Bestzeit im 1. Freien Training, Bestzeit im Training, Bestzeit im 2. Freien Training und Bestzeit im Qualifying: MotoGP-Superstar Marc Marquez lieferte im Motorland Aragon bis zum Samstagnachmittag die erwartet überlegene Vorstellung ab. Erst im Sprint, als die ersten WM-Punkte des Wochenendes vergeben wurden, deutete sich dann zumindest für kurze Zeit ein Ende der Aragon-Dominanz der Startnummer 93 an.

Den Start in den Sprint hatte Marquez nämlich völlig vermasselt. Ein durchdrehender Hinterreifen ließ ihn zurückfallen, während Bruder Alex Marquez den perfekten Launch erwischte und führend aus der ersten Kurve herauskam. Der WM-Zweite zog sofort das Tempo an, um eine Lücke herauszufahren. Mehr als eine Sekunde lag er nach der ersten Runde etwa schon vor dem bestplatzierten Nicht-Ducati-Piloten Pedro Acosta. Doch Alex Marquez musste schnell erkennen: "Marc hatte einen schlechten Start, aber nicht so schlecht wie ich gedacht hatte."

Alex Marquez ohne Chance gegen Marc: Traum geplatzt!

Trotz des durchdrehenden Hinterreifens und einer leichten Kollision mit Acosta in der Anfahrt zu Kurve eins war Marc Marquez noch als Dritter aus der Startphase herausgekommen. Zu Beginn der zweiten Runde überholte er Franco Morbidelli und lag somit schon wieder auf Platz zwei, nur wenige Zehntel hinter der Gresini-Ducati von Bruder Alex. "Ich dachte, dass ich vielleicht eine kleine Chance hätte, wenn er Achter oder Neunter gewesen wäre. Darum habe ich zu Beginn so hart gepusht", blickte Letzterer zurück. Die Hoffnung währte jedoch nicht lange: "Als sie ihn mir auf meinem Pitboard direkt hinter mir angezeigt haben, ist mein Traum geplatzt."

Vier Runden verbrachte Marc Marquez hinter seinem jüngeren Bruder, ehe er zu Beginn des sechsten Umlaufs kurzen Prozess machte. Nicht weniger als sechs Zehntel Vorsprung fuhr der Ducati-Star bis zum Ende der Runde noch heraus, Alex Marquez hatte keine Antwort mehr parat. "Ich habe nur noch versucht, keinen Fehler zu machen. Das Risiko wäre zu hoch gewesen, wenn ich diese selbstmörderrische Pace aufrechterhalten hätte. Ich hatte mein Glück in den Runden zuvor schon zu sehr strapaziert", kommentierte er vielsagend.

Gleich dreimal war Alex Marquez in den letzten beiden Grands Prix gestürzt, nahm aus Le Mans und Silverstone nur 31 Punkte mit. Der Hauptgrund, warum sich Bruder Marc in der Weltmeisterschaft zwischenzeitlich auf 24 Zähler distanzieren konnte. In Aragon waren weitere Patzer daher strengstens verboten. "Unser Ziel war es, mit Alex mindestens Zweiter zu werden", unterstrich Gresini-Teammanager Michele Masini bereits am 'ServusTV'-Mikrofon und auch sein Schützling selbst wusste: "Wenn jemand so überlegen ist wie Marc hier, dann musst du versuchen, den Schaden zu minimieren."

Alex Marquez führte den Sprint in den ersten Runden an, Foto: IMAGO / Italy Photo Press
Alex Marquez führte den Sprint in den ersten Runden an, Foto: IMAGO / Italy Photo Press

Alex Marquez muss auf Marc-Patzer hoffen: Selbst perfektes Rennen wohl nicht genug!

Bereits am Donnerstag hatte Alex Marquez erklärt, dass es eine Überraschung wäre, wenn sein älterer Bruder nicht mit 37 Punkten aus Aragon abreisen würde. "Mister 37" hatte er ihn deshalb scherzhaft getauft. Nachdem der MotoGP-Superstar am Samstag die erste Teilaufgabe in Form der zwölf Sprintpunkte erfolgreich bewältigt hatte, gab Alex Marquez fast schon verzweifelt zu Protokoll: "Marc ist hier keine Referenz, er wäre hier auch einem Fahrrad schnell!"

Wenig Hoffnung also, dass es am Sonntag zu einem echten Zweikampf um den Rennsieg kommen könnte. "Ich werde versuchen, zu gewinnen. Es ist alles möglich", sagte Alex Marquez im Gespräch mit 'Sky Italia' zwar. Aber dem Gresini-Piloten war durchaus bewusst, dass er dazu wohl die Hilfe seines Bruders in Form eines Patzers benötigen wird. "Selbst ein perfektes Rennen ist wahrscheinlich nicht genug, um Marc zu schlagen. Das ist hart, aber an solchen Tagen musst du einfach das Maximum mitnehmen, anstatt an den ersten Platz zu denken."

Marc Marquez im Kontrollmodus: Pole war schwerer als Sprintsieg!

Und doch scheint ein spannendes MotoGP-Rennen am Sonntag (Start 14 Uhr) aus neutraler Fan-Sicht gar nicht so unwahrscheinlich. Immerhin landete Marc Marquez in der laufenden Saison schon in drei der sieben Grands Prix auf der Nase. Ein Fehler ist schnell passiert, speziell mit der aktuell ohnehin schwierig zu fahrenden Ducati GP25. Das weiß auch Marquez selbst: "Wenn ich meine Pace betrachte, sollte ich um den Sieg fahren. Aber ich muss zu jeder Zeit verstehen, wie sich das Rennen entwickelt und was um mich herum passiert. Es könnte wieder passieren, dass mein Hinterreifen durchdreht und andere, schnelle Fahrer wie Alex an mir vorbeigehen."

Marc Marquez und Pedro Acosta berührten sich beim Start des Sprints, Foto: MotoGP Press
Marc Marquez und Pedro Acosta berührten sich beim Start des Sprints, Foto: MotoGP Press

Nicht völlig aus der Welt gegriffen, dass Marquez in einem solchen Fall noch weiter zurückfallen und nicht mehr rechtzeitig aufholen könnte - oder nach einem Kontakt wie mit Acosta sogar zu Sturz kommen könnte. "Solche Dinge können passieren, wenn ein Fahrer einen schlechten Start hat. Zum Glück ist nichts passiert", analysierte der MotoGP-Star dankend - und ließ sich im Anschluss doch aus der Reserve locken. Danach befragt, ob ihm am Samstag Pole oder Sprintsieg schwerer gefallen wäre, antwortete er vielsagend: "Die Pole Position. Da war ich zu sehr am Limit. Ich wollte zu viel, hätte mit einer kontrollierteren Runde schneller sein können."

Auch so reichte es aber zu einer neuen Rekordrunde und zweieinhalb Zehnteln Vorsprung auf den Rest des Feldes. Wenn das schwieriger ist, als einen Sprint nach vermasseltem Start zu gewinnen, dann sollte die Konkurrenz wohl gewarnt sein. Doch was meint ihr: Steht am Sonntag wieder Platz eins für Marc Marquez zu Buche? Oder erwartet uns eine große Überraschung? Gebt uns eure Tipps für den Aragon-Grand-Prix in den Kommentaren ab!

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