Nach elf gemeinsamen Jahren mit MotoGP-Superstar Marc Marquez beginnt bei Repsol Honda 2024 eine neue Ära. Neben Ex-Suzuki-Weltmeister Joan Mir soll Luca Marini in den kommenden beiden Jahren dabei helfen, den strauchelnden MotoGP-Giganten aus Japan wieder an die Spitze zu bringen. Und der Halbbruder von Valentino Rossi, der 2003 und 2004 immerhin selbst zweimal MotoGP-Weltmeister mit Repsol Honda wurde, hat sich für die kommende Saison gleichmal hohe Ziele gesteckt.

"Ich möchte offen beginnen. Wir müssen erst unseren Speed und unser Potenzial verstehen, die richtige Balance und einen Weg finden, um unsere direkten Konkurrenten zu schlagen - das sind meine Teamkollegen. Sie fahren für den gleichen Hersteller und haben das gleiche Bike. Das ist mein primäres Ziel. Ich ziele aber auch darauf ab, mit diesem Motorrad auf das Podest zu fahren oder einen Sieg zu erringen", zeigte sich Marini in einem Interview, welches die Honda Racing Corporation veröffentlichte, angriffslustig. "Ich weiß, dass das vielleicht schwierig sein wird, aber wir müssen nach vorne schauen."

Irrer Honda-Trick: MotoGP-Gegner hinters Licht geführt?: (04:59 Min.)

Bis zum 31.12.2023 stand der 26-jährige Italiener noch bei VR46 Racing unter Vertrag und durfte daher öffentlich nicht über seinen neuen Arbeitgeber HRC sprechen. Das änderte sich mit dem Jahreswechsel. In drei MotoGP-Jahren gelang Marini bislang noch kein Sieg, seine beste Platzierung erreichte er beim Amerika GP 2023 mit Platz zwei. Ausgerechnet dort verzeichnete auch Neu-Arbeitgeber Honda mit dem Kundenteam LCR und Alex Rins den bislang letzten MotoGP-Triumph und den gleichzeitig einzigen der letzten zwei Jahre. Das Werksteam siegte zuletzt im September 2021 in Misano, damals noch mit Marc Marquez. Der letzte Rennsieg der Traditionsmannschaft mit einem anderen Piloten datiert sogar schon vom 12. November 2017, als Dani Pedrosa das Saisonfinale in Valencia gewann.

Mit Blick auf diese Horrorbilanz und die schwachen Leistungen Hondas in der abgelaufenen Saison also eine mutige Aussage Marinis. Was macht dem 26-Jährigen Hoffnung, nach drei Jahren auf Ducati ausgerechnet mit der Honda RC213V seinen ersten MotoGP-Sieg einzufahren? "Ich denke, dass wir die Power haben, schon sehr bald wieder zurückzukommen [an die Spitze, Anm.]. Ich werde mein Feedback geben und mit aller Kraft versuchen, das Projekt zu verbessern. Ich bin mir sicher, dass wir die richtige Richtung finden werden. Dann haben wir die Kraft, viele Jahren an der Spitze zu bleiben", erklärt er.

Luca Marini saß in Valencia bereits auf der Honda RC213V, Foto: Repsol Media
Luca Marini saß in Valencia bereits auf der Honda RC213V, Foto: Repsol Media

Marini: Positiver Honda-Auftakt beim Valencia-Test

Eine erste Standortbestimmung gab es bereits beim Valencia-Test Ende November 2023. Dort konnte Marini bereits überzeugen und wurde als Zehnter bester Honda-Pilot. "Es war fantastisch, der Tag verflog wahnsinnig schnell", erinnert sich Marini. Auf dem Honda-Prototypen für 2024 drehte der Italiener 72 Runden und war damit drittfleissigster MotoGP-Pilot. HRC-Teammanager Alberto Puig war anschließend gleich voll des Lobes für seinen Neuzugang. Auch Marini selbst scheint gleich einen guten Draht zu seiner neuen Truppe gefunden zu haben: "Wir haben während dem Winter nun viel Zeit, mit allen Teammitgliedern zu sprechen, denn es gibt verdammt viele. Es ist ein Traum für mich, mit all diesen Menschen zu arbeiten. Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Ich liebe die [japanische, Anm.] Kultur und denke, dass wir eine gute Synergie haben werden."

Seine Entscheidung, die Wohlfühloase VR46 Racing und Ducati zu verlassen, bereut der Moto2-Vizeweltmeister von 2020 daher nicht. "Repsol Honda ist das beste Team der Geschichte. Die Zahlen und Statistiken sprechen für sich", unterstreicht Marini. Tatsächlich kann kein Rennstall mehr MotoGP-Titel vorweisen als Honda (18), der letzte Triumph liegt mittlerweile aber schon vier Jahre zurück. 2023 kam das Team mit 122 Punkten nicht über den drittletzten Rang der Team-Weltmeisterschaft hinaus, nur knapp vor Kundenteam LCR. "Wir wollen uns gemeinsam verbessern und ein besseres Bike bauen, um die Performance zu verbessern und wieder Rennen und WM-Titel zu gewinnen", sagt Marini. "Das ist unser Ziel und ich bin sicher, dass wir das erreichen können."