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MotoGP: Warum geht bei KTM nichts mehr? Oliveira klärt auf

Von den Hoffnungen des Frühsommers ist kurz vor Saisonschluss wenig übrig. KTM spielt nur noch die fünfte Geige im MotoGP-Konzert. Warum?
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - In der vergangenen MotoGP-Saison hatte KTM in Portimao eines seiner stärksten Wochenenden. Miguel Oliveira holte damals seinen zweiten Saisonsieg, während Pol Espargaro als Vierter das Podest nur knapp verpasste. Ein Jahr später ist man davon weit entfernt: Im Qualifying schaffte es aus dem Fahrer-Quartett einzig und allein Iker Lecuona als 10. in die ersten vier Startreihen.

Vorjahressieger Oliveira nimmt sein Heimrennen hingegen nur vom 17. Rang in Angriff. "Es wirkt als wären wir jedes Mal langsamer, wenn wir hierherkommen. Das ist keine gute Entwicklung", sprach der Portugiese am Samstag in seinem Videocall Klartext. Tatsächlich ist bei KTM eine klare Abwärtstendenz in Portimao erkennbar. Dem Top-Resultat aus der Vorsaison folgte ein 5. Platz von Brad Binder im Frühjahr. Am Sonntag müsste man wohl bereits einen der hintersten Top-10-Ränge als vollen Erfolg für den österreichischen Hersteller werten.

Oliveira analyiserte am Samstag die Probleme der RC16: "Wir verlieren aus den Kurven heraus viel Stabilität am Heck und verschwenden daher unser Potenzial. Wir können unsere Motorpower nicht nutzen, da sich der Reifen zu stark hin und her bewegt. Wir müssen uns nun ernsthafte Gedanken machen, wie wir dieses Problem lösen wollen."

Miguel Oliveira völlig von der Rolle

Oliveira wartet seit der Sommerpause vergeblich auf ein Top-10-Resultat. Zu einer in Spielberg erlittenen Handgelenksverletzung gesellten sich zuletzt die Probleme mit der RC16. Auch bei Brad Binder ist seit dem Sensationssieg in Spielberg eine Abwärtstendenz erkennbar: auf P6 in Silverstone folgte ein 7. Rang in Aragon, zwei 9. Plätze und zuletzt in Misano Position 11. Das Tech3-Duo Iker Lecuona und Danilo Petrucci punktete seit drei Rennen nicht mehr.

In der Konstrukteurs-Wertung fiel KTM vom 3. auf den 5. Rang zurück und wird dort wohl in Valencia die Zielflagge sehen. Die erste volle Saison ohne Zugeständnisse bei Motor-Reglement und Testbeschränkungen zeigt ihre Auswirkungen, wie Oliveira in Portimao bemerkte: "Der höchste Preis, den wir in der laufenden Saison bezahlten mussten, ist der Umstand, dass wir Stammfahrer abseits der Rennwochenenden nicht mehr testen können. In der Vergangenheit konnten wir selbst neue Entwicklungen filtern und mussten uns nicht auf die Ingenieure oder die Testfahrer verlassen." Im Vorjahr profitierte KTM noch von den sogenannten Konzessionen, die man ab einer gewissen Erfolgsquote einbüßt. Aktuell profitiert nur noch Aprilia von diesen Zugeständnissen im Technischen Reglement.

Oliveira nahm am Samstag abschließend das gesamte Team in die Pflicht: "Wir haben aktuell kein Motorrad, das stark genug ist für den Kampf um jene Positionen, um die wir eigentlich kämpfen sollten. Daran müssen wir dringend arbeiten." In Mattighofen und Munderfing dürften über den Winter somit die Köpfe einmal mehr rauchen.


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