Es ist ein trauriger Fakt: Das Racing in der MotoGP ist in der aktuellen Ära nicht annähernd so gut, wie es noch vor einigen Jahren war. Grund dafür ist die massive Weiterentwicklung der Motorräder, die durch Ride-Height-Devices und massive aerodynamische Anbauten die Vorderreifen von Michelin konstant überfordern.

MotoGP-Reifen von Michelin überfordert

Die Reifen reagieren auf diese Überforderung mit hoher Temperatur und dementsprechend hohem Druck, was bei engen Duellen und dementsprechendem Windschatten zusätzlich verschärft wird. Hitzige Zweikämpfe, die sich über viele Runden hinziehen, sind somit praktisch unmöglich geworden.

Francesco Bagnaia und Marc Marquez im Duell in Mugello
Packende MotoGP-Duelle sind in der modernen MotoGP meist schnell zu Ende, Foto: IMAGO / ABACAPRESS

Reifenlieferant Michelin war sich dieser Problematik bewusst und begann bereits 2023 mit der Entwicklung eines neuen Vorderreifens. Dieser sollte durch einen anderen Aufbau und größeres Volumen weniger anfällig für eine Druckzunahme sein. Das neue Modell sollte eigentlich bereits 2025 eingeführt werden. Teams und Hersteller der MotoGP leisteten mit den Reifen allerdings zu wenig Testarbeit und so wurde die Einführung auf 2026 verschoben.

Michelin verkündet: Kein neuer MotoGP-Reifen 2026

Am Freitag in Assen überbrachte Michelin-Motorsportchef Piero Taramasso schließlich die Hiobsbotschaft: Die Einführung des neuen Vorderreifens wurde nun endgültig gestrichen: "Nach dem jüngsten Test in Aragon haben wir die Ergebnisse analysiert. In Anbetracht der Tatsache, dass wir die MotoGP mit Ende der Saison 2026 verlassen werden, haben wir uns entschieden, den neuen Vorderreifen nicht zu bringen." Michelin übergibt zur Saison 2027 ja das Reifenmonopol der MotoGP nach elf Jahren an Pirelli.

Michelin raus, Pirelli rein! Folgen der MotoGP-Reifenrevolution (06:21 Min.)

Laut Taramasso wurde diese Entscheidung gemeinsam mit den Teams, Promoter Dorna und auch den Fahrern getroffen. Unter den Piloten gab es allerdings eine leichte Mehrheit, die für die Einführung gestimmt hatte. "Diese Fahrer mochten den Reifen und haben das passende Setup sowie das richtige Gefühl gefunden", verrät Taramasso. "Anderen Fahrern hat er aber nicht gefallen. Sie haben zwar das Potenzial gesehen und erklärt, dass sie sich beim Bremsen besser fühlen und der Reifen mehr Stabilität bietet. Sie konnte aber kein passendes Setup finden. Es handelt sich um ein völlig neues Konzept, das eine ganz andere Abstimmung verlangt."