Die MotoGP hat sich in den letzten Jahren stark italienisch gefärbt. Nicht nur, dass 2023 bis auf eine Ausnahme (Alex Rins in Austin) nur italienische Bikes Grand Prix gewonnen haben (17 Ducati, 2 Aprilia), auch auf der Fahrerseite haben die Italiener sich gegen die zuvor dominierenden Spanier stark positionieren können. Immerhin 6 italienische Stammfahrer stehen im kommenden Jahr 10 Spaniern gegenüber. Bis auf Luca Marini haben alle von ihnen bereits Grand Prix gewonnen. Der Halbbruder von Valentino Rossi ist dennoch in der Königsklasse fest etabliert, was sein Wechsel zu Repsol Honda unterstreicht. Angeführt vom zweifachen Weltmeister Francesco Bagnaia deutet sich nun aber an, dass es sich eher um eine 'Goldene Generation' als um eine dauerhafte Entwicklung handeln könnte.

Blicken wir auf die Italiener in der MotoGP, so zeigt sich ein deutliches Muster. Die alte Garde rund um Rossi und Andrea Dovizioso hat aufgehört. Abgesehen von Franco Morbidelli, der auf die 30 zugeht, sind die fünf weiteren Piloten allesamt entweder 25 oder 26 Jahre alt. Auch wenn sie teilweise in unterschiedlichem Alter in die MotoGP kamen, so stellen sie eine Generation dar. Dies korreliert natürlich mit dem Engagement von Rossis VR46-Academy, die 4 der 6 Italiener im MotoGP-Grid auf ihrem Weg unterstützt hat.

Arbolino und Vietti als letzte italienische MotoGP-Hoffnungen?

Beim Blick auf die Academy erkennen wir heute aber ein weiteres Muster. Als Team ist VR46 nur noch in der MotoGP vertreten. Aus den Nachwuchsklassen verbleibt mit Celestino Vietti ein hoffnungsvoller Fahrer unter dem VR46-Banner. Vietti war zu Saisonbeginn 2022 Titelkandidat der Moto2, fiel dann aber mit vielen Stürzen weit zurück. 2023 konnte er nur beim Sieg in Österreich und beim Heimpodium in Misano überzeugen. Obwohl er nur WM-Rang Zehn erreichte, so bekommt er 2024 nochmal eine Chance beim Top-Team von Ajo.

Der zweite Kandidat für die MotoGP wäre Moto2-Vizemeister Tony Arbolino, der 2024 erneut mit Marc VDS nach dem Titel greifen will. Diese beiden könnten verhindern, dass es drei Jahre in Folge keinen italienischen Rookie in der Königsklasse gibt. 2023 und 2024 waren es mit Augusto Fernandez und Pedro Acosta wieder einmal nur Spanier, die den Sprung schafften. Abgesehen von den beiden Hoffnungsträgern sieht es für Italien alles andere als gut aus im Nachwuchs.

Tony Arbolino und Celestino Vietti
Celestino Vietti (l.) und Tony Arbolino (r.) sind wohl für längere Zeit die einzigen italienischen MotoGP-Kandidaten, Foto: LAT Images

Düstere Lage in den kleinen Klassen

Moto2-Rookie Dennis Foggia konnte 2023 kaum überzeugen. In der Moto3 herrscht trotz einer Vielzahl von 6 Fahrern gähnende Leere in Sachen Top-Talente. 2023 wurde das einzige Podium eines Italieners von Routinier Andrea Migno eingefahren, der mittlerweile Fahrer-Coach bei VR46 ist, da er für die Moto3 zu alt geworden ist. Bester Italiener der WM-Wertung 2023 war Stefano Nepa auf Rang 12. Von den weiteren Fahrern zeigte einzig Matteo Bertelle ab und zu mit gutem Speed im Qualifying auf. Im Rennen umsetzen konnte er das aber nie.

Andrea Migno auf dem Podium des Moto3-Argentinien GP
Routinier Andrea Migno holte als einziger Italiener 2023 ein Moto3-Podest, Foto: LAT Images

Gehen wir noch weiter die Nachwuchsleiter hinunter, so sieht es immer schlechter aus für Bella Italia. Im Red Bull Rookies Cup fuhren 2023 gerade einmal zwei Italiener. Als der bessere der beiden wurde Guido Pini Gesamtzwölfter. An der Spitze der Wertung lagen im Übrigen drei Spanier. Im Northern Talent Cup, der als etwas schwächer besetzt gilt, fuhr ein Italiener. Mateo Masili wurde Gesamtelfter. Der Trend ist klar: Je jünger, desto weniger vielversprechende Italiener.

Italienische Erfolge in den Motorrad-Klassen in der Übersicht

SiegePodienPole-Positions
MotoGP122712
Moto24102
Moto3010
Rookies Cup020

Goldene Generation hat noch einige Jahre...aber keinen Nachfolger?

Daher scheint es momentan so, dass Italien die aktuelle Lage genießen sollte. Francesco Bagnaia und Co. können alle noch einige Jahre in der MotoGP fahren und sie haben mit Ducati einen mächtigen Unterstützer im Rücken. Langfristig muss aber wohl wieder etwas geschehen in Sachen Nachwuchs, wenn die Italiener nicht nur bei den Herstellern eine bedeutende Rolle in der Königsklasse spielen wollen. Blicken wir auf die Karrieren der aktuellen italienischen Fahrer im Feld, so haben sie doch einige Jahre in den Nachwuchsklassen verbracht, ehe sie in die MotoGP kamen. Wenn Vietti und Arbolino es nicht schaffen sollten, so ist der nächste Italiener in der MotoGP momentan vielleicht gerade einmal im frühen Teenageralter.

Q&A: MotoGP vor Ausverkauf? Show gegen Sport: (20:59 Min.)