürchtungen in Sachen Sicherheit angeht, war er mit seinem Optimismus aber keineswegs allein. Klare Bedenken hörten wir von keinem Fahrer. Honda-Tester Aleix Espargaro zeigte sich davon überzeugt, dass die neue Strecke in Adelaide sicher sein wird. "Das wird kein Straßenkurs, wie wir ihn uns in der F1 in Monaco vorstellen. Ich vertraue der MotoGP voll, dass sie sich Adelaide genau angesehen haben und die nötigen Auslaufzonen bereitstellen, die genauso sicher oder sogar sichererer sind als beispielsweise die letzte Kurve auf Phillip Island", schrieb der Katalane bereits am Donnerstag auf der Plattform X.

Start des Australien Grand Prix 1994
Auf dem Stadtkurs in Adelaide fuhr einst die Formel 1, Foto: IMAGO / Laci Perenyi

Als er für seine Aussage einiges an Gegenwind erhielt, bekräftige der MotoGP-Veteran erneut: "Es kann gar nicht anders sein. Die MotoGP weiß, dass die Fahrer gar nicht erst auf die Strecke gehen, außer es gibt vernünftige Auslaufzonen wie auf einer normalen Strecke. Bei einer solch drastischen Änderung wie dem ersten Straßenkurs in der Geschichte werden wir alles mit der Lupe inspizieren." Letztlich stellte er aber klar, nur diesen Aspekt gemeint zu haben: "Ich verstehe eure Ansichten. Ich habe auch nicht über die Show geurteilt, sondern nur über die Sicherheit."

MotoGP in Adelaide: Wie Isle of Man oder langweilig?

Über die Sicherheit hinaus weckte Adelaide bei manchen auch sportliches Interesse. Pedro Acosta verglich das Unterfangen mit einem legendären Klassiker des Motorradsports: "Ein Rennen auf einer Stadtrennstrecke klingt ziemlich gut, da ich die Isle of Man liebe. Aber es gibt viele Leute, die diese Veranstaltung früher abgelehnt haben, also ist es für mich ziemlich seltsam."

Pedro Acosta denkt bei Stadtkurs an die Isle of Man TT, Foto: IMAGO / PRiME Media Images
Pedro Acosta denkt bei Stadtkurs an die Isle of Man TT, Foto: IMAGO / PRiME Media Images

Andere stellen sich auf ein langweiliges Rennen ein. "Für die Sicherheit wird alles einsehbar sein müssen. Wir werden die Geschwindigkeiten der Strecke [im Vergleich zum Autolayout, Anm. d. Red.] in den Kurven reduzieren müssen. Für uns Fahrer macht das nicht gerade Spaß. Ungarn ist so. Da gewinnt dann immer Marc [Marquez], das ist für uns andere kein Spaß", mahnte Johann Zarco an.

Raul Fernandez wiederum zeigte Verständnis für die wirtschaftlichen Interessen hinter der Verlegung des Australien Grand Prix: "Wenn du dir die F1 der Vergangenheit ansiehst, dann haben sie [Liberty Media, Anm. d. Red.] den Sport enorm weitergebracht. Das ist wegen solcher Dinge [wie Stadtkursen, Anm. d. Red.]." Maverick Vinales schlug in eine ähnliche Kerbe: "Natürlich ist Phillip Island eine wunderschöne Strecke, aber wenn sie die Meisterschaft verändern, gibt es dafür definitiv einen Grund."

Verlust von Phillip Island wiegt schwer - und ist nur der Anfang?

Damit waren die beiden Spanier aber in der Minderheit. Der Verlust von Phillip Island lässt sich für die meisten Piloten nicht durch kommerzielle Argumente aufwiegen. "Meiner Meinung nach ist es schade, die beste Strecke im Kalender zu verlieren. Sie ist mein Favorit. Das schmeckt mir nicht", meinte Jorge Martin. VR46-Pilot Fabio Di Giannantonio, der 2023 seinen ersten Podestplatz in Australien holte, wollte das Aus noch gar nicht wahrhaben und hoffte auf eine Rettung des Klassikers: "Wie schade! Das war ein Schlag in mein Herz. Meiner Meinung nach ist das die schönste Strecke der Welt. Ich glaube immer noch, dass wir irgendwie erreichen können, dort weiterzufahren. Die MotoGP verdient eine Strecke wie diese."

Fabio Di Giannantonio war alles andere als begeistert, Foto: VR46 Media
Fabio Di Giannantonio war alles andere als begeistert, Foto: VR46 Media

Zum Schmerz im Rennfahrerherz gesellte sich dann auch noch eine Befürchtung. "Es ist auf jeden Fall ein brutaler Verlust, Phillip Island zu verlassen", seufzte Enea Bastianini. Dann deutete der Italiener weitere Hiobsbotschaften an: "Wenn wir Mugello verlieren, wäre es ein weiteres ikonisches Rennen."

Dass Phillip Island erst der Anfang auf der Streichliste gewesen sein könnte, trieb auch Pedro Acosta trotz seinem Interesse am Straßenkurs um: "Letztendlich glaube ich, dass es [Phillip Island, Anm. d. Red.] die einzige legendäre Rennstrecke ist, die noch im Kalender steht, eine Rennstrecke aus alten Zeiten. Es ist ziemlich traurig, sie zu verlieren und zu sehen, dass viele weitere aus dem Kalender gestrichen werden könnten." Welche Strecken er damit meint, verriet der Spanier im Gegensatz zu seinem Tech3-Kollegen nicht.

Fazit: Keine Stadtkurs-Kritik, sondern Verlust der Klassiker im Fokus

Letztlich lassen sich zwei klare Tendenzen in den Reaktionen der Beteiligten lesen. Das Problem ist nicht der neue Stadtkurs in Adelaide. Ernste Sicherheitsbedenken werden für das erste Rennen seiner Art nicht geäußert. Das Vertrauen in die Verantwortlichen besteht und das Interesse an der Premiere eines Straßenrennens ist sogar von einigen Piloten gegeben. Ebenso herrscht Verständnis für die wirtschaftlichen Interessen des Sports.

Könnten weitere Klassiker wie Mugello gefährdet sein?, Foto: VR46 Media
Könnten weitere Klassiker wie Mugello gefährdet sein?, Foto: VR46 Media

Das große und deutlicher artikulierte ABER ist, dass dafür die geliebte Strecke auf Phillip Island geopfert wurde. Und dieser Gedanke geht sogar über die Natur-Achterbahn selbst hinaus. Es herrscht die Angst, dass auch weitere Klassiker unter der Herrschaft von Liberty Media wegfallen könnten. Die Piloten fürchten also nicht um ihre Sicherheit, sondern um die Eckpfeiler ihrer Meisterschaft.

In unserer Redaktion bei Motorsport-Magazin.com ist die Meinung zum Aus von Phillip Island eindeutig. In unserem letzten Kommentar haben wir sie zum Ausdruck gebracht: