Drei Wochen sind vergangen seit Jorge Martin nach dem Italien-Grand-Prix überraschend seinen MotoGP-Wechsel zu Aprilia bekanntgab. Der Grund war offensichtlich: Ducati hatte dem WM-Leader zuvor mitgeteilt, dass Marc Marquez den Vorzug für den Werksplatz neben Francesco Bagnaia ab 2025 erhalten wird. Bereits am Donnerstag gab der WM-Leader seine Enttäuschung über die Ducati-Abfuhr preis. Am Freitag legte er nach.

Jorge Martin: Probleme im Assen-Training

Im Training in Assen ging es nach den großen Schlagzeilen der letzten Wochen nun zurück auf die MotoGP-Strecke. Die bestechende Form der ersten sieben Saisonrennen konnte der Pramac-Piloten noch nicht aufnehmen. Vielmehr war er sogar über seinen direkten Q2-Einzug nach dem fünften Platz im Training am Nachmittag überrascht. "Ich weiß nicht, wie ich das geschafft habe", erklärte der 'Martinator' am Abend in seiner Medienrunde. "Ich habe mich heute sehr schwergetan und dachte, dass ich wohl seit Jahren mal wieder ins Q1 müsste."

Dies konnte Martin allerdings abwenden. Auf seiner schnellsten Runde auf dem TT Circuit fehlte ihm allerdings fast eine halbe Sekunde auf Konkurrent Francesco Bagnaia. "Das Gefühl für das Motorrad war heute einfach schlecht, ich habe in den schnellen Kurven keine Stabilität gefunden. Zudem war es schwer das Bike zu stoppen und das Vertrauen für die Front zu finden. Hoffentlich können wir uns morgen verbessern. Das Gute ist, dass wir uns an Pecco [Bagnaia] orientieren können, um einen Weg zu finden. Im Moment ist er uns aber zwei Level voraus."

Jorge Martin: Seltsame Stimmung in der Ducati-Box

Die Geschehnisse der letzten Wochen haben also nicht nur abseits der Strecke ihre Spuren hinterlassen. Nun muss Martin am Samstag eine deutliche Leistungssteigerung zeigen, um Bagnaia und Marquez in der WM auf Distanz zu halten. Doch das Blatt zwischen ihm und den Ducati-Bossen und Ingenieuren scheint einen deutlichen Riss zu haben.

"Ich gebe nach wie vor mein Bestes und pushe höllisch auf dem Motorrad", stellte Martin klar. "Aber natürlich ist es jetzt seltsam mit Gigi Dall'Igna und den Ingenieuren zu sprechen. Sie fragen mich viele Dinge und wollen wissen, wie es sich auf der Strecke anfühlt. Ich versuche ehrlich mit ihnen zu sein, weil sie mir ja nur helfen wollen, denke ich. Ich werde also versuchen, weiterhin ehrlich zu sein, damit wir uns verbessern können. Das Wichtigste wird sein, dass wir uns gegenseitig die Informationen geben. Aber wie gesagt, es fühlt sich seltsam an, wenn sie in die Box kommen, um mit mir zu reden."

Jorge Martin nach Ducati-Aus sauer: Werde bei Aprilia glücklich (06:51 Min.)

Jorge Martin: Ducati hätte mich so oder so nicht gewählt

Zumindest kann sich Martin nun vollends auf seine sportlichen Ziele fokussieren. Die Zukunft ist geklärt, nun hat der 26-Jährige den WM-Titel fest im Blick. "Ich war in den letzten Monaten besessen davon, Ducati zu beweisen, dass ich der Richtige bin für den Werksplatz. Das muss ich jetzt nicht mehr, ich bin also viel entspannter", stellte Martin fest. "Es geht jetzt nur darum, jeden Tag ein noch besserer Fahrer zu sein, das ist mein Ziel."

"Ich muss Ducati jetzt überhaupt nichts mehr beweisen. Selbst wenn ich 100 Punkte Vorsprung hätte, hätten sie mich nicht gewählt. Ich fahre also nur, um mir selbst zu zeigen, dass ich an meine Fähigkeiten glauben kann und die Ziele erreichen kann, die ich mir stecke. Ich will weiter an mir arbeiten und bis zum Ende der Saison immer besser werden, um nächstes Jahr noch stärker zu sein", kündigte Martin hochmotiviert an.