Die Karbonrahmen sind in der MotoGP auf dem Vormarsch. Bei den Testfahrten in Valencia sammelte Aprilia-Testpilot Lorenzo Savadori weitere Testkilometer mit dem Kohlefaserchassis. Konkurrent KTM setzt mittlerweile ebenfalls auf die Dienste einer Rahmenlösung aus Karbon. Besonders interessant ist dabei, dass damit mittlerweile drei verschiedene Rahmenmodelle in der MotoGP vertreten sind. Eigentlich hatte sich der Aluminiumrahmen längst durchgesetzt. Im modernen Technik-Wettrüsten der MotoGP scheint sich nun allerdings eine Alternative in der Rahmenentwicklung aufzutun.

Bereits 2017 erhielt das Konzept eines Stahlrahmens, durch den Einstieg von KTM, Einzug in die Königsklasse. Die Österreicher hatten aus dem Offroad-Bereich sowie aus Moto2 und Moto3 positive Erfahrungen und wichtiges Know-How gesammelt. Nachdem die KTM RC16 von der Konkurrenz für ihren Stahlrahmen belächelt wurde, schuf KTM durch MotoGP-Erfolge eine Daseinsberechtigung für den Gitterrohrstahlrahmen. Bis 2023 hielt man an diesem Konzept fest.

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Alle anderen MotoGP-Hersteller vertrauten derweil auf ein Aluminiumchassis. Im Sommer 2023 experimentierte Aprilia an einem Karbonrahmen und schickte Entwicklungsfahrer Lorenzo Savadori mit einem solchen bei Testfahrten auf die Strecke. Zu einem Einsatz während eines Rennwochenendes sollte es 2023 an der RS-GP allerdings nicht mehr kommen. Die Konkurrenz nahm diesen Aprilia-Test allerdings ernst: Einige Wochen später startete KTM-Testfahrer Dani Pedrosa beim Grand Prix in Misano überraschend mit einem Karbonchassis. Der Spanier gab den Ingenieuren positives Feedback und unterstrich die Wettbewerbsfähigkeit der neuen Rahmenlösung mit zwei vierten Plätzen in Sprint und Hauptrennen in Misano.

Das Karbonchassis an Pedrosas KTM konnte in Misano überzeugen, Foto: LAT Images
Das Karbonchassis an Pedrosas KTM konnte in Misano überzeugen, Foto: LAT Images

Kurze Zeit später folgten die Werkspiloten Brad Binder und Jack Miller, die in Motegi mit Karbonrahmen an ihrer KTM ausgerüstet wurden. Binder war von der Neuentwicklung begeistert. Er sprach von einer verbesserten Traktion, während Teamkollege Miller das neue Konzept eher skeptisch betrachtete. Großer Vorteil gegenüber dem Stahlrahmen ist vorrangig das Gewicht, dass die Karbonvariante einspart. Zusätzlich soll für eine bessere Bremsstabilität gesorgt werden. Da sich KTM bisher auf die Arbeit mit Stahl als Rahmenmaterial fokussierte, wirkte sich der Umstieg auf Karbon stärker aus als bei einem Umstieg von Aluminium.

In Japan zogen Binder und Miller mit Kohlefaserchassis nach, Foto: LAT Images
In Japan zogen Binder und Miller mit Kohlefaserchassis nach, Foto: LAT Images

Genau diesen Umstieg von Aluminium- auf Karbonrahmen hat Aprilia seit Sommer 2023 nun angepeilt. Die Italiener testeten auch bei dem Post-Season-Test in Valencia mit der modernen Rahmenlösung, haben allerdings noch viel Testarbeit vor sich und werden zum Saisonstart 2024 voraussichtlich nicht auf diese Rahmenvariante setzen, wie Savadori nach dem Valencia-Test verriet. "Wir sind fokussiert auf die Arbeit mit dem neuen Chassis, aber es ist nicht unsere Priorität für 2024", gestand der Italiener. "Wir stehen damit noch am Anfang, wir haben erst im Sommer angefangen, es zu testen. Das braucht noch Zeit."

KTM bleibt damit vorerst der einzige MotoGP-Hersteller, der den Karbonrahmen in der Weltmeisterschaft einsetzt.